In den Betrieben ist die Zeit der Weihnachtsfeiern angebrochen. Einige Unternehmen knausern dieses Jahr. Doch viele Einzelhändler erkennen die Bedeutung eines solchen Mitarbeiterfestes.

Für Roger Ulke ist es gar keine Frage, ob es bei Konsum Dresden auch in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier gibt: "Ja, natürlich", sagt der Vorstandssprecher zu DerHandel.de . "Es ist wichtig, den Mitarbeitern auch Danke zu sagen. Zudem haben wir in diesem Jahr schon ein paar Feiern hinter uns: Wir sind 120 Jahre alt geworden. Ein Zeichen dafür, dass es Konsum Dresden auch schon früher gelungen ist, sich in schwierigen Zeiten zu behaupten."

Die Märkte und Abteilungen des Lebensmittelhändlers organisieren die Feiern selbst. Von der Unternehmenszentrale gibt es dafür einen kleinen finanziellen Zuschuss pro Mitarbeiter.

Banken nicht in Partystimmung

Doch nicht überall geht es so entspannt zu wie in Dresden. Die Wirtschaftskrise drückt auf die Feierlaune der Unternehmen. Besonders bei den Banken würden teure Empfänge mit Blick auf die Milliardenhilfen vom Staat wohl auf wenig Verständnis stoßen.

"Eine große Weihnachtsfeier wäre unserer Meinung nach ein falsches Signal", sagt eine Sprecherin der Citibank in Düsseldorf. Deshalb sei in diesem Jahr entschieden worden, nur im kleinen Rahmen zusammenzukommen.

Ähnlich sieht es bei der Dresdner Bank aus: "In diesem Jahr gibt es keinen Anlass, groß zu feiern", erklärt eine Sprecherin in Frankfurt. Die einzelnen Teams oder Abteilungen würden sich aber dennoch im Kleinen zusammensetzen.

Bei Metro wird gefeiert

Im Einzelhandel wird aber noch gefeiert - das liegt auch daran, dass das Weihnachtsgeschäft gut angelaufen ist. "Die Vertriebslinien entscheiden selbstständig, ob und wie sie Weihnachtsfeiern veranstalten. Hierbei gibt es unterschiedliche Verfahrensweisen. Aber auch dieses Jahr finden die Weihnachtsfeiern wieder statt", sagt Moritz Zumpfort, Sprecher der Metro Group im Gespräch mit DerHandel.de .

So sei unter anderem eine gemeinsame Feier für alle Mitarbeiter von Media-Saturn in der Ingolstädter Hauptverwaltung wieder geplant.
 
In der Konzernzentrale gibt es eine kleine Jahresabschlussfeier für die Beschäftigten der Metro AG. "Metro Cash & Carry macht seit Jahren keine Weihnachtsfeiern, sondern organisiert stattdessen Charity-Events für wohltätige Zwecke", sagt Zumpfort.

Im vorigen Jahr haben die Mitarbeiter bei einer Ausgabestelle der Düsseldorfer Tafel ein Weihnachtsessen veranstaltet und bei der Essensausgabe geholfen. Diese Aktion sei auch dieses Jahr wieder geplant.

Mitarbeiter ins Boot holen

Für Dieter Perk düften daher Konsum und Metro alles richtig machen, "denn eine Absage der Weihnachtsfeier wäre das falsche Signal an die Mitarbeiter", sagt der Unternehmensberater aus Lotte-Wersen zu DerHandel.de.

Perk ist Experte für den Einzelhandel und hat festgestellt, dass in dieser Branche die Feste in diesem Jahr zwar oft weniger pompös ausfallen - aber doch stattfinden. "Gerade in Krisenzeiten müssen die Mitarbeiter stärker ins Boot geholt werden", betont der Berater. "Die Verkäufer sind die Bindeglieder zwischen Kunden und Unternehmen und brauchen besondere Motivation."

Aus diesem Grund legt auch ein kleines Unternehmen aus der krisengeschüttelten Autobranche Wert auf Zusammenhalt in der Belegschaft. "Wir machen eine Feier, um uns bei den Mitarbeitern zu bedanken und die Motivation zu erhalten", sagt Oliver Kraft, Chef des Autohauses Kraft in Seeheim-Jugenheim an der hessischen Bergstraße. "Die Weihnachtsfeier hat in unserem Betrieb eine fünfzigjährige Tradition, die ich nicht unterbrechen möchte. Außerdem wird dadurch der Zusammenhalt im Team gestärkt."

Wenn so ein kleines Unternehmen sich Zeit nimmt, um zu feiern, erscheint die Feierabsage eines Weltkonzerns geradezu peinlich. So hatte vor einigen Tagen der Düsseldorfer Konsumgüterkonzern Henkel entschieden, die Weihnachtsfeiern in diesem Jahr zu streichen. Dieser Beschluss ging per E-Mail an die Mitarbeiter "und kam gar nicht gut an", sagt der Betriebsratsvorsitzende Winfried Zander.

Steffen Gerth mit Material von dpa