Die Turbulenzen bei Lidl haben nun auch die Unternehmensführung erreicht: Vorstandschef Wilfried Oskierski hat überraschend gekündigt.

Das Manager-Magazin hatte ihn einmal als "Mann der starren Ordnung und der ständigen Wiedervorlage" bezeichnet. Seine Mitarbeiter würde er mit ewigen Nachfragen nerven, ob dieses oder jenes schon erledigt sei.

Nun ist Oskierski zurückgetreten, seinen Weggang bestätigte eine Sprecherin des Discounters an diesem Mittwoch. Gründe dafür wurden aber nicht genannt. Angeblich habe Oskierskis Ausscheiden aus dem Unternehmen nichts mit der Bespitzelungsaffäre zu tun.

Differenzen mit Gehring

Bei Lidl waren in diesem Jahr massive Bespitzelungen von Mitarbeitern bekannt geworden. Datenschützer fordern nun fast 1,5 Millionen Bußgeld von Deutschlands größten Discounter.  Für Oskierski, der von der Edeka-Tochter Netto zu Lidl gestoßen war, hat der Discounter aus Neckarsulm noch keinen Nachfolger gefunden.

Nach Informationen von Spiegel Online gab es zuletzt Differenzen zwischen Oskierski und dem mächtigen Lidl-Aufsichtsratschef Klaus Gehrig. Unternehmenskenner berichten, dass Gehrig mit Blick auf die Expansion des Discounters den Druck auf Oskierski erhöht hat, dem der Vorstandsvorsitzende offenbar nicht mehr standhielt. Weder Lidl noch Oskierski wollten dazu Stellung nehmen.

Nur Platz fünf

Auch bei der Beliebtheit bei den Verbrauchern hat Lidl Nachholbedarf. Denn in einer Kundenbefragung der Unternehmensberatung KPMG schnitt Aldi am besten ab. Der große Konkurrent aus Neckarsulm landete in der Tabelle der beliebtesten Lebensmittelmärkte nur auf Rang fünf. Die Kunden monierten das Sortiment bei Tiefkühlkost, Süßwaren sowie Molkerei- und Fertigprodukten. Die 1.000 befragten Verbraucher stuften Aldis Produktqualität grundsätzlich höher ein als bei Lidl.