Wenn Gummistiefel giftige Weichmacher enthalten, muss ein Händler den Kunden darüber informieren. Doch nicht alle Unternehmen halten sich daran, hat der Bund für Umwelt und Naturschutz festgestellt.

Viele deutsche Handelsketten informieren nach Einschätzung des Bundes für Umwelt und Naturschtz Deutschland zu wenig über Schadstoffe in ihren Produkten.

Nach der 2007 in Kraft getretenen EU-Chemikalienverordnung REACH sind Händler verpflichtet, Verbrauchern auf Anfrage die in Produkten enthaltenen Schadstoffe zu nennen. Doch nur 7 der 24 vom BUND befragten Handelsketten machten korrekte Angaben, teilten die Umweltschützer am Montag mit.

Dabei handelt es sich um die Handelsunternehmen Hornbach, Müller, Ihr Platz, Saturn, Baby Walz, Obi und Toom. Der BUND ließ die Produkte von einem unabhängigen Labor auf Schadstoffe prüfen.

Schlecker antwortet nicht

Acht Unternehmen hätten meldepflichtige Schadstoffe nicht wahrheitsgemäß angegeben, teilte der BUND mit. Darunter Neckermann, Medimax sowie die Drogeriemarktketten dm und Rossmann.

Neun weitere Händler reagierten den Angaben zufolge auf entsprechende Anfragen gar nicht (beispielsweise Schlecker), machten unzulängliche Angaben oder antworteten erst nach Ablauf der vorgeschriebenen Frist von 45 Tagen (Mytoys, Toys 'R' Us und Euronics).

"Es ist inakzeptabel, dass sehr viele Händler nicht pflichtgemäß über Schadstoffe in ihren Waren informieren", klagte Jurek Vengels, BUND-Experte für Chemikalienpolitik. "Damit verstoßen sie gegen die im europäischen Recht festgelegten Auskunftsrechte der Verbraucher." Schadstoffe seien in vielen Produkten weiter vorhanden.

In 14 der getesteten Artikel fand das Labor Weichmacher, zwei Produkte enthielten Flammschutzmittel. Die gefundenen Weichmacher gelten laut BUND als schädlich für die Fortpflanzungsfähigkeit.

Getestete Produkte wie ein Massageschwamm der dm-Eigenmarke sowie eine Federmappe für Schulkinder von Jako-o enthielten gleich mehrere Schadstoffe. Am höchsten belastet waren Regenstiefel vom Versandhaus Schwab, in den der BUND mehr als 36 Prozent Anteile des Weichmachers Diethylhexylphthalat (DEHP) fand.

30.000 Stoffe

Gemäß REACH-Verordnung müssen Hersteller und Importeure von Chemikalien diese bei der Europäischen Agentur für chemische Stoffe (ECHA) in Helsinki registrieren.

Das betrifft rund 30.000 Stoffe, die als Zwischenprodukte oder in Konsumgütern wie Kunststoffartikeln oder Textilien verwendet werden. Zuvor mussten nur rund 3.000 Stoffe vor der Marktzulassung auf Gesundheits- und Umweltgefahren hin bewertet werden.