Nils Winkler, CEO von Yapital
Nils Winkler, CEO von Yapital
Das Multichannel-Bezahlverfahren Yapital gilt als der wohl vielversprechendeste Angreifer gegen PayPal. Nils Winkler, CEO von Yapital, setzt dafür auf eine breite Klaviatur der mobilen Möglichkeiten des Smartphones. Fehlt nur noch die Akzeptanz der Nutzer. Doch auch da ist Winkler optimistisch. Im Interview sagt er, was ihn hoffnungsfroh stimmt und warum er sich auf Apple Pay freut. 

Herr Winkler, Apple will mit Apple Pay am Mobile Payment-Markt mitverdienen. Platzt nun der Knoten?

Nils Winkler: Was Apple plant, ist keine Raketenwissenschaft und hat für den deutschen Markt zunächst weniger Relevanz. Apple ist aber in der Lage, dem Kunden abstrakte Themen gut verdaubar zu vermitteln. Das erzeugt Aufmerksamkeit. Das ist gut für uns, denn wir haben das bessere Produkt, weil Yapital Cross-Channel-fähig ist.

 

Trotzdem: So richtig braucht Mobile Payment kein Mensch?

Nils Winkler: Wenn man isoliert auf das Thema schaut, dann mag das so sein. Aber wenn man in breiteren Anwendungsfeldern denkt, dann gewinnt Mobile Payment erheblich an Attraktivität. Wir müssen deshalb den Vorgang besser vermitteln und plastisch darstellen. Nur ein Beispiel: Wie oft haben Sie sich schon geärgert, dass Sie nicht ausreichend Bargeld dabei hatten, mussten dann einen Bankautomaten finden und dort gegen Gebühr Geld abheben? Mit Yapital passiert Ihnen das nicht.

Sie denken aber vermutlich nicht nur an meine Bargeld-Knappheit, sondern auch an die Yapitalworld auf der dmexco in Köln. Ob am Schaufenster, an der Kasse oder auf der Couch per Katalog - überall konnte der Kunde dort den QR-Code mit der Yapital-App scannen, bezahlen und fertig war der Einkauf. Wie realistisch ist es denn, dass der Everywhere-Konsum auf Everywhere-Payment trifft?

Nils Winkler:  Das ist realistisch. Das war schließlich keine PR-Show. Die Frage ist eher, ab wann das realistisch ist. Die Möglichkeiten liegen alle parat. Und sie werden weitaus schneller umgesetzt, als manch einer gedacht hat. Die technischen Dienstleister und Payment Service Provider implementieren die Infrastruktur derzeit mit hohem Tempo. Yapital ist Teil dieser Infrastruktur. Hinzu kommt: Vielfach muss der Händler die Infrastruktur seines Kassensystems gar nicht ändern, sondern nach einem Software-Update nur ein Häkchen hinter Yapital machen.

Nils Winkler: "Viele Anbieter, die hier und da ein paar Läden ausstatten, werden die Durststrecke nicht überstehen."



Yapital hat als Cross-Channel-Payment-Lösung inzwischen reichlich große Partner bis hin zur Rewe dabei.  Trotzdem bleibt – wie bei allen anderen Anbietern - die Akzeptanzstellen-Dichte ein Problem. Wann ist der Tipping Point erreicht?

Nils Winkler:  Nur Handelsketten auszustatten, reicht da sicher nicht. Man muss auch die Akzeptanz beim Verbraucher steigern. Dafür braucht es Durchhaltevermögen. Es dauert schließlich, bis sich so ein System rechnet. Viele Anbieter, die hier und da ein paar Läden ausstatten, werden diese Durststrecke nicht überstehen. Bei Yapital haben wir uns darauf eingerichtet, dass es etwas dauern kann. Ich glaube aber, dass es schneller gehen wird. Denn die Yapital-Nutzer sind sehr intensive Nutzer.

 

Woran liegt das?

Nils Winkler:  Yapital bietet ein Prepaid-System, aber auch eine Autofunding-Funktion und kommt damit unterschiedlichen Kundenwünschen auf Händler- und Konsumentenseite entgegen. Zudem bieten wir mit der Send-Money-Funktion ein extrem alltagstaugliches Feature. Das erzeugt Dynamik. Wenn die Kunden spüren, wie nützlich Mobile Payment im Alltag ist, setzt es sich schneller durch.

 

Bei einer eher jungen Zielgruppe?

Nils Winkler: Falsch. Wir haben auch eine vergleichsweise großen Anteil an Nutzern in der Altersgruppe 60 plus. Die Best Ager sind neuen Techniken gegenüber entweder sehr ablehnend oder sehr aufgeschlossen. Die aufgeschlossene Gruppe findet es cool, moderne Techniken zu nutzen.

Nils Winkler: "NFC ist genauso ein Krücke wie Beacon."


Zurück zu Apple Pay. Das System setzt auf NFC. Beacon kommen zunehmend in Mode. Yapital baut auf den QR-Code. Haben Sie am Hype vorbeigeplant?

Nils Winkler:  Das sind allesamt Brückentechnologien. NFC ist genauso ein Krücke wie Beacon. Das ist ja ohnehin noch nicht das Ende der Entwicklung. In unserem Innovation-Lab schauen wir uns gerade die Möglichkeiten von Ultraschall an. Damit lassen sich auch während einer TV-Sendung Signale, beispielsweise über ein T-Shirt in einem Werbeblock, aufs Handy senden. Den Fingerabdruck-Scan als mögliche Alternative für die PIN-Eingabe testen wir auch.

Nichtsdestotrotz ist der QR-Code derzeit die beste Lösung, weil er überall einsetzbar und aufdruckbar ist und in weiten Teilen schon zum Alltag der Kunden gehört.

Hinzu kommt: Die Yapital MasterCard ist bereits mit der neuen NFC-Chip-Technologie ausgestattet. Auch sonst sind wir für NFC gerüstet. Wir sind also vorbereitet, wenn der Kunde das möchte.