Der stationäre Handel meistert den Strukturwandel in der Branche immer besser. Denn mit eigenen Webshops ringen sie den reinen Onlinehändlern Umsatzanteile ab. Und das hat Auswirkungen auf den gesamten interaktiven Handel.

Der Handel im Internet wird in diesem Jahr wohl weniger stark zulegen als zunächst erwartet. Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) senkte seine Prognose deutlich. "Wir gehen von einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich aus", sagte Verbandspräsident Gero Furchheim dem Berliner "Tagesspiegel".

Zu Beginn des Jahres hatte der Verband noch 15,5 Prozent als Zielmarke ausgegeben. Als Grund für die geringeren Erwartungen gibt der bevh konjunkturelle Schwankungen an. Bei Büchern habe es laut Furchheim im dritten Quartal sogar einen Umsatzrückgang von 21,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gegeben. Allerdings tauchen E-Books in der Warenstatistik nicht auf, sondern firmieren unter "Dienstleistungen".

Zudem hat Furchheim Veränderungen auf dem Buchmarkt ausgemacht. "Wir sehen einen Trend, dass der stationäre Buchhandel sich seinen Platz zurückerkämpft. Die neuen Ladenkonzepte sind  moderner, schicker und weniger staubig. Das kommt gut an", sagte Furchheim dem "Tagesspiegel".

Marktplätze verlieren

Laut aktuellem Marktbericht des bevh erzielte der so genannte interaktive Handel (inklusive Versandhandel) von Juli bis September einen Umsatz von 11,9 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es 11,6 Milliarden Euro. 9,8 Milliarden Euro werden dabei dem Onlinehandel zugerechnet, was einem Anteil von 82,2 Prozent entspricht. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zum dritten Quartal 2013, als der Umsatz 9,7 Milliarden Euro betrug und der Anteil 83,4 Prozent entsprach.

Immer mehr Gewicht erarbeiten sich die Multichannel-Händler. Demnach erwirtschaftete dieser Bereich im dritten Quaratal laut bevh 4,4 Millionen Euro - das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein gewaltiges Plus von 27,2 Prozent.

Zu den Verlieren zählen die Onlinemarktplätze, die im dritten Quartal mit 5,7 Millionen Euro Umsatz zwar noch das stärkste Segment waren. Trotzdem betragen die Einbußen im Vergleich zum dritten Quartal des vorigen Jahres 20,1 Prozent.

Die wachsende Stärke der Multichannelhändler sieht auch das Institut für Handelsforschung (IFH). Freilich mit anderen Zahlen. Demnach werden in diesem Jahr insgesamt rund 13 Milliarden Euro von stationären Händlern mit ihren Online-Shops umgesetzt. Das entspricht einem Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit geben die deutschen Online-Kunden fast jeden dritten Euro in den nach IFH-Analysen rund 80.000 Online-Shops ursprünglich stationärer Händler aus.

Multi-Channel-Strategien im CE-Bereich zahlen sich aus

Obwohl hart umkämpft, liefert laut IFH der Sortimentsbereich Consumer Electronics (CE) & Elektro dem sogenannten "Stationären Handel Online" seit 2011 kontinuierlich wachsende Umsatzanteile. "Produkte im Bereich CE und Elektro haben eine hohe Affinität zum Online-Vertrieb. Ein Wettbewerbsplus der ursprünglich stationären Händler im E-Commerce ist der Vertrauensvorschuss der Konsumenten und die Bekanntheit der Händlermarke", erklärt Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln.

"Vor allem die Online-Shops von Media Markt und Saturn haben die Größenverteilungen im Web verändert. Ihr Erfolg hat zu den deutlichen Verschiebungen der Marktanteile zugunsten der 'Stationären Händler Online' beigetragen", so Heinick weiter.

2014 werden laut IFH rund 41 Prozent des Online-Umsatzes mit Elektro-Kleingeräten in den Onlineshops der stationären Händler erwirtschaftet. Zum Vergleich: Internet-Pure-Player kommen hier lediglich auf einen Umsatzanteil von 22,5 Prozent.