Der Freizeitmodeanbieter Tom Tailor wird 50 und will zu den Großen im Modemarkt aufzuschließen. Dabei spielen die eigenen Läden eine wichtige Rolle, die Marke wird immer mehr zum Händler.

Von der Ausgabebereitschaft der Kunden profitiert derzeit auch Tom Tailor. Der Hamburger Modehändler und Franchisegeber, der in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen feiert, wächst über alle Märkte und Vertriebskanäle.

Zwar liegen die Bilanzzahlen für 2011 noch nicht vor, doch das Ziel von mehr als 400 Millionen Euro Umsatz (2010: 348 Millionen) hat der Konzern nach eigenen Angaben erreicht. Wachstumstreiber bleiben die eigenen Filialen, 2011 kamen knapp 100 neue hinzu.   

Nach einem Verlustjahr war 2010 ein um die Aufwendungen für den Börsengang bereinigter Gewinn nach Steuern von 12,4 Millionen Euro ausgewiesen worden. Durch die Aktienausgabe hatte sich Tom Tailor 143 Millionen Euro zum Schuldenabbau und zur Finanzierung seiner europaweiten Expansion besorgt.

Eine der zehn bekanntesten Modemarken 

Vorstandschef Dieter Holzer hat ein ehrgeiziges Ziel: zu den Großen im Markt aufschließen. Zwar hat Tom Tailor bis zu Branchengrößen wie S.Oliver (Umsatz: 1,3 Milliarden Euro) oder Esprit (3,2 Milliarden Euro) noch einen weiten Weg vor sich.

Doch eine "Spiegel"-Markenstudie (2011) bescheinigt dem Unternehmen, auf dem richtigen Weg zu sein. Seit 2007 ist die Marke laut Studie stärker in das Bewusstsein der Käufer gedrungen und gehört mittlerweile zu den zehn bekanntesten Modefirmen in Deutschland.

Im Modehandel herrscht nach wie vor ein harter Verdrängungswettbewerb. Erst kürzlich kündigte Esprit nach einem massiven Gewinneinbruch an, das Unternehmen umbauen und die Marke neu beleben zu wollen.

Tom Tailor bietet Freizeitbekleidung für Erwachsene, Teenager und Kinder im mittleren Preissegment an. Vor zwei Jahren kam Babybekleidung hinzu. 2011 wurde die Palette der fast zwei Dutzend Lizenzprodukte um Betten und Kleiderschränke erweitert, die Partnerfirmen erlösten insgesamt rund 70 Millionen Euro. Von Juli 2012 an soll es auch Unter- und Nachtwäsche für Frauen geben.

"Lifestyle mit System"

"Marktführerschaft können wir nur durch Lifestyle mit System erreichen", sagt Vorstandschef Holzer selbstbewusst. Der 47-Jährige leitet das Unternehmen seit mehr als fünf Jahren.

Die Kaufgewohnheiten der Kunden würden mit einem ausgefeilten Warenwirtschaftssystem durchleuchtet und durch Erkenntnisse von Trendscouts ergänzt, so Holzer.

Wie die großen Wettbewerber bietet Tom Tailor zwölf Kollektionen im Jahr an. Die Entscheidung darüber, was tatsächlich in die Läden kommt, fällt so spät wie möglich im Designprozess. Denn die Liefermengen sollen passen - möglichst ohne Ladenhüter.

Die breite Masse im Blick

Der Modeanbieter hat dabei nicht den Anspruch, eigene Trends zu setzen, sondern stellt sich auf den Geschmack der breiten Masse ein, den "Markt der Mitte", wie der Vorstandschef es nennt. "Wir bieten die Farbe pink an, wenn sich pink als Trend in Markt verdichtet", sagt Holzer.

Die Ware, die überwiegend in China, Bangladesch, Indien und Indonesien produziert wird, wird mittlerweile in rund 240 eigenen Geschäften, über mehr als 150 Franchise-Läden sowie auf fast 1.800 Shop-in-Shop-Flächen weltweit verkauft.

35 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Ausland, doch auch den deutschen Markt sieht das S-Dax-Unternehmen noch lange nicht ausgereizt.

Das Wachstum spiegelt sich auch in der Zahl der Mitarbeiter wider: Ende 2011 gab es rund 1.550 Beschäftigte, zwei Jahre zuvor waren es erst 838. In der Hamburger Firmenzentrale sind rund 400 Mitarbeiter tätig.