Das Projekt "Mönchengladbach bei Ebay" zieht eine positive Bilanz. Alle beteiligten Händler haben mit ihren Onlineshops auf dem lokalen Marktplatz nennenswerte Mehrumsätze erzielt. Nun wollen sie weitermachen.

Das Internet ist zuweilen rätselhaft. Denn wie jemand in Neuseeland auf die Idee kommt, etwas bei einem Einzelhändler in Mönchengladbach zu bestellen, ist eine interessante Frage. Oder aus den USA - oder gar aus Guadeloupe. Das mögen Ausnahmen sind, aber sie beweisen: Auch einem lokalen Händler eröffnen sich durch das Web globale oder zumindest überregionale Dimensionen.

Anfang Oktober 2015 wurde das Projekt "Mönchengladbach bei Ebay" gestartet mit dem Ziel, stationären Händlern der Stadt einen Möglichkeit zu bieten, vom Onlinehandel zu profitieren; in dem Fall per eigenem Portal auf der Verkaufsplattform. Getragen wurde alles von einer Kooperation der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach, dem eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein und eben Ebay. Die Plattform half dabei den zumeist online-unerfahrenen Unternehmern bei den ersten Schritten ins Netz - im Gegenzug wurde eine Umsatzbeteiligung zwischen 7 und 8 Prozent vereinbart.

Mehr Geld in der Kasse durch Onlinevertrieb

Dieser Tage ist nun die Pilotphase des Projekts ausgelaufen. Fünfzig Händler waren zum Projektstart an Netz gegangen, zum Schluss hatten 79 einen eigenen Webshop bei Ebay. Diese Bilanz wird von allen Beteiligten gelobt, allerdings dürfte es in Mönchengladbach noch viel mehr Händler geben, die für das Projekt in Frage gekommen wären. 

Vielleicht werden ja diese Onlineskeptiker von den Zahlen überzeugt, die nun "Mönchengladbach bei Ebay" meldet. So haben die 79 Händler insgesamt 87.500 Artikel im Gesamtwert von 3,2 Millionen Euro verkauft und in 84 Länder verschickt. Im Durchschnitt hat jeder beteiligte Unernehmer über die besondere Plattform ein zusätzliches Jahresumsatzplus von rund 90.000 Euro erzielt.

Ein Stück vom Onlinekuchen abhaben

Einer der Gewinner ist etwa das Möbelhaus Schaffrath, das sich erst spät zum Mitmachen entschied. Aber noch früh genug, um in den ersten drei Wochen schon eine dreistellige Anzahl an Waren zu verkaufen, wie Geschäftsführer Marc Fahrig berichtet. Sogar als Großhandel wurde Schaffrath genutzt: Ein Wiederverkäufer aus Berlin hatte in Mönchengladbach kurzerhand 20 Decken geordert, so günstig ist das Möbelhaus am Niederrhein.

Für Professor Gerrit Heinemann vom eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein ist das Ziel der Aktion aufgegangen. "Die stationären Händler haben ein Stück vom Onlinekuchen abbekommen. Nur mit Umsatz kann der lokale Handel überleben."

Der lokale Online-Marktplatz soll fortgeführt werden. Viele Mönchengladbacher Unternehmer wollen ihren Shop weiter betreiben. Dabei gilt: Händler, die seit Projektstart an Bord waren, können die Shops noch bis Ende 2016 kostenfrei nutzen, später angeschlossenen Händlern steht der Shop noch bis Sommer 2017 kostenfrei zur Verfügung. Im Anschluss kostet der Basis-Shop 300 Euro Gebühr im Jahr.

Mönchengladbachs Handel bleibt also am Netz - und vielleicht ist das ja auch eine gute Nachricht für ein paar Neuseeländer.