Das Stichwort "Nachhaltigkeit" ist in aller Munde. Der Handel sprach mit Marion Sollbach, die bei Kaufhof für das Thema zuständig ist und sich seit Jahren damit befasst, Ökologie, soziale Standards und Ökonomie zu vereinbaren.

Foto: Galeria Kaufhof
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Frau Sollbach, bei Galeria Kaufhof sind Sie für das Nachhaltigkeitsmanagement verantwortlich. Wie lässt sich nachhaltiges Handeln in einem Unternehmen verankern?

Nachhaltigkeit ist ein sehr vielfältiges Thema. Wir haben uns vorgenommen, eine Struktur in die Themen zu bringen, und wollen strategisch vorgehen. Deshalb gibt es bei Galeria Kaufhof einen Nachhaltigkeitsausschuss mit Vertretern aus allen Bereichen. Dort legen wir die Schwer­punktthemen fest, denen wir uns widmen wollen.

Und wie erfolgt dann die konkrete Umsetzung?

Je nach Komplexität des Vorhabens kann es sein, dass eine Maßnahme einfach veranlasst werden kann oder eine Arbeitsgruppe ge­-bildet wird, in der alle relevanten Personen versammelt sind, um das Projekt voranzu­treiben. Meine Aufgabe ist es, die Ideenentwicklung fachlich zu unterstützen und die Umsetzung zu begleiten und letztendlich auch nachzuhalten.

Welche Themen stehen auf der Agenda?

Die Agenda bestimmen in erster Linie unsere Kunden. An den Produktionsbedingungen in der Lieferkette arbeiten wir kontinuierlich. Seit vielen Jahren engagiert sich die Metro Group deshalb etwa in der Business Social Compliance Initiative (BSCI). Risiken liegen zum Beispiel in steigenden Energiekosten und CO2-Emissionen. Auf der anderen Seite gibt es Chancenthemen, die einen Image- und Umsatzgewinn versprechen. Hier wäre unser Engagement in Sachen generationenfreund­liches Einkaufen zu nennen. Aber auch der Ausbau von nachhaltigen Sortimenten ist mit Blick auf das steigende Umsatzpotenzial in diesem Bereich ein Chancenthema. Und mit der Arbeit an Risiken und Chancen leisten wir einen positiven Beitrag zur Gesellschaft.

Was sind Ihrer Meinung nach Erfolge, die Galeria Kaufhof in Sachen Nachhaltigkeit vorzuweisen hat?
Als Teil der Metro Group hatte sich Galeria Kaufhof verpflichtet, die CO2-Emmissionen bis 2015 gegenüber 2006 um 15 Prozent zu reduzieren. Dieses Ziel haben wir bereits im vergangenen Jahr erreicht, worauf wir uns aber nicht ausruhen werden. Natürlich freuen wir uns auch über die zweimalige Auszeichnung als „Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen" durch die Verbraucher Initiative. Mich freut aber besonders, dass es eine nachhaltige Unternehmenskultur bei Galeria Kaufhof gibt. Es gibt viele kleine Projekte, die von den Kollegen vor Ort getragen werden. Wir haben jüngst etwa eine Ladestation für Elektroautos an der Königsallee in Düsseldorf eröffnet. Das hat die Filialgeschäftsführung initiiert. Schon seit Jahren gibt es das Projekt „Kollegen helfen Kollegen", innerhalb dessen Mitarbeiter die Cent-Beträge ihres Gehaltes in einen Fonds spenden können, der dann in Not geratenen Kollegen hilft.

Was sind die nächsten Schritte?

Bei den Sortimenten wollen wir insbesondere in den Bereichen Textilien und Spielwaren unser Engagement weiter ausbauen. Darüber hinaus soll das Thema Nachhaltigkeit für die Mitarbeiter sichtbarer und auch erlebbarer werden. Es geht dabei nicht nur um Schulungen und Wissensvermittlungen, sondern auch gemeinsame Aktionen, denn Nachhaltigkeit kann und soll auch Spaß machen.

Zur Person
Marion Sollbach kam 2002 zur Metro AG und verantwortete dort die Abteilung „Nachhaltigkeit und Umwelt". Seit Oktober 2010 leitet Sollbach den Bereich Nachhaltigkeit bei der Konzerntochter Galeria Kaufhof. Die studierte Biologin ist Co-Vorsitzende des Europäischen Einzelhandelsforums für Nachhaltigen Konsum und sitzt dem Umweltausschuss bei Euro­Commerce und im Handelsverband Deutschland (HDE) vor. 2010 wurde ihr der B.A.U.M.-Umweltpreis des Bundes­deutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management verliehen.

Interview: Hanno Bender


Dieses Interview erschien als Teil der Titelgeschichte in der April-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Die vollständige Titelstory lesen Sie
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