Die Umsetzung von Multichannel-Konzepten gehört für große Einzelhandelsunternehmen in Deutschland zu den wichtigsten strategischen Themen. Das zeigt eine aktuelle Trendstudie.  Das überrascht nicht. Wenig überraschend auch, dass sich eine Mehrheit noch in der Rollout- oder Standardisierungsphase befindet. Alarmierend aber ist, dass die damit erhofften Wettbewerbsvorteile nur für kurze Zeit einen Vorsprung verschaffen.

„Einzelhandel in der Multichannel-Zeitfalle“  lautet denn auch der Titel der Ergebnisse der Lünendonk-Trendstudie 2015 in Zusammenarbeit mit SALT Solutions. Danach zielen mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen mit der eigenen Multichannel-Strategie auf Wettbewerbsvorteile. Die Einzelhändler erwarten dabei für die Multichannel-Vorreiter einen zeitlich begrenzten Wettbewerbsvorteil. Insgesamt gehen 26,5 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass eine vor dem Jahresende 2014 aufgesetzte Multichannel-Strategie noch bis zu einem Jahr Wettbewerbsvorteile sichert. Einen Wettbewerbsvorteil von bis zu zwei Jahren erwarten 37,3 Prozent der Studienteilnehmer.

Dabei liegt das weniger an eigenen Ideen und vorausschauenden Lösungen, sondern mehr an der Langsamkeit des Wettbewerbs.

Während sich mehr als die Hälfte der Unternehmen bereits in der Rollout- oder Standardisierungsphase ihrer Multichannel-Strategie befindet, arbeiten 20,5 Prozent noch an der Umsetzung, weitere 20,5 Prozent befinden sich in der Planungsphase.

Organisatorische Hürden bremsen dabei ebenso den Wandel wie Detailprobleme in der Harmonisierung der Backend-Systeme. 31,5 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich daher noch nicht bereit für den Multichannel-Commerce.

Otto und Media-Markt sind Vorreiter

Wollen sich Unternehmen aber nicht nur als Frühstarter, sondern längerfristig vom Wettbewerb absetzen, braucht es eine durchaus zuweilen wagemutige und in jedem Fall investitionsfreudige Kurskorrektur, die schon jetzt das veränderte Kaufverhalten der Konsumenten von Morgen auf unterschiedlichsten Feldern berücksichtigt. Trendthemen wie Mobile Commerce sind dabei nur ein Aspekt, Echtzeitprozesse vielfach noch ein Stiefkind.

Eine aktuelle Aufstellung von Locafox zu den Top 100 Einzelhändlern in Deutschland zeigt da auf, aus wie viel Stückwerk die digitale Agenda im deutschen Handel noch besteht.

In dieser Welt dürfen laut Lünendonk-Studie Otto und Media-Markt bereits als Vorreiter gelten.

Vorbild gesucht (Grafik: Lünendonk)
Vorbild gesucht (Grafik: Lünendonk)

Fortune beschreibt dagegen gerade sehr schön wie sich beispielsweise Nordstrom mit gewaltigen Investitionen mehreren Baustellen gleichzeitig widmet. Erfolgreich.

Das ist aber nur ein Geheimnis der Erfolgs: Es braucht nicht nur den Mut zu großen und keinesfalls Rendite-sicheren Investments, sondern auch eine Unternehmenskultur der totalen Kundenorientierung, die nicht danach fragt, welche Probleme des Unternehmens gelöst werden können, sondern welche Bedürfnisse des Kunden (zusätzlich) befriedigt werden. Wer dann noch seine Prozesse auf Amazonenhafte Effizienz trimmen kann, der kommt der Quadratur des Kreises schon ziemlich nahe. Da kann dann auch Kundenbindung helfen, wenn sie sich vor allem einer Verbesserung der Kundenzufriedenheit widmet.