Die Prognose war schon nicht gut, die Realität ist entsprechend: Hugo Boss büßt aufgrund der Konjunkturschwäche auf europäischen Märkten ein. Der eigene Einzelhandel bleibt jedoch das Erfolgsmodell des Modekonzerns.

Der Modekonzern Hugo Boss kommt angesichts der Konjunkturschwäche in vielen Ländern und Krisen rund um den Globus nicht so schnell voran wie erhofft. Das Unternehmen aus Metzingen veröffentlichte am Mittwoch vorläufige Jahreszahlen, die schlechter ausfielen als erwartet. Dabei hatte Hugo Boss bereits im November die Erwartungen gedämpft. Die damals gesenkten Prognosen erreichte Hugo Boss nach einem verpatzten vierten Quartal nur knapp. Vor allem in den eigenen Läden lief das Geschäft aber gut.

Der Konzernumsatz stieg 2014 nach ersten Berechnungen - bereinigt um Währungseinflüsse - um sechs Prozent auf 2,57 Milliarden Euro, auch wegen des Vertriebs von Hugo-Boss-Ware über die eigenen Filialen. Im vierten Quartal legten die Erlöse jedoch lediglich um drei Prozent zu. Vor allem in Europa habe sich das Wachstum zum Jahresende hin verlangsamt, hieß es zur Begründung. Dennoch habe man sich besser geschlagen als viele Wettbewerber. In der gesamten Modebranche sei der Absatz in vielen Märkten nämlich sogar geschrumpft.

Vom Nahen Osten bis nach China

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 591 Millionen Euro. Vor Steuern verdiente Hugo Boss mit 437 Millionen Euro nur ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Schuld daran waren Sonderkosten, die durch die Vertragsauflösung mit einem Handelsagenten im Nahen Osten sowie den geplanten Abbau von Produktionsstandorten anfielen.

Die Schwaben übernehmen seit geraumer Zeit bislang von Partnern betriebene Läden. Ab März werde nun auch das Geschäft in Südkorea in Eigenregie geführt, wie Hugo Boss mitteilte. Den chinesischen Markt beackert Hugo Boss ab April ebenfalls komplett selbst. Im Nahen Osten baut Hugo Boss 2015 zudem eine eigene Vertriebsgesellschaft auf.

Aktie büßt ein

Der Konzern glaubt, auf diese Weise die Marke besser präsentieren und die Wachstumspotenziale der jeweiligen Märkte ausschöpfen zu können. Über die Kaufpreise bei den Übernahmen sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Einfluss auf Umsatz und Ergebnis werde allerdings im laufenden Jahr positiv sein. Die ausführlichen Zahlen für 2014 und den Dividendenvorschlag will der Konzern am 11. März bekanntgeben.

An der Börse sackte die im MDax notierte Hugo-Boss-Aktie am Mittwoch zunächst um rund 2,5 Prozent ab. Allerdings hatte das Papier zuletzt auch enorm an Wert gewonnen. Das Unternehmen wird von dem Finanzinvestor Permira kontrolliert, der seine Beteiligung schrittweise abbaut. Aktuell hält Permira noch 32 Prozent, am Markt wird aber mit weiteren Verkäufen gerechnet.