Im Taunus-Städtchen Friedrichsdorf kann man neuerdings mit D-Mark einkaufen. Gewerbevereins-Vorsitzender Frank Atzler über die Idee, Umrechnungstabellen und einen Pfennigmünzenrekord. 

D-Mark-Münze. Foto: obs
D-Mark-Münze. Foto: obs
Herr Atzler, seit vorigem Freitag kann man bei Ihnen in Friedrichsdorf auch mit D-Mark bezahlen. Wie sind Sie darauf gekommen?
Die Urheberin dieser Idee ist die Friedrichsdorfer PR-Beraterin Daniela Lutz. Sie hat sich daran erinnert, dass unsere Stadt an der ehemaligen Hugenottenstraße liegt und folglich Bezüge nach Frankreich hat. Und in den französischen Dörfern Collobrières und Le Blanc kann man seit einigen Jahren auch mit der alten Landeswährung zahlen, also in Franc. Das läuft dort sehr erfolgreich. Diese Idee hat dann Frau Lutz nach Friedrichsdorf importiert.

Wie verlief am vergangenen Freitag der Auftakt dieser Aktion?
Das Wetter hat uns ein bisschen geschadet. Friedrichsdorf liegt im Taunus - und hier gab es am Wochenende einen heftigen Wintereinbruch. Straßen rund um den Feldberg mussten wegen Schnee und Eis gesperrt werden. Das hat uns einige Kunden gekostet.

Kamen trotzdem Leute, um mit D-Mark einzukaufen?
Aber ja! Am Freitag konnten die Kunden bei der offiziellen Eröffnungsaktion auf dem zentralen Landgrafenplatz D-Mark in Einkaufsgutscheine eintauschen. Dabei haben wir sage und schreibe 10.000 Münzen eingenommen. Wir hatten sogar eine Zählmaschine aufgestellt. Den Münzrekord stellte eine Familie auf: Sie brachte 1.693 Pfennigstücke vorbei.

Die Kunden können aber auch ganz regulär mit D-Mark einkaufen, ohne solche Gutscheine?
Ja, sicher. In den Läden hängen Umrechnungstabellen aus, um den Eurokurs zu zeigen.

Und die Geschäfte nehmen Münzen und Scheine?
Genau. Münzen haben bisher auch dominiert bei den Kunden. Selbst einige seltene Zehn-Mark-Stücke haben wir in Gutscheine umgewechselt.

Wie viele Händler beteiligen sich an dieser Aktion?
Die Supermärkte machen nicht mit. Aber von den inhabergeführten Handelsbetrieben wie Obsthändler, Weinhändler oder Spielwarenläden sind die meisten dabei.

Spüren die Geschäfte ein Umsatzplus?
Das waren zwar noch keine gewaltigen Summen, aber die Kunden kamen durchaus häufig mit D-Mark in der Hand. Am Freitag wurden etwa in einem Schuhgeschäft sogar schon 200 Mark umgesetzt.

Also müssen Sie auch nicht eigens Sicherheitsdienste buchen, um die ungewohnten Bargeldmengen zu transportieren?
Nein, so schlimm ist es nicht.

Und was machen die Geschäfte mit dem eingenommenen D-Mark-Beständen?
Dieses Geld wird bei der Deutschen Bundesbank in Frankfurt umgetauscht.

Wie lange soll in Friedrichsdorf die Retro-Währung noch Gültigkeit haben?
Das wissen wir nicht. Ein Ende haben wir bisher nicht terminiert. Wir wollen mit dieser Aktion vor allem Kunden in die Stadt locken. Friedrichsdorf soll sich auch außerhalb unserer Region herumsprechen.

Zumal es ja ein gewaltiges Potenzial gibt...
Allerdings, die Deutschen besitzen ja noch 14 Milliarden D-Mark, die noch nicht in Euro umgetauscht worden sind.

Interview: Steffen Gerth