Der Rückzug der Bundesbank aus der Bargeldbearbeitung stellt die Handels­branche vor neue Herausforderungen. Nur drei Anbieter sind derzeit in der Lage, eine bundesweite Lösung zu offerieren.

Mit dem Jahresbeginn hat eine neue Zeitrechnung bei der Bargeldversorgung in Deutschland begonnen. Seit dem 1. Januar gibt die Bundesbank Münzen nur noch in sogenannten sortenreinen Normcontainern heraus. Die Geld- und Werttransporteure können in den Bundesbank­filialen nur noch komplette Containern einer Münz-Stückelung abholen oder anliefern.

Um alle Münzsorten vorrätig zu haben, müssen sie sich nun acht tonnenschwere Container im Gegenwert von 314.000 Euro in den Keller stellen. Für eine Übergangszeit gibt die Bundesbank in ihren Filialen zwar noch kleinere Münzmengen ab, dies jedoch nur gegen deutlich höhere Gebühren.

Erhebliche Kostensteigerungen

Kosten, die von Banken und Werttransportunternehmen (WTU) ab sofort auf die Handelsunternehmen in Deutschland abgewälzt werden. 25 Cent berechnet beispielsweise die Volksbank Berlin pro Rolle - bei der 1-Cent-Münze sind das immerhin 50 Prozent des Rollenwertes.

Doch die Umstellung auf die Normcontainer ist nur der Anfang auf dem Weg zur weitgehenden Privatisierung der Bargeldversorgung. "Zum 1. Mai 2011 werden die Kosten der Bargeldver- und -entsorgung für Handelsunternehmen und Banken noch einmal spürbar ansteigen", warnt Heinz Spiegelmacher, Geschäftsführer der Soltrx Transaction Services GmbH (STS).

Ab diesem Stichtag dürfen die Geld- und Wertlogistiker die Münzen von unterschiedlichen Kunden nicht mehr in eigenen Cashcentern vermischen - es sei denn, sie besäßen eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die ihnen das private Cash-Recycling erlauben würde.

Von den rund 60 Geld- und Werttransportunternehmen in Deutschland haben allerdings nur Kötter, Brink's und Ziemann eine solche Lizenz nach dem Zahlungsdienste­aufsichtsgesetz (ZAG) beantragt. Unicorn, die Nummer zwei der Branche hinter SecurLog, führt vorbereitende Gespräche mit der BaFin. Zur Dauer und den Aussichten des Genehmigungsverfahrens schweigt sich die BaFin aus.

Den Wertdienstleistern bleibt daher zunächst nur die Kooperation mit einer Bank, um den Handel auch weiterhin mit Bargeld zu versorgen. Bislang gibt es nur drei solcher Kooperations­modelle zwischen Banken und WTUs, die eine bundesweite, flächendeckende Ver- und Entsorgung mit Bargeld sicherstellen können.

Das DZ-Bank-Modell

Die DZ Bank bietet in Zusammenarbeit mit der Cash Logistik Security AG (CLS) seit einigen Jahren einen Bargeldservice für Banken und Handelsunternehmen an. Das Institut übernimmt die Haftung für die transportierten Gelder ab Übergabe an das WTU. Die CLS, die mehreren mittelständischen Geld- und Wertlogistikern gehört, überwacht und koordiniert die Einsätze der regionalen Dienstleister zentral.
Neben der Anlieferung und Abholung von Bargeld bieten die beiden Partner seit rund zwei Jahren auch die Aufstellung von sogenannten Einzahltresoren.

Rund 100 solcher Tresore stehen derzeit bei Handelsunternehmen aller Größenordnungen - von der kleinen Filialbäckerei bis zum bundesweit aktiven Retailer. Der Vorteil: Die dort sicher verwahrten Bargeldbestände werden sofort auf dem Konto des Händlers gutgeschrieben, abgeholt wird das Geld aber erst später.

"Wir bieten unsere Dienstleistungen auch Handelsunternehmen an, die kein Konto bei einer Volks- und Raiffeisenbank haben", betont Roger Kolb von der DZ Bank gegenüber Der Handel. Kolb sieht aufgrund der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen optimistisch in die Zukunft: "In den kommenden Monaten werden alle Händler ihre Bargeldlösung auf den Prüfstand stellen."

Das STS-Modell

Ebenfalls schon ein paar Jahre im Markt aktiv ist die Commerzbank-Tochter Soltrx Transaction Services (STS), die schon vor dem Heros-Skandals gegründet wurde - ursprünglich, um eine sichere Bargeldversorgung der Bankfilialen zu gewährleisten. "Mittelweile erlösen wir jedoch rund 75 Prozent unseres Umsatzes mit Wirtschaftsunternehmen - viele davon aus der Handelsbranche", erläutert Geschäftsführer Spiegelmacher.

Rund 250 Handelskunden, unter anderem Rewe, Esprit und Dehner nutzen die Dienstleistungen der STS, die als Banktochter ähnlich wie die CLS AG die operativen Einsätze der Geld- und Wert­logistiker plant, koordiniert und überwacht. "Viele Händler suchen derzeit bundesweite Lösungen, um nicht auf vier oder fünf regionale Anbieter mit unterschiedlichen, nicht standardisierten Lösungsansätzen angewiesen zu sein", weiß Spiegelmacher aus zahlreichen Gesprächen, die er in den letzten Wochen geführt hat.

Auch die STS bietet eine Haftungsübernahme ab Übergabe des "Safebags" und Tresorlösungen wie das Modell der DZ Bank. Spiegelmacher ist überzeugt, dass sich in den nächsten Jahren Standards für Cash-Automaten auch im Handel herauskristallisieren werden.

Das SecurLog-Modell

Ein ganz junges Modell, das bundesweit das Cashhandling für den Handel aus einer Hand bietet, kommt von SecurLog. Der Heros-Nachfolger kooperiert dazu mit der biw-Bank. "Wir wollen zunächst die Versorgung unserer Bestandskunden mit Münzgeld sicherstellen und im nächsten Schritt Mehrwertdienstleistungen in diesem Bereich aufbauen", erläutert SecurLog-Geschäftsführer Lothar Thoma gegenüber Der Handel.

"Münzgeld to go" wird der Service heißen. Händler sollen ihren Bargeldbedarf im Internet bestellen und den gesamten Prozess online überwachen können. Wie mit der sukzessiven Einführung der Ein-Mann-Logistik, will sich das Unternehmen mit dem Service als Innovationstreiber der WTU-Branche positionieren. Auch SecurLog strebe eine ZAG-Lizenz an, betont Thoma.

Regionale Modelle

Gänzlich verschlafen hat bislang die Sparkassen-Finanzgruppe das Thema Bargeldservice. Lediglich zehn regionale Modelle können die Sparkassen derzeit vorweisen. Eine bundesweite Lösung ist nicht in Sicht. "Umsetzung Bargeldservice-Gesellschaft vorbereiten, Kontakt mit möglichen Umsetzungspartnern aufnehmen" steht ganz oben auf der To-do-Liste einer internen Präsentation des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), die der Redaktion vorliegt.

Die Präsentation "Bargeldlogistik im Verbund" stammt aus dem Herbst 2010 - als ob die Bargeldstrategie der Bundesbank nicht seit Jahren bekannt wäre. Insofern geht es den Sparkassen aktuell ähnlich, wie vielen Handelsunternehmen: Bundesweite Lösungen werden händeringend gesucht.

Hanno Bender

Dieser Artikel erschien in der Januar-Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Der Handel. Zum kostenfreien Probeexemplar geht es hier.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auch in unserem Online-Dossier "Bargeldlogistik".