Auf den ersten Blick ist Inventorum nur eine weitere Kassenapp für das iPad. Und daran herrscht nun wahrlich kein Mangel. Dieser erste Eindruck täuscht aber, denn die App ist der Schlüssel für eine Plattform, die dem Händler um die Ecke die Tür zum Internethandel weit aufstößt. Grund genug, der App einen eigenen Beitrag zu widmen.

Um das zu erklären, lohnt ein Blick in meinem Heimatort. Dort gibt es einige Geschäfte, denen ich vom Sortiment auch Erfolg im Internet zutraue. Die Antworten der Händler auf die Frage, warum eine Bestellung per Internet nicht möglich ist, haben überwiegend mit Aufwänden und Kosten zu tun.

Das Sortiment der exklusiven Boutique, dem feinen Teegeschäft und der kleinen Galerie umfasst wenige und gesuchte Artikel. Hier ist viel Handarbeit angesagt und verwaltet werden Artikel und Kunden mit Nischenprogrammen für den PC - wenn überhaupt. In diesem Fall wird die Synchronisation des Warenbestands zwischen Geschäft und Shop schon zur Aufgabe. Diesen Händlern kann Inventorum helfen.

Die Startseite von Inventorum schafft Klarheit - es geht um Handel, nicht Gastronomie
Die Startseite von Inventorum schafft Klarheit - es geht um Handel, nicht Gastronomie

Handel statt Gastronomie im Fokus

Wer die App von Inventorum im Apple-Store findet, könnte die Software für eine weitere iPad-Kasse halten, wie sie bereits SumUp, Orderbird oder Gastrofix anbieten. Doch bereits die Produktpräsentation auf der Website zeigt, dass es den Machern in erster Linie um den stationären Handel geht. Nutzer, die sich für das System entscheiden, erhalten nicht nur ein Kassensystem, sondern damit etwa auch wichtige Kennzahlen über die Umsatzentwicklung. Mit dem iPad kann der Händler also sein Geschäft steuern. Für diese Idee konnten die Gründer 4 Millionen Euro im vergangenen Jahr einsammeln.

Warenwirtschaft inklusive - das iPad als Zentrale

Die Entwickler haben sich ganz bewusst am kleinen Einzelhändler orientiert. Im Backend steht eine Excelvorlage zur Verfügung, über die der Artikelbestand eingepflegt werden kann. Das geht natürlich auch direkt per Hand. Auch Kundendaten lassen sich rasch anlegen.

Die App verwandelt das iPad zu einer Kasse mit Touchscreen. Über die integrierte Kamera können sogar Barcodes eingelesen werden. Im Shop von Inventorum kann der Händler sinnvolles Zubehör zum System erwerben. Verschiedene Bon-Drucker, Handscanner und das Kartenlesegerät von iZettle werden angeboten.

DIe App verwandelt das iPad in eine Kasse mit Touch-Bedienung
DIe App verwandelt das iPad in eine Kasse mit Touch-Bedienung

Online-Shop ohne Mühe

Das System von Inventorum kann auch vollständig ohne einen eigenen Shop genutzt werden. Dem Backend ist aber anzumerken, dass bei der Entwicklung der Gedanke Pate gestanden hat, die Stammdaten des lokalen Geschäfts als Grundlage für einen Online-Shop zu verwenden.

Und ein solcher Shop kann (sofern der entsprechende Tarif gebucht wurde) direkt im Backend aktiviert werden. Er übernimmt die Daten aus der Warenwirtschaft des Kassensystems. Der Lagerbestand ist also stets aktuell, auch wenn ein Artikel online geordert wird.

Im Backend aktiviert der Händler bei Bedarf den Shop und nimmt Änderungen an der Konfiguration vor
Im Backend aktiviert der Händler bei Bedarf den Shop und nimmt Änderungen an der Konfiguration vor

Mit wenigen Mausklicks ist der Shop konfiguriert und der Händler damit online. Wunder sind (auch technisch) natürlich keine zu erwarten. Sowohl bei den Zahlungsarten (Paypal oder Vorkasse) als auch bei den Designs gibt es wenig Auswahl. Das dürfte in Zukunft aber einfach zu korrigieren sein.

Wichtige Kennzahlen erhält der Händler ebenfalls direkt in der App
Wichtige Kennzahlen erhält der Händler ebenfalls direkt in der App

Einfache Gebührenstruktur

Die Dienste von Inventorum können bereits für weniger als 40 Euro pro Monat gebucht werden. Das Basispaket umfasst Kasse und Warenwirtschaft. Für 80 Euro gibt es die Anbindung an das System von eBay und den Online-Shop. Wer sich vertraglich für einen längeren Zeitraum bindet, erhält deutliche Rabatte. Die 800 Euro für ein Jahr belasten mit Sicherheit das Budget kleinerer Händler. Da aber darin das Kassensystem und das Hosting eines Shops stecken, erscheint der Service wiederum nicht so teuer.