Amazon hat turbulente Tage hinter sich. Für die schlechten Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern beim Onlinehändler hagelt es weiter Kritik. Aber es gibt auch Lob von höchster Stelle.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat den wegen seines Umgangs mit Leiharbeitern in die Kritik geratenen Versandhändler Amazon für seine Reaktion auf die Vorwürfe gelobt.

"Ich begrüße, dass Amazon aktiv zur Aufklärung beiträgt und jetzt Betriebsräte fördern will", sagte die Politikerin dem Magazin "Focus". "Jeder versteht, dass Leiharbeit bei Auftragsspitzen wie vor Weihnachten ihre Berechtigung hat. Aber es muss immer fair und gerecht zugehen."

Versender unter Druck

Der Chef  der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, schloss sich der Kritik an dem US-Unternehmen an. "Amazon bewegt sich außerhalb dessen, was ich in der Zeitarbeit für den Arbeitsmarkt als richtig empfinde. Wir brauchen die Zeitarbeit, aber in einem Maße, das anständig ist", sagte Weise der "Welt am Sonntag".

Allerdings lobt auch Weise den Versender: Statt für immer mehr Regulierung, die dann doch wieder unterlaufen würde, sprach sich der BA-Chef für „gute Unternehmensführung" aus. Und sagte: "Bei Amazon gibt es auch dafür Belege. Viele Arbeitsplätze wurden geschaffen, auch feste, unbefristete."

Amazon war nach Berichten über die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern in die Kritik geraten und hatte sich von einem Sicherheitsdienst sowie von einem weiteren Dienstleister getrennt. Deutschland-Geschäftsführer Ralf Kleber sprach sich für mehr Betriebsräte im Unternehmen aus.

Dienstleister wehren sich

Das für die Betreuung der Leiharbeiter zuständige Leipziger Unternehmen CoCo Job Touristik ließ über einen Anwalt, der auch den umstrittenen Sicherheitsdienstleiter vertritt, die in der ARD-Dokumentation vorgebrachten Vorwürfe zurückweisen.

"Wir sind unverschuldet zwischen die Fronten geraten", heißt es in einer Stellungnahme der Firma. Man werde auch juristisch dagegen vorgehen. Die Schelte für die Sicherheitskräfte sei ebenfalls nicht gerechtfertigt, sie hätten sich nach bisherigen Erkenntnissen "korrekt" verhalten.