Erfreuliche Nachrichten: Aufgrund der anhaltend guten Arbeitsmarktsituation machen sich weniger Menschen aus der Not heraus selbstständig. Viele der Neugründer sind digital unterwegs – und im Handel.

Die Anzahl der Neugründungen ist im vergangenen Jahr zurückgegangen: 763.000 Personen haben sich 2015 selbstständig gemacht, das sind immerhin 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Das ist ein Ergebnis des aktuellen KfW-Gründungsmonitors, den die KfW Bankengruppe vorgestellt hat. Dies sind gute Neuigkeiten, denn zugleich nahmen die "Notgründungen aus Mangel an besseren Alternativen" überproportional ab. Das sind fast 30 Prozent weniger als im Vergleich zum Vorjahr.

"Die sehr gute Situation am Arbeitsmarkt hemmt die Gründungstätigkeit", erklärt Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. "Positiv dabei ist, dass es zuvor noch nie so wenige Notgründer gab." Sein Fazit: "Das Gründungsgeschehen hat an Quantität verloren, aber strukturell an Qualität gewonnen."

Jeder fünfte Gründer betreibt sein Geschäft digital

Die Beteiligung von Frauen an der Gründungstätigkeit bleibt mit 43 Prozent das dritte Jahr in Folge auf Rekordniveau, die meisten Gründungen finden im Dienstleistungssektor statt, gefolgt vom produzierenden Gewerbe und dem Handel.

Dabei ist jeder fünfte Gründer (21 Prozent) ein „digitaler“ Neuunternehmer, das heißt, sein Angebot ist ausschließlich durch digitale Technologien nutzbar. Die Geschäftsmodelle sind vielfältig: Als digitale Gründer gelten App-Anbieter, Betreiber von Webportalen, Onlinehändler, Softwareentwickler oder auch Webdesigner. Der Vorteil der Digitalisierung zeigt sich im Marktzugang: Während bei den Gründern insgesamt über die Hälfte regional ausgerichtet sind, zielen 70 Prozent der "digitalen" Gründer direkt auf den nationalen oder internationalen Markt.

Rund 30 Prozent brechen ihr Projekt ab

Berlin bleibt vor Hamburg Gründerhauptstadt: Berechnet auf der Datenbasis von 2013 bis 2015, liegt der Anteil der Gründer an der jeweiligen Bevölkerung im Alter von 18 bis 64 Jahren hier bei 2,5 Prozent. In Sachsen-Anhalt gibt es die wenigsten Neugründungen. Dort liegt die Gründerquote bei 0,9 Prozent. Innerhalb von drei Jahren brechen rund 30 Prozent der Gründer ab, ist eine weitere Beobachtung der KfW-Volkswirte. Gründungsprojekte im Vollerwerb seien hier bestandsfester als im Nebenerwerb, erklärte Zeuner.

Finanzierung fällt leichter

Die derzeitige Niedrigzinsphase beschert den Gründern offenbar auch bessere Finanzierungsbedingungen: Im vergangenen Jahr hatten nur noch 15 Prozent der Gründer Schwierigkeiten, an Geld zu kommen; 2014 waren es noch 20 Prozent. Insgesamt setzen die Firmengründer mit 65 Prozent 2015 etwas häufiger Finanzmittel ein als im Vergleich zum Vorjahr, rund 23 Prozent greifen hierbei auf externe Quellen  wie Kreditinstitute, Privatinvestoren oder Familie und Freunde zurück. Das externe Kapital bewegt sich dabei meist im Mikrofinanzbereich bis zu 25.000 Euro. Allerdings ist der Anteil von Gründern mit höherem Einsatz externen Kapitals in den letzten Jahren gestiegen, 2015 auf einen bisherigen Höchstwert von 8 Prozent.

Gründer tragen übrigens zum florierenden Arbeitsmarkt in Deutschland bei: Für sich selbst und für angestellte Mitarbeiter haben die Jungunternehmer 2015 rund 610.000 vollzeitäquivalente Stellen geschaffen.