Es wäre die nächste große Pleite im deutschen Handel: Neckermann hat kein Geld für den Sozialplan, die Einigungsstelle scheiterte. Laut Medienbericht steht der Versender noch in dieser Woche vor dem Aus.

Nach Arcandor und Schlecker nun auch Neckermann? Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) muss das Traditionsunternehmen voraussichtlich noch in dieser Woche Insolvenz anmelden. Hintergrund ist der Streit um einen sozialverträglichen Abbau von rund 1.500 Arbeitsplätzen.

Arbeitnehmervertreter und Konzernleitung sowie der Eigentümer Sun Capital konnten sich in den vergangenen Tagen und Wochen nicht auf einen Sozialplan verständigen.

"Neckermann.de kann seine beschleunigte E-Commerce Ausrichtung nicht umsetzen", teilt das Unternehmen daher am Mittwochabend mit. "Eine Lösung für den dazu notwendigen Stellenabbau konnte in den gesetzlichen Einigungsstellen in den letzten Tagen nicht erreicht werden.  Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte beharrten weiter auf der Forderung nach Abfindungen für die von Kündigung betroffenen Mitarbeiter".

Kündigungsschutzklagen: Neckermann droht die Schleckerfalle

Das Management wollte den Eigenhandel mit Textilien sowie das Zentrallager aufgeben und zum Jahresende 1.380 von 2.500 Stellen in Frankfurt streichen.

Die Mitarbeiter hatten im Juni in einer Urabstimmung mit breiter Zustimmung den Weg für unbefristete Streiks frei gemacht. Anfang Juli hatte ein zweitägiger Streik das Zentrallager des Versandhändlers lahmgelegt.

Da in den Einigungsstellen keine Lösungen gefunden worden sei, bestehe im Falle der Umsetzung des Stellenabbaus nun das Risiko von umfassenden Kündigungsschutz- und Abfindungsklagen.

Dieses Risiko sei finanziell nicht kalkulierbar und würden die Existenz des Unternehmens gefährden, so die
Foto: Hanno Bender
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des Unternehmens. Darüber hinaus würden mögliche Co-Investoren durch das Risiko von Kündigungsschutz- und Abfindungsklagen abgeschreckt.

"Das Unternehmen prüft, welche weiteren Schritte jetzt notwendig sind", heißt es lapidar am Ende der Mitteilung. Auf den Bericht der FAZ geht das Unternehmen nicht ein.