Die Deutschen haben das Feiern in der Krise offenbar nicht verlernt: Der Sektkonsum steigt. Aus dem einstige Nischenprodukt Rosé ist ein ernsthaftes Marktsegment geworden.   

Die Deutschen lassen trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise – oder vielleicht ja auch gerade deswegen – in diesem Jahr häufiger die Korken knallen: Der Sektmarkt konnte in den ersten zehn Monaten dieses Jahres um 6,7 Prozent zulegen, meldet der Verband Deutscher Sektkellereien nach Zahlen des Marktforschungsunternehmens Nielsen.

Auch für das laufende Weihnachts- und Silvestergeschäft sind die deutschen Sekthersteller optimistisch. „Wir schauen auf dieses Jahr mit Zufriedenheit“, sagte Verbandssprecher Walter Bischof gegenüber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Trend, zu Hause zu feiern – neudeutsch: Cocooning - sorge letztlich auch dafür, dass das eine oder andere Gläschen mehr als in der Gaststätte getrunken werde. Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Verband mit einem Absatzplus von 5 Prozent. Damit würde der deutsche Sektmarkt erstmals seit mehreren Jahren wieder wachsen.

Deutsche mögen Rosé

Neben dem Trend zur Feier in den eigenen vier Wänden spielten weitere Faktoren eine Rolle. So sei das Sektangebot in den Regalen des Handels vielfältiger geworden. „Rosé-Sekt hatte vor fünf Jahren nur einen Anteil von zwei Prozent am Sektmarkt. In diesem Jahr werden wir die 10-Prozent-Marke knacken“, ist Bischof überzeugt.

Der Anteil der deutschen Sekthersteller am Inlandsmarkt steige von 80 Prozent in Richtung 85 Prozent deutlich an. Einzelne ausländische Marken hätten infolge von Preiserhöhungen Absatz verloren, erläuterte der Verbandssprecher. Außerdem habe in den oberen Preislagen deutscher Premiumsekt gegenüber Champagner Boden gutgemacht.

Der Gesamtabsatz von Sekt im deutschen Lebensmittelhandel sowie den Drogeriemärkten ist laut Nielsen in den ersten zehn Monaten 2009 um knapp ein Prozent gestiegen. Auch der Umsatz nahm demnach - ebenfalls um Kalendereffekte bereinigt - um knapp ein Prozent zu. Die Preise blieben "unter dem Strich stabil". Das bestätigt auch der der Verband: Supermärkte böten Sekt im laufenden Weihnachts- und Silvestergeschäft in einem größeren Umfang zu Aktionspreisen an.

Rotkäppchen Nummer Eins

Nach einer früheren Meldung von Nielsen sind der unangefochtene Marktführer Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, gefolgt von der Henkell & Co. Sektkellerei KG. Erst mit großem Abstand hinter den beiden deutschen Unternehmen folgt Campari Deutschland mit den Produkten der Marke Cinzano.

Während im Jahr 1970 in Deutschland rund 140 Millionen Flaschen Sekt konsumiert wurden, waren es 2008 knapp 425.000 – davon stammten knapp 358.000 Flaschen aus deutschen Kellereien. Anfang der 1990er Jahre waren echte deutsche Sektjahre: 1994 erreichte der Absatz mit 560.000 Flaschen seinen Höhepunkt, ging seitdem aber beständig wieder runter.