Fressnapf hat nun auch einen Onlineshop. Doch da muss noch einiges verbessert werden: ein subjektives Einkaufserlebnis einer Hundebesitzerin.

Endlich hat die Tierbedarfskette Fressnapf auch einen Internetshop. Das hatte sie vor ein paar Jahren schon mal – allerdings zu früh, wie Chef Torsten Toeller im April dieses Jahres auf einer Pressekonferenz unumwunden zugab. Damals legte er jedoch auch die Benchmark recht hoch: So gut wie Zooplus.de müsse der zweite Versuch des hauseigenen Shops schon mindestens werden.

Das haben wir uns einmal am Beispiel Hundefutter genauer angeschaut: Zwei Vierbeiner, beide mittelgroß, verschlingen schon so einiges am Tag. Onlinebestellungen sind da ideal – schwere Pakete frei Haus geliefert zu bekommen hat definitiv was für sich.

Übersichtlicher Shop

Es fängt gut an: Der Shop wird auf Fressnapf.de gut und auffällig angepriesen. Die erste Shopseite ist übersichtlich nach Tiergruppen von Katze bis Terrarium geordnet und hat sogar eine Abteilung „Frauchen und Herrchen“ mit den Unterkategorien „Spielen“, „Anziehen“, „Auf Tour“ (mit den Vierbeinern, also Taschen) sowie „Wohnen“ mit Staubsaugern und Reinigungsgeräten. Letztere Kategorie finde ich originell und praktisch.

Doch es geht ja um die Hunde, nicht um mich: Also klicke ich auf die Rubrik „Hund“, und auch hier fällt die übersichtliche Struktur der elf Unterkategorien auf. Die Kategorien „Spielen“ und „Trainieren“ sind getrennt, allerdings sind unter „Trainieren“ recht wenige Produkte zu finden, und die sind im Prinzip nur für die derzeit moderne Hundesportart "Agilty".

Gerade mal sieben Feuchtfutter-Marken

Weiter zum Hundefutter, gleich in der ersten Kategorie „Füttern“ zu finden. Während es allgemein bei Futter „nach Marken filtern“ knapp 30 Anbieter inklusive der Fressnapf-Hausmarken wie „Real Nature“ und „Select Gold“ sind, sind es bei „Nassfutter“ gerade einmal sieben. Zum Vergleich: Beim Konkurrenten Zooplus.de gibt es mehr als 20 unterschiedliche Feuchtfutter-Anbieter.

Meine bevorzugten Marken Bozita und Rinti sind bei Fressnapf nicht gelistet. Als ich „Bozita“ in die Shopsuche eingebe – ich habe diese Marke schon mal bei Fressnapf stationär gekauft und weiß also, dass es sie irgendwo geben muss – bekomme ich andere Hundefuttermarken und Unsinn wie das „Futterhaus Post Office“, einen faltbaren Napf und Futter für Meerschweinchen und Zwergkaninchen aufgelistet. Also alles Mögliche, nur kein Futter von der Marke, die ich will – ich fühle mich veralbert.

Kein Frostfutter

Bei der Suche nach „Frostfutter“ – Zooplus.de hat Frostfutter von drei verschiedenen Anbietern im Programm – kommt wenigstens die Meldung „Keine Ergebnisse für Frostfutter gefunden“. Manche Hundebesitzer gehen nämlich „zurück zu den Ursprüngen“ und füttern ihre Hunde nicht mit Fertigkost, sondern stellen das Futter aus rohem Fleisch, Knochen und Gemüse selbst zusammen. Einen Namen hat das Ganze auch: „BARF“; kurz für „Born Again Raw Feeders“ (wiedergeborene Rohfütterer).

Die Debatte, ob man „barft“ oder nicht, führt gemeinhin schnell zu einem Glaubenskrieg unter Hundeliebhabern. Ich halte mich da raus und füttere meinen beiden auch schon mal rohes Fleisch aber nicht unbedingt konsequent. Allerdings ist es ganz praktisch, kleine Schälchen ekliger Innereien, die Hunde so lieben, im Gefrierfach zu haben.

Ich lege also ein paar Dosen Hundefutter einer anderen Marke und Leckerlis in den Einkaufswagen, damit ich über 19 Euro Einkaufswert komme – wie bei Zooplus.de ist der Versand dann innerhalb Deutschlands kostenfrei für den Kunden.

Kreditkarte ja, Kreditkarte nein

Der Neukunde hat im „Warenkorb“ die Wahl zwischen einer Registrierung oder einem Kauf ohne Registrierung und dann die Möglichkeit, per Bankeinzug, Rechnung oder Nachnahme mit einem Aufschlag in Höhe von 4,99 Euro zu zahlen. Die ausführlicheren „Versand- und Bezahloptionen“, die man anklicken kann, listen auch die Zahlungsmöglichkeit Kreditkarte auf; angeboten wird sie aber während des Bestellvorgangs nicht.

Mich würde auch interessieren, welcher Paketdienstleister mir das Paket bringt: Bei Zooplus.de habe ich die Wahl zwischen DHL und GLS. Doch bei Fressnapf weiß der Kunde nicht, wer das Paket liefert. Das ist bei schweren Paketen wichtig, weil das Internetcafé gegenüber unserer Wohnung DHL-Pakete annimmt, wenn ich nicht da bin.

Unbekannter Paketbote

Zum Beispiel der nächste Hermes-Paketshop ist hingegen gut einen Kilometer weit weg: Ich schleppe Hundefutter nicht so gerne durch die Gegend, deshalb finde ich die Onlinebestellung ja so praktisch. Wenn ich sowieso das Auto bemühen muss, um an das Paket zu kommen, kann ich gleich zu einer Fressnapf-Filiale oder einem anderen Tierfachhändler fahren.

Der Onlineshop von Fressnapf kann mich also noch nicht so recht überzeugen. Aber er ist ja gerade mal einen Tag alt, da kann man noch ein bisschen Nachsicht walten lassen. Heute bestelle ich aber das Hundefutter wie gehabt bei der Konkurrenz.