Mercedes-Benz lässt es zur Weltpremiere der neuen S-Klasse richtig krachen und beansprucht die Führungsrolle im automobilen Luxussegment. Unternehmenslenker reisen künftig noch entspannter und effizienter.

Welch eine Party! Das riesige Areal der Airbus-Produktion in Hamburg Finkenwerder war für Mercedes-Benz gerade groß genug, um die Weltpremiere der neuen S-Klasse zu zelebrieren. Die Schwaben hatten ihre sonst schon sprichwörtliche Sparsamkeit zu Hause gelassen und ließen es in der Hansestadt buchstäblich richtig krachen: Mit bombastischem Feuerwerk, den kunstvollen Klängen der Hamburger Symphoniker, gekrönt durch die Stimme der US-amerikanischen Starsängerin Alicia Keys und dem Riesenflugzeug A 380 als Hintergrundstatisten ließ Daimler-Chef Dieter Zetsche das neuste Luxusgefährt der Marke auf die Bühne rollen.

750 Gäste, darunter 500 Journalisten aus 40 Ländern, hatten ihren Spaß am Spektakel, durch das „Tagesschau“-Moderatorin Judith Rakers charmant führte. Gleich fünf Meisterköche mit insgesamt zehn Sternen und unverwüstliche Dauerpromis vom Schlage Franz Beckenbauer und Niki Lauda durften bei dieser selbstbewusst inszenierten Gala ebenfalls nicht fehlen.

„Wir sind die Nummer eins in dieser Klasse!“

Zetsche, Entwicklungschef Thomas Weber und Verkaufsvorstand Joachim Schmidt ließen bei der Lobpreisung des „sichersten Autos der Welt“ auch keinen Superlativ aus. Von „Ikone“ war die Rede, von „Technologieführer“ und vom „wichtigsten Symbol für die ganze Marke, ja den gesamten Automobilbau“. Jede Geste des Abends bedeutete den Zuschauern: „Wir sind die Nummer eins in dieser Klasse!“

Ausgerechnet in Deutschland rutschte die noch aktuelle S-Klasse im Spätherbst ihrer Karriere allerdings hinter die Widersacher aus Bayern. Mit lediglich noch 1.012 Zulassungen blieb den Stuttgartern nach den ersten vier Monaten des Jahres nur Rang drei in der Zulassungsstatistik der klassischen Oberklasse-Limousinen hinter dem BMW Siebener und dem Audi A 8.

Verkaufsstart am 20. Juli

Das soll sich nach den Vorstellungen der Mercedes-Manager ab dem 20. Juli nun schnell wieder ändern. Mit immensem Aufwand hat der Konzern sein Aushängeschild technisch derart aufgerüstet, dass allein die Pressemitteilung zu den Neuerungen 120 Seiten in Anspruch nimmt. Rund 20 Assistenzsysteme sorgen für die Sicherheit der Passagiere und sogar der anderen Verkehrsteilnehmer.

Highlights sind dabei unter anderem die Möglichkeit, teilautonom zu fahren. Bei Geschwindigkeiten unter 60 km/h „hängt“ sich die S-Klasse an das vorausfahrende Fahrzeug, ohne dass der Fahrer Gas geben, bremsen oder lenken muss. So lassen sich Stauzeiten sinnvoll nutzen. Zudem erkennen die allerorten im Fahrzeug verbauten Sensoren vorausschauend schlechte Wegstrecken und stellen das Fahrwerk gleich entsprechend darauf ein.

Luxusappartement auf Rädern

Foto: Mercedes-Benz
Foto: Mercedes-Benz
Unternehmenslenker und Regierende reisen fortan vor allem auch noch komfortabler. Von der Hot-stone-Massage über den Duftspender bis zum WLAN-Zugang fehlt es den Fahrgästen in diesem Luxusappartement auf Rädern an nichts. Gesteuert werden die ganzen Annehmlichkeiten über das per Bluetooth verbundene Smartphone. Für Chefs mit Chauffeur lässt sich die Rückbank zum veritablen Büro ausstaffieren.

Geschuldet ist diese massive Aufwertung natürlich auch dem Umstand, dass die Stuttgarter ihre bisherige Top-Luxusmarke Maybach mangels Verkaufsmasse sang- und klanglos einstellen mussten. Die S-Klasse soll nun nicht nur die erfolgreiche Businessklientel, sondern auch die besonders zahlungskräftigen Kunden in China, Russland, den Arabischen Emiraten oder den USA überzeugen. Der oberste Mercedes-Verkäufer Joachim Schmidt ist trotz der weltweiten Krisenstimmung jedenfalls nicht bange: „Spitzenprodukte sind immer begehrt."

Vierzylinder-Diesel soll mit 4,4 Litern auskommen

Doch nicht nur Entspannung sondern auch Effizienz ist in Daimlers neuem Referenzwagen angesagt. Thomas Weber verspricht „Verbrauchswerte, die vor wenigen Jahren selbst in der Mittelklasse utopisch schienen“ und ruft dabei 4,4 Liter Diesel für den S 300 Hybrid mit vier Zylindern und 150 kW/204 PS auf. Im nächsten Jahr soll sogar eine „3“ vor dem Komma stehen, wenn der S 500 Plug-in Hybrid in Serie geht.

Zum Verkaufsstart stehen zunächst noch der S 350 Diesel (190 kW/258 PS) sowie der Sechszylinder-Benziner im S 400 Hybrid 225 kW/306 PS und der Achtzylinder im S 500 (335 kW/455 PS) im Angebot.

Preise ab rund 80.000 Euro

Die Preisliste beginnt aktuell bei 79.789 Euro für den Sechszylinder-Diesel und reicht bis 104.601 Euro für den S 500 – ohne die zumeist lediglich optional erhältlichen Technikschmankerln versteht sich. Wenn der Hersteller die Allradversionen und Haustuner AMG seine nochmals leistungsgesteigerten Varianten nachlegt, werden die Tarife weiter deutlich steigen.

Bernd Nusser