Mönchengladbacher Händler gehen einen neuen Weg, um das Internet für sich zu nutzen: per besonderem Marktplatz bei Ebay. Bis Mitte 2016 soll getestet werden, ob sich das für alle lohnt.

Eine Stadt, 50 Händler, 200.000 Artikel. So ist der Rahmen für den Start eines Projekts, in dem erforscht werden soll, wie stationärer Handel und E-Commerce verzahnt werden können. "Mönchengladbach bei Ebay" heißt es. Seit diesem Freitag haben Händler der Stadt ein eigenes Portal bei der Onlinehandelsplattform, www.mg-bei-ebay.de lautet die Webadresse dafür. Ziel ist herauszufinden, wie sich so eine Verknüpfung von realer und digitaler Einkaufswelt bewährt. Bis Mitte 2016 geben sie alle Projektpartner dafür Zeit. Und das sind neben Ebay die Wirtschaftsförderung der Stadt Mönchengladbach sowie das E-Web Research-Center der Hochschule Niederrhein von Professor Geritt Heinemann (ebenfalls Mönchengladbach).

Händler aus acht Kategorien präsentieren auf diesem neuen Internetmarktplatz Waren, das sind Beauty & Gesundheit, Elektronik, Mode, Feinkost, Freizeit & Sport, Haus & Garten, Motor sowie Sammeln & Antiquitäten. Für einige dieser Unternehmen ist dabei die Produktpräsentation bei Ebay Neuland. Der Vorteil soll für alle sein: Sichtbarkeit im Netz. Für den Versand der Produkte müssen die Händler selber sorgen, Click & Collect ist dabei wichtig. Taggleiche Lieferung weniger, "denn alle Studien besagen, dass das noch kein großes Thema ist", betont Heinemann.

Einkauf im Web macht mehr Spaß

Das Projekt baut auf den Ergebnissen einer Untersuchung der Mönchengladbacher Wirtschaftsförderung und Heinemanns Institut auf, wie sich der Onlinehandel auf Städte und Gemeinden auswirkt - am Beispiel Mönchengladbachs. Die entscheidende Erkenntnis dabei ist: Einkaufen im Web ist für viele Kunden mittlerweile attraktiver als der Besuch eines Ladens. "Das ist für mich eine Alarmmeldung", sagt Ulrich Schückhaus, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach.

Daher will die Stadt lokalen Handel stärken. MG.retail 2020 heißt der Masterplan. Ein Bestandteil davon ist "MG bei Ebay." Insgesamt acht Plattformanbieter wurden dafür zuvor analysiert - die Wahl fiel auf Ebay, weil das Unternehmen das beste Angebot habe, ist Heinemann überzeugt. Zwischen sieben und acht Prozent Verkaufsprovision nimmt Ebay von den beteiligten Händlern.

Ihre Shops auf der Plattform müssen die Unternehmen selber pflegen, auch stehen sie im normalen Wettbewerb mit anderen Ebay-Händlern, wie Stephan Zoll betont, Deutschland-Chef der Plattform. Freilich gab es Anschubhilfen von Ebay, wie etwa Webinare, also Kursen via Internet, in denen die Händler auf die zuweilen fremde Welt im E-Commerce vorbereitet wurden. "Diese wurden auch gut genutzt", versichert Zoll. Mönchengladbach wiederum will die neue Webpräsenz ihrer Händler stark bewerben, etwa auf der offiziellen Website der Stadt.

Nun sind die Händler am Zug

Die Händler dürfen sich jetzt aber nicht auf den Einsatz der Projektpartner verlassen, um erfolgreich zu verkaufen, mahnte Heinemann. "Das ist kein Selbstläufer", warnte der Wissenschaftler. Für Heinemann ist es an den Unternehmern, so ein Angebot zu nutzen, dieser Aufruf gilt vor allem denen, die noch nicht dabei sind. "Mehr können wir nicht tun."

Freilich befürchtet er, dass noch genug Unternehmer den Weg ins Web scheuen. In seiner Marktuntersuchung zumindest gibt es eine Gruppe von Händlern, die keinerlei Bereitschaft haben, sich mit der digitalen Welt auseinanderzusetzen. Das ist im Jahr 2015 angesichts der steigenden Onlineanteile im Einzelhandel keine gute Erkenntnis. Sie lässt die Frage aufkommen, ob es diese Händler in fünf Jahren noch geben wird.

Steffen Gerth, Mönchengladbach