Amazon Pop-Up-Lädchen in San Fransisco, Gerüchte um einen Pop-up-Store in der Nähe des New Yorker Empire State Building, das dann doch eher ein Lager wird, Internet-Kioske in der U-Bahn – Amazon liefert Signale für die bleibende Bedeutung der Kohlenstoffwelt im Handel. Es braucht aber nicht erst die Ermutigung von Amazon, um sich von der Kanaldenke zu befreien. Mehr und mehr zeigen Retailer, wie die Verknüpfung der Multichannel-Welt aussehen kann. Wir haben uns für sie umgeschaut.

Mehr als ein Staubfänger? Online-Terminal im Saturn (Foto: Saturn)
Mehr als ein Staubfänger? Online-Terminal im Saturn (Foto: Saturn)

Natürlich kann man sowie Home Depot schon vor gefühlten Äonen und nun auch Media-Markt oder Saturn ein interaktives Touch-Display mit allerlei Funktionen aus dem Web in den Laden stellen, um Multichannel-Atmo zu simulieren den 360-Grad-Einkauf möglich zu machen - Meinetwegen auch den Omnichannel, No-Line-Commerce oder ein anderes Buzzword, das dem Verbraucher nichts sagt. Der will bloß shoppen.

Quasi-Standard: Click & Collect
Quasi-Standard: Click & Collect
Oder man kann wie Home Depot die Erfahrung gleich so bruchlos gestalten, dass ein Produkt-Fund bei Pinterest nach ein paar Klicks gleich auch noch anzeigt, in welchem Regalgang der nächstgelegenen Filiale das gesuchte Stück steckt. Die App selbst hat natürlich auch persönliche Einkaufslisten und Ladenpläne.

Auch Neiman Marcus gehört seit jeher zu jenen, die jede Variante der technischen Optionen gerne einmal ausprobieren und zwar so professionell (bzw nicht halbherzig umgesetzt), dass man den Erfolg beinahe planen kann oder zumindest aus den Ergebnissen lernen.

Jüngster Vorstoß im Webshop ist ein persönlicher Feed."MyNM" zeigt Produktempfehlungen oder neue Produkte. Aber nicht nur aus dem Web. Auch die Favoriten im Laden und Events in lokalen Filialen werden angezeigt. Wir erinnern uns: NM – das sind die mit der App, die einem half, im Laden seinen Lieblingsverkäufer ausfindig zu machen.

Lokal verschränkt: der persönliche Feed bei Neiman Marcus
Lokal verschränkt: der persönliche Feed bei Neiman Marcus

Seine App ergänzt die US-Kette Neiman Marcus zudem um ein Bilderkennungs-Feature. Mit der Option "Snap. Find. Shop" sollen Kunden ein abfotografiertes Kleidungsstück direkt mobil einkaufen können.

Auch das ist Neiman Marcus: Das Weihnachtsgeschäft promotete die Kette im Laden via Beacons. Auf eine recht ansprechende Art. Nämlich nicht mit einem Gebimmel an Sonderangeboten, sondern mit Hinweisen auf kleinere Events, Modenschauen oder Terminangeboten im Kosmetikstudio.


Die Modetruppe von Barneys, New York, (sehr schick und teuer) bietet in der iPad-only-App nicht nur einen verdammt eleganten Auftritt, sondern als Feature auch die Option, aus der App heraus einem Termin mit einem Einkaufsassistenten zu vereinbaren.

Barneys: Shopping-App als Terminplaner
Barneys: Shopping-App als Terminplaner

Mobil muss ohnehin ein zentraler Teil jeder Multichannel-Strategie sein. Macy’s tanzt in diesem Segment daher gleich auf etlichen Hochzeiten. Natürlich gehört auch die Beacon-App Shopkick dazu.

Mehrkanaltauglich sind aber gerade andere Lösungen: Promotet der Katalog fürs Tablet auch Store-Events? Natürlich. Funktioniert die hauseigene digital Wallet My Wallet online und offline und versammelt Kreditkarten, Gutscheine und Co? Natürlich. Akzeptiert Macy`s Apple Pay? Klar.

In Sachen Mobile werden Händler künftig auch Smartwatches mitdenken müssen. Erste Gehversuche sehen dann so aus, wie bei Dominos Pizza, dass dem Kunden den Lieferstatus seiner Pizza auf die Uhr – in diesem Fall eine Pebble - schickt.

Auch dass Click & Collect die „Endstation Sehnsucht“ für den Handel oder gar die „letzte Ausfahrt“ ist, kann man nur glauben, wenn man den stationären Handel quasi schon morgen beerdigt. Das aber wäre ein wenig verfrüht.

Er hat, auch dank Multichannel, noch ein paar schöne, aber unruhige Jahre vor sich. Wenn er beispielsweise Click & Collect, das zum neuen Standard im Handel gehört, sauber umsetzt.

John Lewis tut das. Die Briten haben der Kaufhauskette, die mit dem herzigen Weihnachtsspot, nicht nur ein weihnachtliches Plus von 19 Prozent beschert, mit einem erheblichen Anteil des E-Commerce (36 Prozent), sondern vertrauten dabei in erheblichem Umfang auch auf Click & Collect: 56 Prozent. Kundschaft, die so gehalten werden kann.
Den Pinguin im Spot, den brachte John Lewis im Laden übrigens zum Leben. Also in 3D. Mit einem Virtual Reality Cardboard Toolkit. Daraus ließ sich mit Hilfe eines Samsung-Smartphone eine Virtual Reality-Brille ("Monty's Goggles") für Arme basteln, mit der man dann im Laden herumspielen konnte. Auch das ist Multichannel – Werbung multimedial auf die Fläche holen.