Nissan treibt die Elektromobilität voran und schickt mit dem Stadtlieferwagen E-NV 200 sein zweites rein elektrisch betriebenes Fahrzeug an die Steckdosen. Eine interessante Alternative für den urbanen Verkehr.

Die Nachteile sind zwar hinlänglich bekannt, doch die Vorteile kann man im wahrsten Wortsinn nun bei immer mehr Anbietern erfahren: Trotz weiterhin vergleichsweise geringer Reichweiten und hohen Anschaffungskosten nehmen rein elektrisch betriebene Automobile langsam Fahrt auf.

Im Pkw-Bereich übernehmen der Nissan Leaf, der Renault Zoe, der VW E-Golf, der BMW i3 und bald auch der Audi A 3 etron die Vorreiterrolle, bei den leichten Nutzfahrzeugen haben Renault mit dem Kangoo sowie Peugeot (Partner) und Citroen (Berlingo) bereits Pionierarbeit geleistet (siehe Der Handel 6/2014).

Jetzt rüstet Nissan mit dem E-NV 200 ein zweites Modell mit Elektromotor und Lithium-Ionen-Batterie aus. Am 7. Juli startet die Auslieferung des in Barcelona gefertigten Trendsetters. Allerdings müssen nach der Bestellung "rund drei Monate Lieferzeit" einkalkuliert werden, wie Produktmanager Joachim Köpf einräumt.

Für innerstädtische Lieferaufgaben

Die Japaner nehmen mit ihrem zukunftsträchtigen Angebot vor allem auch Handelsbetriebe mit innerstädtischen Transportaufgaben ins Visier. 35 Prozent der Kunden in diesem Segment würden täglich weniger als 100 Kilometer zurücklegen, hat die Nissan-Marktforschung ermittelt. Für diesen potenziellen Käuferkreis seien der wahlweise Kastenwagen, fünfsitzige Kombi oder vornehmer ausgeschlagene Personentransporter mit dem Zusatznamen Evalia besonders interessant.

Beim Kennenlerntermin im wuseligen Verkehr der katalanischen Metropole Barcelona fiel auf den ersten Blick zunächst lediglich die gegenüber dem bisherigen NV 200 veränderte Frontpartie auf. Die E-Version verfügt hier über eine Klappe unter der sich zwei Anschlüsse unterschiedlicher Größe verstecken. Damit kann der Wagen an allen derzeit gängigen Varianten vom Schnellladesystem bis zur haushaltsüblichen Steckdose aufgeladen werden. Je nach Anschluss vergehen dafür zwischen einer halben und zehn Stunden.

4,2 Kubikmeter Ladevolumen, 770 Kilogramm Zuladung

Selbst bei genauerem Hinsehen gibt sich der kleine Frachter noch nicht als alternative Mobilitätslösung zu erkennen. Die 4,56-Meter-Karosse kann, wie die Brüder der Baureihe, variabel mit großer Heckklappe oder Flügeltüren und wahlweise mit seitlichen Schiebetüren geordert werden. Das Laderaumvolumen beträgt unvermindert 4,2 Kubikmeter, weil die Akkus platzsparend im Fahrzeugboden untergebracht sind und die Zuladung ist mit 770 Kilogramm sogar noch ein wenig höher als beim herkömmlichen Modell mit Dieselmotor.

Buchstäblich spannend wird es dann aber beim Anlassen: Geräuschlos rollt der Nissan davon, beschleunigt bei Bedarf vehement und vermittelt durch die angenehme Ruhe tatsächlich das Gefühl, ohne Stress unterwegs zu sein. Der dürfte erst aufkommen, wenn sich die zentral im Display angebrachte Reichweitenanzeige von den maximal 170 Kilometern rasch gen Null bewegt.

Eco-Modus spart Strom

Foto: Nissan
Foto: Nissan
Um den Stromverbrauch zu begrenzen, lässt sich die Eco-Taste drücken. Dann reduziert sich die Fahrleistung. Oder der Fahrer stellt den Gangwählhebel von der Stufe "D" in "B". So wird die Bremsenergie, etwa bei Bergabfahrten, noch effizienter genutzt und die Reichweite verlängert.

Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern würde sich gegenüber dem Diesel eine Ersparnis von 770 Euro an Kraftstoffkosten ergeben, hat Nissan errechnet. Zudem seien die Wartungskosten gegenüber dem Verbrennungsmotor geringer, da keine weiteren Betriebsstoffe wie etwa Motorenöl nötig sind - und der lokal emissionsfreie E-Transporter kann auch in geschlossenen Räumen, beispielsweise in Lagerhallen, problemlos betrieben und damit direkt am Regal beladen werden.

Batterie kaufen oder mieten

Flexibel gibt sich der Hersteller bei der Preisgestaltung: Der Kunde kann wählen, ob er nur das Fahrzeug kaufen und die Batterie mit monatlichen Raten von rund 90 Euro (abhängig von der Laufleistung) mieten oder alles komplett erwerben möchte. Ohne Akku startet die Preisliste bei 20.100 Euro (ohne Mehrwertsteuer) - und damit knapp unter denen der französischen Wettbewerber. Mit Batterie werden wenigstens 25.058 Euro fällig.

Bernd Nusser