In zwanzig Sekunden zum besseren Image: Ab heute laufen erstmals die neuen TV-Spots von Schlecker. Die Filmchen sind nett, lustig und sollen vor allem eine Botschaft vermitteln: Schlecker ist nicht böse.

Es ist schon witzig zuzusehen, wie eine Familie ihr Geschirr mit der Zunge sauber leckt, weil sie offenbar kein Spülmittel zur Hand hat. Noch witziger ist es dabei, wenn dem Vater dann die ehrenvolle Aufgabe obliegt, sich der Bratpfanne zu widmen.

Darüber kann man genauso lachen, wie über einen, der auf einem Bankett einen Niesanfall bekommt und sich ordnungsgemäß die Nase schnäuzt. Aber nicht, wie angenommen, in eine Serviette, sondern in das Umhängetuch der Tischnachbarin. Gut, dass es Waschmittel zu kaufen gibt, soll mit diesem Spot vermittelt werden.

"Wir sind jetzt die Guten"

Seit Ende vorigen Jahres hat die Werbeagentur Grey den Auftrag, das grausige Image von Schlecker in ein gutes umzuwandeln. Ab diesem Montag laufen die dafür produzierten TV-Spots über die Sender.

In jeweils zwanzig Sekunden soll der neue Anspruch des Drogeriediscounters vermittelt werden: Wir sind jetzt die Guten. "For You. Vor Ort" heißt das offizielle Versprechen, das die Grey-Werber kreiert haben.

Bei Grey wird seit Beginn der Zusammenarbeit geschwärmt vom Erneuerungsgeist, der von Schlecker ausginge. Extrem offen für Beratung sei der Kunde, zudem überrasche dessen Schnelligkeit bei Entscheidungen, lobt Jörg Elfmann, Geschäftsführer von Grey.

Das Tempo ist nicht überraschend. Denn Meike und Lars Schlecker, die Kinder der Unternehmensgründer Anton und Christa, wollen alles besser machen als ihre Eltern. Die Firmenpatriarchen hatten einen regelrechten Überwachungsstaat geschaffen. Zuletzt wurde bekannt, dass Schlecker eine Liste mit missliebigen Mitarbeitern führt, die unter verschärfter Beobachtung stehen

Der Verbraucher kauft woanders

Der Verbraucher hat längst mitbekommen, welche Methoden bei Schlecker Usus sind, und wendet sich ab. Die Umsätze des Drogeriegiganten aus Ehingen bröckeln entsprechend, dm und Rossmann haben das bessere Image - und holen auf gegenüber den Branchenführer.

Nun also die Aufholjagd von Schlecker. Mit neuem Logo. Neuem Werbspruch. Und erstmals mit TV-Spots.

Lidl ging damals auch ins Fernsehen, als das Image nach diversen Skandalen ramponiert war. Der Lebensmitteldiscounter setzte auf die Botschaft Sentimentalität. Selbst erfahrenene Werbeprofis erschraken, wie ihnen beim Anschauen der Filme warm ums Herz wurde.

Auch Schlecker setzt nun auf Gefühl, aber auch auf Humor. Nähe will die Werbekampagne vermitteln, schreibt Grey, Schlecker soll sozusagen der gute Freund des Verbrauchers sein. Oder werden. Es wird dafür zusätzlich Online-Werbung geben, wohl auch Zeitungsanzeigen.

"Es ging darum, eine authentische wie auch sympathische Kampagne zu kreieren, die dann natürlich zum Einkaufen bei Schlecker motiviert", sagt Christian Hupertz, Kreativchef bei Grey. Wann die Realität auf der Fläche die heile Welt aus den TV-Spots widerspiegeln wird, bleibt freiich offen.

Steffen Gerth

Hier können Sie sich die Schlecker-Spots anschauen.