Die Tengelmann-Gruppe konnte Umsatz und Gewinn 2010 deutlich erhöhen - vor allem dank der Nonfood-Sparten. Auch künftig ruhen die Hoffnungen vor allem auf den Baumärkten und den Internetbeteiligungen. 

Durch die anstehende energetische Sanierung vieler Häuser rechnet Obi 2011 mit einer Art Sonderkonjunktur für das Baumarktgeschäft in Deutschland. Das sagte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Mülheim.

Nach der Eröffnung von 24 neuen Obi-Standorten in Europa im vergangenen Jahr werde die Baumarktkette ihre Expansion auch im laufenden Jahr mit unvermindertem Tempo fortsetzen. Derzeit betreibt Obi 561 Filialen, davon 340 in Deutschland.

Mit einem Umsatz von 6,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr (plus
8,3 Prozent) ist Obi der mit großem Abstand wichtigste Geschäftsbereich der Mülheimer Handelsgruppe Tengelmann.

Gewinn steigt deutlich

Im vergangenen Jahr konnte die Tengelmann-Gruppe ihren um aufgegebene Aktivitäten bereinigten Gesamtumsatz um 4,1 Prozent auf 10,52 Milliarden Euro steigern. Das Unternehmen hatte sich im vergangenen Jahr unter anderem von Märkten der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann im Rhein/Main/Neckar-Gebiet sowie von Aktivitäten in Rumänien und Bulgarien getrennt.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg im Geschäftsjahr 2010 deutlich von 330 Millionen Euro auf 410 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote liege derzeit bei nahezu 37 Prozent. Nähere Angaben machte der Chef des Familienunternehmens nicht.

Die im vergangenen Dezember angemeldete Insolvenz der US-Tengelmann-Tochter A&P habe sich "sehr schmerzhaft" ausgewirkt, sagte Haub. Die Beteiligung sei jedoch mit einem "dreistelligen Millionenbetrag" bereits volllständig abgeschrieben.

Rote Zahlen bei Kaiser's Tengelmann

Bei der Supermarktsparte Kaiser's Tengelmann hinterließen Umstrukturierung und Netzbereinigung deutliche Spuren. Um 8,5 Prozent sanken die Umsätze. Bereinigt um die aufgegebenen Filialen weist Tengelmann ein Umsatzplus von 0,1 Prozent für die Lebensmittelmärkte aus. 

Nach dem Abschluss eines sogenannten Zukunftssicherungsvertrags mit den Beschäftigten zeigte sich Haub optimistisch in Hinblick auf die Aussichten der nun bundesweit 531 Filialen von Kaiser's Tengelmann. Die Vereinbarung sieht einen bis zum Jahr 2013 befristeten Verzicht der Mitarbeiter von jeweils der Hälfte des Urlaubs- und Weihnachtsgelds vor.
 
Zur Tengelmann gehört auch der Textil- und Nonfood-Discounter Kik mit 3.025 Filialen sechs europäischen Ländern. Diese erzielten 2010 einen Umsatz von 1,66 Milliarden Euro, das waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Internetbeteiligungen werden kräftig ausgebaut

In den ersten sechs Monaten des neuen Geschäftsjahres liege die Unternehmensgruppe Tengelmann beim Ergebnis "über Plan" und beim Umsatz "unter Plan", so Karl-Erivan Haub.

Trotz derzeit noch roter Zahlen im Internet-Geschäft werde Tengelmann den Bereich E-Commerce in den kommenden Jahren ausbauen, kündigte Haub an. Die in diesem Geschäft mit derzeit 13 Unternehmensbeteiligungen erwirtschafteten Verluste seien "sehr verschmerzbar". Eine Prognose für das Erreichen der Gewinnzone im Internetgeschäft wollte Haub nicht angeben.

Bereits bis Ende 2011 soll die Zahl der Unternehmensbeteiligungen im Bereich E-Commerce auf etwa 20 kräftig ausgebaut werden. Jüngste Neuerwerbungen von Tengelmann sind Beteiligungen an einem Online-Anbieter für Premium-Kaffee, dem Berliner Coffee Circle, an der auf alternative Online-Bezahlsysteme spezialisierten Münchner Deal United GmbH sowie an Lieferheld.de, einem Pizzabringdienst.