Eataly ist in Deutschland angekommen. In München wurde die erste Markthalle für italienischen Genuss eröffnet. Und Genuss ist hier mehr als essen und trinken.

Die Handelsbranche kennt die Bezeichnung hybrides Einkaufszentrum. Damit ist eine Mischung aus Fachmarktzentrum und Shoppingcenter gemeint. Wer das Konzept von Eataly beschreiben will, kommt ebenfalls um das Wort hybrid nicht herum. Geht es hier um Gastronomie? Lebensmittelhandel? Non-Food-Handel? Hier hängen dicke Schinken an der Decke, ein paar Meter weiter wird feiner Fisch serviert - und auf der anderen Seite kann man sich sogar ein neues Rennrad kaufen.

Die Münchner Schrannenhalle nahe dem Viktualienmarkt haben sich die Italiener für ihren deutschen Markteintritt von Eataly ausgesucht, nun wurde eine Besichtigung im kleinen Kreis geboten. Ab Donnerstag, dem 26. November, ist die Halle für das Publikum geöffnet. Auf 4.600 Quadratmeter, verteilt auf drei Etagen, werden rund 10.000 Produkte angeboten, wie etwa Wein, Wurst, Käse, Kaffee, Olivenöle, Obst und Gemüse. Dazu gibt es neun Werkstätten, wo man zusehen kann, wie beipielsweise italienisches Brot gebacken wird.

Auch regionale Lieferanten

Zu 90 Prozent stammen die feinen Lebensmittel aus italienischer Herkunft, 10 Prozent stellen regionale Erzeuger oder Lieferanten, wie etwa der Münchner Obst- und Gemüsehändler Gessler. Auf etwa 12 Prozent soll der Anteil der regionalen Lieferanten noch wachsen, sagte Marktleiter Alexander Baermann zu Der Handel. Mehr auf keinen Fall, "sonst wäre es ja irgendwann kein italienisches Geschäft mehr".

Es geht in der gläsernen Schrannenhalle um Genuss in vielerlei Hinsicht. Weinliebhaber können aus über 1.200 verschiedenen Wein- und 150 Biersorten wählen, gute Schokolade essen, sich in der Gastronomie verköstigen. Sie können auch Kochtöpfe kaufen - und Rennräder. Denn damit man ohne Reue genießen kann, sollte man genussvoll Sport treiben. Radfahren etwa. Dafür hat der italienische Traditionsfahrradhersteller Bianchi in der Schrannenhalle ein kleines Geschäft inklusive Mechaniker eingerichtet. Der Münchner ZS-Verlag stellt überdies ein Sortiment an Koch- und Kunstbüchern.

Neues Leben für die Schrannenhalle

Eataly wurde 2003 vom Italiener Oscar Farinette gegründet und bezeichnet sich als größten Marktplatz der Welt. Mit dem neuen Ableger in München gehören nun insgesamt 27 Standorte zu der Genusswelt. Die Schrannenhalle ist dabei ein spezieller Ort in der bayerischen Landeshauptstadt. Viele Konzepte scheiterten hier. Erst in diesem Frühjahr verließ der Münchner Feinkosthändler Käfer die ehemalige Getreidehalle.

Nachfolger Eately betreibt die Münchner Filiale als Joint Venture mit dem österreichischen Karstadt-Eigner Signa Retail. Im Rahmen dieser weniger Wochen alten Zusammenarbeit sollen bis zum Jahr 2021 mindestens fünf weitere Standorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz entstehen. Karstadt-Chef Stephan Fandler sprach bisher davon, dass für die KaDeWe-Group und Karstadt Warenhaus geprüft wird, ob Eately als Ergänzung zu den LeBuffet-Formaten möglich ist. Denkbar sei auch der Umbau von LeBuffet-Flächen zu Eataly-Stores.

Steffen Gerth, München