Die Ulmer Drogeriekette Müller wehrt sich gegen den Vorwurf, illegal Krankendaten von Mitarbeitern gesammelt zu haben.

Zwar werde nach einer Genesung mit dem Beschäftigten ein sogenanntes Krankenrückkehrgespräch geführt, teilte die Geschäftsführung am Montag mit. Doch würden die Mitarbeiter damit nicht „unter Druck" gesetzt. „Kein Mitarbeiter muss sich für seine Erkrankung rechtfertigen", hieß es.

Das Unternehmen verwies darauf, dass solche Gespräche in der Privatwirtschaft „üblich und weit verbreitet" seien. Zudem gehe Müller verantwortungsvoll mit den Angaben der Mitarbeiter um. Die Informationen würden ausnahmslos vertraulich behandelt. Sie dienten neben dem legitimen Zweck der ordnungsgemäßen Berechnung der Entgeltfortzahlungsdauer vor allem einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Gewerkschafter bleiben gelassen

Die Gewerkschaft Ver.di will wegen der Datenaffäre zunächst nicht rechtlich gegen die Drogeriekette vorgehen. „Bislang sind keine rechtlichen Schritte geplant", sagte Rainer Dacke von der Gewerkschaft.

Er forderte das Unternehmen jedoch auf, künftig seine Mitarbeiter nicht mehr bei einem „Krankenrückkehrgespräch" nach den Gründen der Erkrankung zu fragen. Auch die Frage, ob die Genesung abgeschlossen sei, müsse gestrichen werden.

Datenschützer wollen mehr wissen

Dem Unternehmen würden Fragekataloge geschickt, in denen es sich zu den Vorwürfen äußern solle, sagte Walter Krämer, Referent in der Aufsichtsbehörde für Datenschutz im Innenministerium. Dabei müssten die Hintergründe geprüft werden.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung" müssen die Beschäftigten dem Unternehmen regelmäßig Auskunft über ihren Gesundheitszustand geben. Der Gewerkschaft Ver.di liegen nach eigenen Angaben ähnliche Hinweise vor.

Anfang des Monats war bekanntgeworden, dass der Discounter Lidl mit Sitz in Neckarsulm in großem Umfang geheime Krankenakten geführt hat. Der Deutschlandchef von Lidl musste deshalb gehen. Auch hier ermitteln die Datenschützer wie auch beim Stuttgarter Autobauer Daimler.