Das perfekte Paar - so sehen sich Wöhrl und SinnLeffers. Beide Marken sollen erhalten bleiben und sich mit Kundenservice von der Konkurrenz abheben. SinnLeffers spürt aber bereits den Anspruch der neuen Chefs.

Wieder eine Fusion im Textilhandel: Erst im November 2012 hatte Tom Tailor Bonita übernommen, gleich zu Beginn des neuen Jahres beherrscht die nächste Übernahme den Markt. Der Nürnberger Modehändler Wöhrl übernimmt die Hagener Modekette SinnLeffers mit ihren rund 2000 Beschäftigten.

Durch den Zusammenschluss entsteht ein Handelsunternehmen mit 60 Modehäusern, mehr als 4.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 600 Millionen Euro, wie beide Unternehmen am Freitag in Hagen mitteilten.

Die beiden Marken Wöhrl und SinnLeffers sollen erhalten bleiben und alle Häuser fortgeführt werden. Über die Einbindung der SinnLeffers-Zentrale in Hagen in die neu formierte Gruppe würden in Kürze Gespräche aufgenommen. In der Hagener Zentrale arbeiten rund 120 Menschen.

Zum Kaufpreis gab es keine Angaben. Die Übernahme bedarf noch der Zustimmung des Bundeskartellamtes.

Mehr regionale Reichweite

"SinnLeffers passt perfekt zu Wöhrl", sagte Senior-Unternehmenschef Gerhard Wöhrl. Beide Ketten ergänzten sich nahezu ideal mit ihren Standorten und ihrer Geschäftsauffassung. Wöhrl erweitere mit dem Kauf seine regionale Reichweite deutlich. Wöhrl ist vor allem in Bayern und Ostdeutschland vertreten, SinnLeffers im Westen und Norden.

Die Übernahme bringe beiden Seiten Vorteile bei Einkauf, Marketing und Kundenansprache, betonte SinnLeffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide. So stuft es auch Gerhard Wöhrl ein.

"Wir sehen für beide Unternehmen Synergien im Einkauf von Handels- und Nichthandelsware, aus der Lernkurve der Erfolge beider Unternehmen und nicht zuletzt aus der dann bundesweiten Präsenz der beiden Marken", sagte er auf Anfrage von derhandel.de. Wöhrl erwartet, "dass beide Unternehmen sich gegenseitig effektiv in ihrem Wachstumskurs stärken."

Kunden vertrauen den bekannten Markennamen

Das Festhalten an den sämtlichen Häusern unter Beibehaltung der jeweiligen Marke begründet Unternehmer Wöhrl mit der Profitiabilität, mit der sämtliche Filialen geführt würden. Zudem sind "die Kunden mit den Namen vertraut, und es gibt keinen Grund, dies zu ändern."

Beide Textilhäuser hätten eine ähnliche Sortimentsstruktur, freilich mit individuellen Stärken, beschrieb es Gerhard Wöhrl. Wöhrl etwa im Bereich Sport, SinnLeffers bei Wäsche und "Frauen mit Format".

Die Ausweitung dieser Stärken gelte es zu prüfen - unter Berücksichtigung des jeweiligen Standorts. "Eine 'blinde' Angleichung aufgrund von geschönten Synergieeffekten wird es nicht geben", versicherte Gerhard Wöhrl.

Freilich setzte er seinen neuen Partner auch unter Druck. SinnLeffers müsse sich nun bewähren: "Ich kann mehrere Jahre der Stagnation nicht hinnehmen." Der Zukauf müsse wenigstens leichte Steigerungen bei Umsatz und Ertrag bringen.

Mit Service und Beratung vom Markt abheben

Zwischen den Zeilen lässt sich auch herauslesen, dass und wie sich Wöhrl von den starken Ketten im Textilhandel abheben will - etwa H&M und Zara. Denn er sagt, dass die Strategien beider Unternehmen sich unter anderem an einer außergewöhnlichen Beratungsleistung (persönlich) sowie einer emotionalen Präsentation orientieren.

"Diese Faktoren bieten ausreichend Spielraum zur klaren Differenzierung von bestehenden stationären Formaten", heißt es vom Seniorchef. Unbeantwortet ließ Wöhrl indes Fragen zm Thema Onlineshop. Auch zur Eigenmarkenstrategie wollte Wöhrl sich auf Anfrage von derhandel.de nicht äußern.

Verdi beklagt mangelhafte Transparenz

Bei den rund 2.000 Mitarbeitern von SinnLeffers sei die Stimmung zuletzt "emotional aufgeladen" gewesen, gab Firmenchef Oberheide zu. Grund dafür seien die Nachrichten über einen neuen Eigentümer des Unternehmens gewesen. Gerhard Wöhrl habe aber auf einer Betriebsversammlung in Hagen Ängste beseitigen können.

Deutliche Kritik an der Verkaufsprozedur äußerte Verdi. "Nur wenige Stunden vor der offiziellen Pressekonferenz sind die Betriebsratsmitglieder in Kenntnis gesetzt worden", wetterte die Gewerkschaft und warf beiden Unternehmen mangelhafte Transparenz und Information vor.

Bezogen auf die Ankündigung, keine der Filialen zu schließen, wolle Verdi laut Pressemitteilung nun zügig wissen, "was diese Aussage für die angedachte Neueröffnung der SinnLeffers-Filiale beziehungsweise für die Hauptverwaltung in Hagen bedeutet".

Die Gewerkschaft gehe davon aus, dass die Beschäftigten bei SinnLeffers zu gleichen Konditionen und Arbeitsbedingungen weiter beschäftigt bleiben - und dass der Anerkennungstarifvertrag weiterhin Bestand hat. Verdi werde dies beobachten und einfordern, zumal bei Wöhrl bislang keine Tarifbindung für den Einzelhandel existiere.

"Wer Geld für Expansionen in dieser Größenordnung hat, sollte auch Geld für eine tarifgerechte Entlohnung der Beschäftigten haben", heißt es in der Erklärung der Gewerkschaft weiter.

"Substanziell in die Häuser investiert"

SinnLeffers hatte im Sommer 2008 Planinsolvenz angemeldet. Seit dem Ende des Verfahrens ist das Unternehmen mit deutlich verkleinertem Ladennetz und halbierter Mitarbeiterzahl am Markt. Lesen Sie hier eine Unternehmenschronik.

Die Firma habe seit 2008 den Umsatz um sieben Prozent gesteigert und "substanziell in die Häuser investiert", sagte Aufsichtsratschef Patrick Feller. SinnLeffers arbeite profitabel, sagte Feller - Zahlen nannte er aber nicht.

SinnLeffers war 1997 durch die Fusion aus den zwei kleineren Traditions-Modehäusern Sinn und Leffers entstanden. Von 2001 bis 2005 gehörte das Unternehmen zum Essener KarstadtQuelle-Konzern, bis es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen wurde. Die DIH verkauft nun ihre Anteile.

Die Hagener Kette bietet überwiegend Drittmarken an. Damit könne das Angebot jederzeit dem wechselnden Käufergeschmack angepasst werden, sagte Geschäftsführer Oberheide. Im März will SinnLeffers auch in den Onlinehandel einsteigen.

Das Familienunternehmen Rudolf Wöhrl AG erzielte nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2010/11 mit 2.400 Mitarbeitern an 38 Standorten vor allem in Süd- und Ostdeutschland einen Umsatz von 346 Millionen Euro.

SinnLeffers beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter in 22 Häusern. Der Jahresumsatz liegt bei gut 300 Millionen Euro.