Das Skyline Plaza als Konkurrent, die Kriminalität als Dauerproblem. Die Frankfurter Zeil hat zu kämpfen. Hessens Innenminister leistet nun Unterstützung. Für das Center MyZeil gibt es gar einen "Masterplan".

Im Fußballsport gibt es einen geflügelten Satz: Die Tabelle lügt nicht. Dieser meint, dass es nur einen Indikator gibt, der über die Qualität einer Mannschaft aussagt: das Tableau. Als der Immobiliendienstleister Jones Lang LaSalle im Sommer dieses Jahres seine traditionelle Übersicht über die besten Einkaufsstraßen Deutschlands vorstellte, da gab es eine Überraschung: Die Frankfurter Zeil hat stark an Frequenz eingebüßt. Nicht nur, dass sie von Platz eins verdrängt wurde - die Zeil ist gar auf Rang sechs abgerutscht.

In der Tat ist die Zeil eine Problemstraße geworden, "Bild" nannte sie gar "Elendsmeile". Grund: Steigende Kriminalität durch organisierten Ladendiebstahl und Bettler, Drogensüchtige sowie aggressive Jugendliche. Selbst der Hessische Innenminister Boris Rhein bezeichnete jüngst die Zustände auf der Zeil als "unerfreulich". Das klingt nicht gut für die Einzelhändler hier.

Gefahr, dass viele Kunden abwandern

Der oberste Ordnungshüter des Landes handelt nun - mit einem bundesweiten Pilotprojekt. Ab Dezember, pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts, sollen drei spezielle Teams mit Polizisten auf der Einkaufsstraße ihren Dienst leisten: ein Video-Polizist, zwei Kontrollpolizisten und ein Sicherungsbeamter. Der jeweilige Beamte mit der Videokamera trägt das Gerät dabei an einer Weste, auf der "Videoüberwachung" steht.

Ob solche Aufzeichnungen organsierte Ladendiebe abschrecken, ist fraglich. Aber zumindest könnten Randalierer davon beeindruckt werden. Joachim Stoll, Vorsitzender des Frankfurter Einzelhandelsverbandes, ist nicht unfroh über die neue Maßnahme der Polizei - schließlich liegt sein Geschäft Koffer24 in unmittelbarer Nähe der Zeil. "Die Zeil lebt davon, dass die Menschen mit Spaß ihre Freizeit dort verbringen." Sei dies nicht mehr gewährleistet, drohe die Gefahr, dass viele Kunden abwanderten, wird Stoll in der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zitiert.

Turmähnliche Architektur

Schlechtes Image, und seit August im Westen Frankfurts mit dem Center Skyline Plaza einen neuen Kundenmagneten - die Zeil hat mit zwei Problemen zu kämpfen. Für das Einkaufszentrum MyZeil wurde bereits vor geraumer Zeit ein "Masterplan" entwickelt, um die Attraktivität des Hauses zu steigern. Alles steht unter dem Motto: Emotionalität. Geplant sind ein Erholungsbereich für gestresste Kunden, mehr Sitzgelegenheiten und einen Informationsschalter im Eingangsbereich des Centers. "Solche Dinge kosten Geld und sind nicht sofort finanziell gegenzurechnen", sagt Jürgen Hege, Geschäftsführer vom Centerbetreiber PalaisQuartier Asset Management, im Gespräch mit derhandel.de.

Das MyZeil ist durch seine turmähnliche, unübersichtliche Architektur mit einer Verkaufsfläche von 47.000 Quadratmetern verteilt auf sechs Etagen kein einfach zu betreibendes Center. Speziell ist das Rolltreppensystem. Wer hier die falsche Auffahrt erwischt, der wird ohne Zwischenstopp bis ins oberste Geschoss befördert. Diverse Umbauten sind also notwendig - und auch im Masterplan vorgesehen: Über dem Eingang soll etwa eine große Terrasse entstehen.

Eine Problemzone bleibt noch - der Gastrobereich in der obersten Etage. "Hier haben wir Schwächen", gibt Hege zu. Mehr Attraktivität verspricht er sich etwa durch eine Individualisierung der Restaurants, etwa durch eine stilisierte Altstadtkulisse. Bei den Restaurants ist ein Mix geplant aus Angeboten mit hoher Verweildauer sowie solchen für eilige Hungrige.

Jetzt mit App

Technische Gimmicks wiederum werden sparsam eingesetzt. Seit wenigen Tagen gibt es eine App mit Shop-Verzeichnis, virtuellen Rundgängen, Center-Nachrichten, Social-Media-Anbindung und QR-Reader. Zudem soll im MyZeil eine Ladestation für Mobiltelefone eingerichtet werden.

Ansonsten will Hege das MyZeil als innerstädtischer Treffpunkt für eher junge Konsumenten (bis etwa 35 Jahre) etablieren. Einkaufen, erleben, ausruhen, könnte dafür der Slogan sein. Seit 2012 schickt er einen Trendscout durch die Welt, um moderne Ladenkonzepte und aufregende Sortimente aufzuspüren, um diese im Center auf der Zeil abzubilden. Damit setzt er auch die Ladenbetreiber unter Druck:  "Die Mieter sollen die neuesten Konzepte bieten", nennt der Geschäftsführer die  Anforderungen.

Für 2013 rechnet PalaisQuartier mit 15 Millionen Besuchern im MyZeil, das wären 300 Besucher pro Quadratmeter. Damit läge das Center vor Größen wie dem CentrO in Oberhausen oder dem Alexa in Berlin, wie man stolz betont. Die Statistik lügt bekanntlich nicht.