Bei der insolventen Warenhauskette Hertie gehen nach dpa-Informationen bis Mitte August endgültig die Lichter aus. Angeblich drängen die neuen Mieter - wegen des Weihnachtsgeschäfts.

Die beiden kommenden Samstage seien vielerorts die letzten Verkaufstage in vielen Filialen, sagte der Sprecher des niederländischen Immobilien-Eigentümers Mercatoria Acquisitions BV (MABV), Christopher Hancock, der Deutschen Presse-Agentur in London.

Herties Insolvenzverwalter Biner Bähr wolle die Häuser bis Mitte Oktober geräumt zurückgeben. Dann könnten neue Mieter einziehen. Sie würden etwa das 15-fache der Hertie-Mieten zahlen und wollen angeblich wegen des Weihnachtsgeschäfts so schnell wie möglich in die Räume. Herties Gläubiger verkündeten das Aus, nachdem sich Bähr und MABV nicht über die Miethöhe einigen konnten.

Mieten "deutlich höher als zuvor"

Jeweils etwa die Hälfte der 54 verbliebenen Hertie-Filialen solle am nächsten und übernächsten Samstag geschlossen werden, sagte Hancock. In den Häusern in Nettetal und Wesseling (Nordrhein-Westfalen) sei der letzte Verkaufstag bereits am vergangenen Samstag gewesen. Am Montag sei der Eigentümer "nach wochenlangem Schweigen" informiert worden.

Neue Unternehmen würden mehr Miete zahlen und mehr Arbeitskräfte beschäftigen als Hertie, sagte Hancocks. Das Haus in Köln-Chorweiler sei an Hertie für 650.000 Euro pro Jahr vermietet worden.

Mehr als 9,5 Millionen Euro pro Jahr würden die drei neuen Mieter zahlen - Saturn, C&A und die britische Designer-Bekleidungskette TK Maxx. In der Dortmunder Filiale wolle Kaufland bis kommendes Jahr 100 Jobs schaffen. Hertie habe dort 35 Mitarbeiter gehabt.

Vorwürfe an die Adresse des Insolvenzverwalters

Alle Hertie-Filialen in Schleswig-Holstein hätten längst einen neuen Besitzer haben können, sagte Hancock weiter. Er habe vor sieben Monaten einem Mietvertrag mit dem Unternehmen Hansekontor zugestimmt, das aber die Marke Hertie mit anderem Konzept weiterführen wollte. Dem habe der Insolvenzverwalter bis heute nicht zugestimmt.

Hertie gehörte zuvor der inzwischen insolventen Investorengruppe Dawnay Day. Der Besitz wurde vor der Insolvenz dem niederländischen Partner MABV übertragen. MABV gehört hauptsächlich sieben Privatpersonen, die früher mit Dawnay Day Geschäfte gemacht haben.