Am 22.02.2001 fand im Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation eine Informationsveranstaltung zum Thema „Betriebliche Weiterbildung mit digitalen Medien“ statt.

Am 22.02.2001 fand im Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation eine Informationsveranstaltung zum Thema „Betriebliche Weiterbildung mit digitalen Medien“ statt.

Verschiedene Vorträge gaben einen Einblick in die neuesten Trends in puncto technischer Neuerung, Schulungsmöglichkeiten von Mitarbeitern und Nutzen für Betriebe.

“Dem innerhalb von Betrieben vorhandenen Wissen kommt im Wandel von Industriezeitalter zur Informationsgesellschaft eine ähnlich wichtige Bedeutung zu wie dem verarbeiteten Material“, so Hans-Jörg Bullinger, Leiter des Instituts. „Das, was im Wettbewerb entscheidet, sind nicht die Produkte, sondern die Menschen mit ihren Ideen und ihrer Einsatzbereitschaft.“ Deshalb sei es wichtig, auch die betriebliche Wissensarbeit, d.h. Arbeit, in der Wissen recherchiert, verarbeitet und weitergeleitet wird, zu perfektionieren. Effizientes Arbeiten verlange einen raschen und direkten Zugriff auf relevante Informationen. Wissensquellen müssten neu strukturiert werden.

Im Mittelpunkt stünden Konzepte zur langfristigen Mitarbeiterbildung innerhalb des Betriebes. Als Neuentwicklungen stellte Bullinger sogenannte „Corporate Universities“ vor. Dabei handelt es sich nicht um Universitäten im klassischen Sinn, sondern um Weiterbildung durch kontinuierliches Lernen in eigens eingerichteten Schulungen. Des Weiteren behandelte Bullinger in seinem Vortrag das „Web-based-Learning“, durch das sich Angestellte mittels Intra- bzw. Internet weiterbilden könnten.

In der praktischen Umsetzung einer neugestalteten Mitarbeiterweiterbildung nehmen Großunternehmen aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten eine Vorreiterrolle ein. Innovative Lernformen wie E-Learning sind hier bereits integraler Bestandteil neuer arbeitsplatzbezogener Aus- und Weiterbildungskonzepte. Vorteile sieht Jürgen Guttmann von der Siemens AG insbesondere darin, dass Mitarbeitern die Möglichkeit zu selbstverantwortlichem und selbstorganisiertem Lernen gegeben wird. „Informations- und Wissensaustausch wird über Geschäfts- und Ländergrenzen hinweg gefördert.“ Kollaboratives Lernen mit Best Practise Cases werde vermehrt bei projekt- und teambezogener Arbeit in Unternehmen immer wichtiger. “Wissenstransfer ist heute nicht mehr nur eine Frage von Seminarbesuch und persönlicher Anleitung. Die steigende Informations- und Wissensdichte benötigt effiziente technische Systeme und neue didaktische Methoden zur schnellen und gezielten Wissensweitergabe“, führt Guttmann weiter aus. Größtes Problem sei noch die aufwendige Suche im World Wide Web nach Inhalten und eine entsprechende Selektion. Hier gebe es noch kein Patentrezept für eine effiziente Auswahl und entsprechende Bereitstellung von Informationen. Es besteht eine Marktlücke, die die Unternehmen noch zu schließen haben.

In mittelständischen Unternehmen gestaltet sich die Situation anders. Hier bestehen die finanziellen Mittel nicht, um ein umfassendes Projekt von E-Learning anzubieten. „Der Computer als Teacher lohnt sich nicht“, so Michael Keller von der sto AG. Dennoch bestehe die Notwendigkeit, den oftmals „stiefmütterlich“ betrachteten Bereich der Mitarbeiterfortbildung in den Vordergrund der Personalarbeit zu stellen.

Als Modell für den Mittelstand schwebt Keller vor, dass neue Technologien althergebrachte Fortbildungskonzepte unterstützen sollten. Durch ein web-based-training könnten Arbeitsausfallzeiten minimiert und beispielsweise Seminarraum- und Reisekosten gänzlich eingespart werden. Auch eigne sich das Intranet für die gezielte Vorbereitung auf Trainings und Seminare, da Mitarbeiter dann mit einem ganz anderen Vorwissen dorthin kämen.

Ein wesentliches und dabei ganz alltägliches Problem wurde auf der Tagung jedoch außer Acht gelassen: das Zeitproblem. Es ist schwer vorstellbar, wie ein Mitarbeiter neben seinem Tagesgeschäft Gelegenheit haben soll, sich weiterzubilden. Nicht zu verachten sind hingegen die Möglichkeiten des „mobilen Lernens“. Ein Mitarbeiter gewinnt durch die Entwicklung neuer Technologien die Möglichkeit, in seiner Freizeit, oder auf An- und Abreise zu und von seinem Arbeitsplatz, an seiner Weiterbildung zu arbeiten. (AP)


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