Die Chancen für den Erhalt des Versandhändlers Neckermann schwinden - das sagt sogar der vorläufige Insolvenzverwalter. Es droht die Totalpleite, das Geld für die Löhne ist bereits knapp.

Neckermann steht nach Lage der Dinge unmittelbar vor dem Ende. "Nach dem vorläufigen Ergebnis der nunmehr über einen Zeitraum von acht Wochen gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young durchgeführten Suche nach Investoren zeichnet sich ab, dass für viele Interessierten die Herausforderungen bei einer Übernahme von Neckermann zu komplex erscheinen", teilte die Insolvenzverwaltung des Versandhändlers mit.

Diese "schwierige Situation" sei an diesem Mittwoch den Mitarbeitern auf einer Versammlung mitgeteilt worden. Die Lage für das Unternehmen werde "immer aussichtsloser", sagte Insolvenzverwalter Joachim Kühne unverblümt. Er wolle aber bis zuletzt "alles dafür tun, um doch noch bis Ende September einen ernsthaften Investor zu finden, der bereit ist, das Unternehmen weiter zu führen".

50 ernsthafte Übernahmekandidaten

Mehr als 200 Investoren seien bereits angesprochen worden, so Kühne. Dabei hätten sich 50 potenzielle Investoren "intensiv mit den Geschäftsverhältnissen befasst und das Unternehmen auf Herz und Nieren überprüft".
 
"Die Investoren monieren vor allem, dass über einen langen Zeitraum hinweg nicht kostenbewusst gewirtschaftet worden sei. Überall seien sie bei ihrer Prüfung auf die sichtbar schlimmen Folgen für die Wirtschaftlichkeit des Betriebs gestoßen", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael C. Frege.

"Lohn- und Gehaltszahlungen an die Mitarbeiter erfolgen auch heute noch über das Insolvenzausfallgeld der Arbeitsagentur, jedoch nur noch bis Ende September", heißt es in einer Mitteilung der Insolvenzverwaltung.