Seit fünf Jahren war die Stimmung im Einzelhandel nicht mehr so gut wie zur Zeit. Doch die strukturellen Probleme wachsen rapide. Eine Allianz mit dem Städtebund soll helfen.

Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland schätzen die aktuelle Geschäftslage so positiv ein wie seit fünf Jahren nicht mehr, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE). "Die Händler berichten von einer positiven Konsumstimmung", berichtete HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Die aktuell gute Geschäftslage, Kaufkraft sowie Lohnentwicklung habe in den ersten beiden Monaten 2016 für ein nominales Umsatzplus von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesorgt.

"Die guten Zahlen wurden über alle Branchen hinweg eingefahren", sagte Genth. Vor allem der Lebensmitteleinzelhandel, Einrichtungsgeschäfte und der Onlinehandel seien gut ins Jahr gestartet. Für das Gesamtjahr 2016 erwarten 44 Prozent der befragten Unternehmen Erlöse über Vorjahresniveau, knapp ein Viertel erwartet sinkende Umsätze.

1,5 Prozent Umsatzplus im Jahr 2016 erwartet

Für das Gesamtjahr erwartet der Handelsverband ein Umsatzplus von 2 Prozent, preisbereinigt 1,5 Prozent, auf 481,8 Milliarden Euro. "Die Hälfte des Wachstums geht dabei vom Onlinehandel aus", sagte Genth. "Deshalb sollte jeder Händler seine Hausaufgaben erledigen und sich mit der Digitalisierung auseinandersetzen", appellierte er. "Das heißt nicht, dass jeder Händler ein Onlineshop eröffnen muss, aber er muss im Internet sichtbar sein."

Das Umsatzwachstum hat laut HDE auch zu einem Beschäftigtenaufbau geführt, insgesamt seien 27.000 Stellen im Einzelhandel dazugekommen. "Drei Viertel der Unternehmen gehen von konstanter Beschäftigung aus", berichtete Genth.

Massive strukturelle Probleme

Doch die gute Stimmung täuscht nicht darüber hinweg, dass die Händler mit massiven strukturellen Problemen zu kämpfen haben: Mehr als 58 Prozent der befragten Händler gehen davon aus, dass die Kundenfrequenzen in den Haupteinkaufslagen weiter sinken werden, immerhin 16 Prozent glauben an einen deutlichen Rückgang in den Haupteinkaufslagen quer durch alle Stadtgrößen.

Dabei sind Standorte in den Innenstädten stärker betroffen als solitäre Lagen wie Einkaufszentren, so die Beobachtung des Verbands. "Wir glauben nicht, dass die Ursache dafür allein im Onlinehandel liegt", sagt Genth. "Hier sind auch Städte und Kommunen gefragt." Man müsse unter anderem die Erreichbarkeit der Innenstädte attraktiver gestalten, die Infrastruktur modernisieren, den Ausbau des Breitbandnetzes und freien WLANs vorantreiben.

Deshalb starte der HDE gemeinsam mit dem Städte- und Gemeindebund eine "Allianz für die Innenstadt". Die Veranstaltungsreihe quer durch alle Bundesländer, die am 13. April in Niedersachsen beginnt, finde für die in den Kommunen und Regionen Verantwortlichen, wie Wirtschaftsförderer, Baudezernenten, Bürgermeister statt. Ziel sei es, nicht nur abstrakt über Infrastruktur und rechtliche Rahmenbedingungen zu sprechen, sondern konkret mit den Entscheidungsträgern vor Ort zu diskutieren.

Marion Schalk, Düsseldorf