Erst die Mutter, jetzt die Tochter: Die Baumarktkette Max Bahr ist ebenfalls insolvent. Hintergrund ist der Rückzug eines Warenkreditversicherers. Für Verdi ist das ein Skandal. (aktualisiert)

Auch die bisher als so Erfolg versprechend geltende Tochter Max Bahr trifft die Insolvenz der Konzernmutter Praktiker hart: Die Baumarktkette ist ebenfalls zahlungsunfähig.  Ein Warenkreditversicherer habe die zugesagte Besicherung von Lieferanten von Max Bahr nicht aufrechterhalten, teilt die Praktiker AG mit. "Eine zuverlässige Warenversorgung der Max-Bahr-Märkte ist damit nicht mehr gewährleistet", heißt es weiter.

Die Geschäftsführer der Max-Bahr-Gesellschaften werden daher kurzfristig beim zuständigen Amtsgericht Hamburg die Eröffnung von Insolvenzverfahren wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit beantragen. Es ist derzeit beabsichtigt, ein Insolvenzplanverfahren durchzuführen.

Von den Insolvenzverfahren betroffen sind die folgenden Gesellschaften des Praktiker-Konzerns: Baumarkt Max Bahr Geschäftsführungs GmbH, Baumarkt Max Bahr GmbH & Co. KG, Baumarkt Max Bahr Warenhandels GmbH, Baumarkt MB Vertriebs GmbH. Das internationale Geschäft des Praktiker-Konzerns bleibt von den Insolvenzverfahren hingegen unberührt.

Unter der Marke Max Bahr wurden zuletzt 132 Märkte betrieben. Viele ehemalige Praktikermärkte wurden zuletzt auf diese Marke umgeflaggt, wovon sich die Konzernmutter eine Verbesserung der Geschäftslage im Gesamtunternehmen erhoffte.

"Eine Zerschlagung des Konzerns muss verhindert werden"

Die Gewerkschaft Verdi hat schon eine erste Forderung formuliert. "Eine Zerschlagung des Konzerns muss unbedingt verhindert werden", sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Freitag. "Auch Warenkreditversicherer, Banken, Lieferanten und Vermieter müssen Verantwortung für die Arbeitsplätze und Existenzen der rund 15.000 Beschäftigten bei Max Bahr und Praktiker übernehmen."

Es sei skandalös, dass ein einzelner Warenkreditversicherer aus kurzfristigem Profitinteresse die Fortführung des Unternehmens gefährde. "Wer über Jahre gute Geschäfte mit Praktiker und Max Bahr gemacht hat, muss jetzt auch aktiv daran mitwirken, den Beschäftigten und ihrem Unternehmen eine Perspektive zu eröffnen", betonte Nutzenberger. Vorrang müsse jetzt die Warenbelieferung der Märkte und Filialen haben. "Die Beschäftigten sind trotz der großen Unsicherheit um ihre berufliche und persönliche Zukunft weiterhin engagiert und bereit, sich für ihr Unternehmen einzusetzen. Damit das Geschäft aber weiterlaufen kann, muss ausreichend Ware in die Regale und Lager."