Phantasielose Polsterware und Preisverhau: Die deutschen Möbelhersteller leiden unter der europäischen Wirtschaftskrise, aber auch an hausgemachten Problemen.

Die deutsche Möbelindustrie befindet sich in keiner einfachen Lage: Die traditionellen Kernmärkte im Ausland schwächeln weiterhin. In Deutschland werde es immer schwieriger, die Kunden zum Möbelkauf zu animieren, meldet der Verband der Deutschen Möbelindustrie. Die Deutschen geben ihr Geld lieber für Smartphones, Tablets, PCs, Flachbildschirme, Reisen oder Freizeitaktivitäten aus.

Dabei betragen die Pro-Kopf-Ausgaben für Möbel betragen hier zu Lande demzufolge 390 Euro pro Jahr. Hinzu kommen Ausgaben für Accessoires und Dekorationen, die der Verband mit 100 bis 150 Europa pro Jahr ansetzt. Damit seien die Deutschen Europameister, wenn nicht sogar Weltmeister beim Wohnen. Auch die vielen erfolgreichen Zeitschriften rund ums Wohnen zeigten, dass die Bundesbürger grundsätzlich ein schönes Heim haben wollen.

"Hier rächt sich, dass Möbel in den letzten Jahren zumeist phantasielos und in erster Linie über den Preis angeboten wurden", heißt es in der Pressemitteilung zu der am Montag (13. Januar) beginnenden Möbelmesse imm cologne 2014. "Dem Möbelangebot fehlt daher eine wertekommunizierende Substanz. Beim Verbraucher werden keine emotionalen Begehrlichkeiten geweckt.“ Im Gegenteil schaffe der Eindruck preislicher Beliebigkeit kein Vertrauen und halte potenzielle Kunden von der Kaufentscheidungen eher ab.

Umsatzrückgang im In- und Ausland

2013 sank demnach der Umsatz der deutschen Möbelindustrie insgesamt um etwa 3,5 Prozent 16,6 Milliarden auf 16,1 Milliarden Euro gegenüber dem Jahr 2012. Der Rückgang im Jahr 2013 resultierte zum Teil aus den Schwierigkeiten in den europäischen Kernmärkten. So seien die Ausfuhren nach Frankreich in den ersten 10 Monaten des Jahres 2013 beispielsweise um knapp 11 Prozent und in die Niederlande sogar um fast 16 Prozent zurückgegangen.

Die Hersteller setzten dem Verband zufolge bis Ende Oktober vergangenen Jahres im Inland - Deutschland ist mit rund 70 Prozent des Umsatzes der Kernmarkt der hiesigen Möbelhersteller - 3,8 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum, was insbesondere an dem überraschend schwachen zweiten Halbjahr gelegen habe. Die größten Umsatzrückgänge gab es demnach bei den Wohnmöbelherstellern, die 7,1 Prozent weniger verkauften, und bei den Matratzenherstellern, deren Umsatzminus 12,9 Prozent betrug. Die Küchenmöbelhersteller konnten ihre Umsätze mit einem Minus von 0,2 Prozent hingegen nahezu auf Vorjahresniveau halten.   

Trotz gutem Marktumfeld zu wenige begeisterte Kunden

Die Schwäche des deutschen Marktes spiegele sich auch in den Importzahlen: So wurden zwischen Januar und Oktober 2013 Möbel im Wert von 8,2 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt - 3,6 Prozent weniger als im Vorjahr. "Diese negativen Importzahlen machen deutlich, dass das Kernproblem der Möbelbranche in den Absatzzahlen auf dem deutschen Markt liegt", heißt es.

Weder die Hersteller noch die ausländischen Produzenten seien derzeit in der Lage, trotz eines insgesamt guten Marktumfeldes in Deutschland mehr Einrichtungsgegenstände abzusetzen oder ihre Umsätze zu halten. Dies erstaune umso mehr, als dass der Wohnungsbau im Jahr 2013 deutlich zugelegt hat.