Mit seinem schwarzen Zwerg kämpft Rido Busse seit Jahrzehnten gegen Produktfälschungen. Auch dieses Jahr gab es wieder Auszeichnungen für Firmen, die besonders darunter leiden.

Diese Veranstaltung ist ein liebgewordenes Ritual zum Auftakt der Konsumgütermesse "Ambiente" in Frankfurt. Und daran wird sich so schnell nichts ändern - was freilich keine gute Nachricht ist. Denn die alljährliche Verleihung des Negativpreises "Plagiarius" dokumentiert ein Problem für alle Markenhersteller, mithin für den Einzelhandel: Produktfälschungen.

Dazu passt, dass zeitgleich zur Preisverleihung der Frankfurter Zoll die Messehallen durchstreifte und bei Ausstellern auch dieses Jahr wieder jede Menge nachgemachter Produkte beschlagnahmte.

Selbst Websites werden kopiert

Produktpiraterie ist nur schwer zu bekämpfen, schlimmer noch - offenbar handelt es sich gar um einen wachsenden Markt. Aliki Busse, Rechtsanwältin und Tochter des "Plagirius"-Erfinders Rido Busse, sprach davon, dass im Rahmen des diesjährigen Wettbewerbs über so viele Fälle wie noch nie entschieden werden musste. Die Fälscher agieren mittlerweile derart dreist, fast möchte man sagen, professionell, dass sie gar die Websites der Originalhersteller kopieren, um interessierte Endkunden in die Irre zu führen.

Seit 1977 wird der Preis, ein schwarzer Zwerg mit goldener Nase, vom Verein Plagiarius e.V. an Unternehmen verliehen, deren Produkte auf unverschämte Weise nachgemacht werden. Initiiert wurde die Aktion vom Ulmer Designprofessor Busse, der einst bei einem Messrundgang bei Ausstellern offensichtlich abgekupferte Produkte entdeckte, die er selbst entworfen hatte.

250 Verfahren in fünf Jahren

Doris Möller, in diesem Jahr Laudatorin, sprach davon, dass der "Plagiarius" außerhalb von rechtlicher Dogmatik angesiedelt sei, vielmehr solle er an Moral und Ethik erinnern. Doch dass mit solchen Appellen Verbraucher nur schwer zu erreichen sind, belegte Möller auch. So zitierte die Leiterin des Referats Geistiges Eigentum beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag aus einer Studie, wonach viele Konsumenten sogar absichtlich Plagiate kaufen, um gegen eine markengesteuerte Wirtschaft zu protestieren.

Somit erklärt es sich auch, dass Peter Reisenthel, Hersteller von Einkaufstaschen, davon sprach, in den zurückliegenden fünf Jahren 250 Verfahren gegen Markenrechtsverletzungen angestrengt zu haben.

Nicht nur Chinesen fälschen

Zollbehörden der Europäischen Union haben im Jahr 2012 an den EU-Außengrenzen rund 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von etwa 1 Milliarde Euro beschlagnahmt. Laut dem Verein Plagiarius kamen dabei 72 Prozent der Fälschungen aus China und Honkong. Doch dem Verein werden zunehmend auch Fälle gemeldet, bei denen die Nachmacher in Deutschland sitzen. Betroffen davon in diesem Jahr ist etwa die Firma Amefa Stahlwaren (Solingen), deren Besteckset "Triangle" als Kopie vom Erkrather Unternehmen Esmeyer vertrieben wird. Als Trost dafür gab es für Amefa immerhin einen "Plagiarius".

Laudatorin Möller nannte noch ein Verbraucherargument für den Kauf von Plagiaten: den Preis. Und wie groß die Unterschiede sind, wurde beim "Plagiarius" deutlich: So kostet ein Original-Spielzeugbagger der Fürther Firma Bruder etwa 50 Euro, die chinesische Fälschung wird mit 15 Euro gehandelt. Noch heftiger ist der Unterschied beim Produkt der Firma Zimmer, das in diesem Jahr den ersten Preis gewonnen hat: Im Original kostet das Stoßwellentherapiegerät "ZWave" 15.000 Euro - die nachgemachte Version aus China ist bereits für 3.000 Euro zu haben.

Steffen Gerth

Hier geht es zur Bildergalerie der dreistesten Produktkopien dieses Jahres.