Mit der Einführung der E-Books muss sich nun auch die Buchbranche mit Raubkopien auseinandersetzen. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzt zunächst auf Kooperation und Einsicht.

Erst seit gestern wird das E-Book-Lesegerät PRS-505 von Sony in Deutschland mit großem Medien-Tamtam verkauft. Doch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels will nicht den gleichen Fehler machen wie die Musikbranche und sich von Raubkopien der digitalen Bücher überrennen lassen. Daher plädiert der Branchenverband  für ein politisches Signal und die Kooperation mit Internet-Service-Providern.

"Die deutsche Buchbranche geht im Internet mit neuen Angeboten in die Offensive und will zugleich illegale Downloadportale bekämpfen. Sie bietet mit libreka! ab sofort ein Downloadportal, über das digitale Bücher einfach und sicher erhältlich sind", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Ziel sei es, über die eigene Plattform in den kommenden Jahren alle lieferbaren Titel anbieten zu können.
 
"Mit diesem Angebot begegnet die Buchbranche offensiv den digitalen Herausforderungen", sagte Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, heute auf der Pressekonferenz zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. "Wir sind überzeugt, dass viele Internetnutzer bereit sind, für Inhalte einen angemessenen Preis zu zahlen, wenn das Angebot stimmt."

Aus Sicht von Buchhandel und Verlagen ist die Gefahr jedoch groß, dass mit zunehmender Nachfrage nach E-Books auch die Zahl der Raubkopien im Netz drastisch ansteigen wird.

Kooperation erwünscht

Illegale Nutzungen werde der Börsenverein des Deutschen Buchhandels deshalb künftig konsequent mit allen rechtlichen Mitteln verfolgen, so der Hauptgeschäftsführer.

"Durch die derzeitige Rechtslage werden wir dazu gezwungen. Ein Warnverfahren, das Rechtsverletzer aufklärt und abschreckt, bevor es zu einer gerichtlichen Abmahnung kommt, wäre uns weitaus lieber", betonte Skipis. "Dafür ist aber die Kooperationsbereitschaft der Internet-Service-Provider erforderlich, die sich bislang einer solchen Zusammenarbeit verweigern."

Erst warnen, dann abmahnen

Der Börsenverein schlägt ein Verfahren vor, bei dem rechtsverletzende Nutzer über ihre Provider zunächst gewarnt werden, dass rechtliche Konsequenzen drohen, wenn sie im Internet unbefugt mit geschützten Inhalten handeln oder diese von illegalen Websites herunterladen. Erst bei wiederholten Verstößen würden die Rechteinhaber dann das Abmahnverfahren einleiten.

"Das ist Aufklärung für all diejenigen, die unwissentlich illegal handeln und Abschreckung für all die anderen, die glauben, das Internet sei ein rechtsfreier Raum", sagte Skipis. Illegale Plattformen werden unabhängig davon sofort gerichtlich verfolgt.

Unterstützung vom Bund erwartet

Unterstützung für ein solches Verfahren erwartet der Börsenverein von der Bundesregierung, insbesondere von der Bundesjustizministerin und aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Beide seien durchaus problembewusst, hätten sich bislang aber noch nicht darauf verständigen können, die Internet-Service-Provider mit einer Kooperationsaufforderung "nachdrücklich" zum Handeln zu bewegen oder gegebenenfalls einen rechtlichen Rahmen für das Kooperationsmodell zu schaffen.

Die vom Börsenverein initiierte Buchplattform libreka! habe sich unerdessen mit mehr als 1.000 teilnehmenden Verlagen, bald 100.000 Titeln und mehr als 30 Millionen Buchseiten innerhalb kürzester Zeit zur größten aktuellen deutschsprachigen Volltextsuche entwickelt.

Das Angebot dieser "modernen digitalen Bibliothek", das sich überwiegend der Gegenwarts- und Fachliteratur widmet, wachse täglich. Ab sofort können über libreka! zudem die ersten E-Books gekauft werden. Die Plattform wird von der MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, einer Wirtschaftstochter des Börsenvereins, entwickelt.

Der Börsenverein

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels vertritt in Deutschland die Interessen von rund 5.900 Verlagen, Buchhandlungen, Zwischenbuchhandlungen und Antiquariaten. Seit seiner Gründung im Jahre 1825 hat er zu Erhalt, Ausbau und Verbreitung der Literatur beigetragen. Er vergibt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Deutschen Buchpreis und ist als Träger und Vermittler von Bildung in der Leseförderung aktiv.