Für vier Tage trafen sich rund 100 Aussteller auf der Online 2000 in Düsseldorf, um zum Entwicklungsfortschritt der Telekommunikation und Informationstechnologie ihr Bestes zu geben. Dabei hat es die Kongressmesse nicht leicht. Viele Unternehmen sehen im Vorfeld der CeBIT in ihr nur einen "Probelauf".

Für vier Tage trafen sich rund 100 Aussteller auf der Online 2000 in Düsseldorf, um zum Entwicklungsfortschritt der Telekommunikation und Informationstechnologie ihr Bestes zu geben. Dabei hat es die Kongressmesse nicht leicht: Viele Unternehmen sehen im Vorfeld der CeBIT in der Düsseldorfer Messe nur einen "Testlauf".

Bereits zum 23. Male öffnete am 31. Januar die Kongressmesse "Online 2000" in Düsseldorf für vier Tage ihre Tore. Und sage und schreibe 350(!) Referenten berichteten in acht parallel stattfindenden Kongress-Blöcken über die "Megatrends" der Telekommunikation und Informationstechnik und des E-Commerce/E-Business.

Die Referenten: CEOs, Geschäftsführer, Unternehmensberater, Technische Ingenieure, Marketing Manager und Sales Manager.Sie waren mit ihren Unternehmen auch mit Stand auf der Messe vertreten und kamen teils "actually" aus den USA. Und alle hatten sie während ihres USA-Besuchs ein "außerordentlich wichtiges Gespräch mit einem außerordentlich wichtigen Mann aus Silicon Valley" hinter sich.
Gespannt waren denn auch die Zuhörer und harrten der versprochenen neuen Trends. In den knackig gefüllten Kongressräumen wurde man jedoch das Gefühl nicht los, unter den Ausstellern selbst zu sitzen, die da ihre(n) ‚Kollegen' (be)lauschten. Und man vermisste die Zielgruppe, für die eigentlich ein solches Event gedacht ist (oder doch nicht?), nämlich den mittelständischen deutschen Unternehmer. Gilt ihm nicht die ganze Aufmerksamkeit der Dienstleister und Unternehmensberater und Softwareunternehmen?"

Der geneigte und nicht der Insider-Fraktion zugehörige Teilnehmer, der - angesichts der immer wieder zitierten übermächtigen "Dot.com"-Benchmarks aus den USA - nicht vor Ehrfurcht versank, stellte sich spätestens nach dem dritten Vortrag die Frage: "Kann denn keiner dieser Experten, Trends, Ideen und vor allem Beispiele aus der Praxis für die d e u t s c h e n mittelständischen Unternehmer im Hinblick auf Region, Mensch und Bedarf selbständig erarbeiten, ohne in jedem zweiten Satz die USA zitieren zu müssen?
In diese Richtung argumentierten die wenigen Unternehmer im Auditorium. Und kritisierten weiter, dass ja schließlich nicht alles unbedingt mit den Verhältnissen in den USA vergleichbar wäre. Denn es gäbe ja auch eine eigene Internet-Entwicklung in Deutschland. Und -- das darf man zudem nicht vergessen -- operiere in Deutschland auch eine der Internet-Technologie aufgeschlossene Unternehmerschaft, die bereit sei, E-Commerce aktiv mitzumachen und voranzutreiben.

In der Tat, dieses Potenzial ist nicht zu unterschätzen.

Daher ist es auch völlig unnötig und der Sache wenig dienlich, einen Hersteller aus Silicon Valley zu zitieren, der da sagt, es käme ihm vor, als ob die Amerikaner in der Lokomotive des E-Commerce-Zuges sitzen und steuern würden, während die Deutschen hinten im Schlafwagen dösen. Und wenn sie zwischendurch mal aufwachen, dann nur, um in den Speisewagen zu gehen und einen Kaffee zu trinken. Diese Untugend der Unternehmerschelte sollte in Zukunft etwas zurückgefahren, das Anprangern der Defizite in der deutschen Wirtschaft versachlicht und konkrete praxisorientierte Beispiele präsentiert werden.

Drehen wir doch einmal etwas provokativ den Spieß um: Ist dieser "Silicon-Valley-Apostel" denn überhaupt auf dem neuesten europäischen Entwicklungsstand?

Und sollten die Zuhörer tatsächlich die Ratschläge junger Unternehmensberater (High Potentials, frisch von der Uni, idealistisch, theoretisch) befolgen, die gerade mit den neuesten Trend-Slogans ausgestattet wurden, die da lauten: "Kannibalisieren Sie sich selbst, bevor Sie von einem "Dot.com" aufgefressen werden!"
Und kommt es uns nicht bekannt vor, wenn gefordert wird, das "E" wieder dahin zurück zu schicken, wo es hingehört, nämlich ins Alphabet? Wurde dies nicht erst kürzlich beim Gipfel in Davos ausdiskutiert? Alter Wein in neuen Schläuchen!

Selbstverständlich dürfen wir Europäer nicht aufhören, die Trends in den USA zu beobachten und -- falls sinnvoll, nützlich und übertragbar -- in unsere Unternehmensmodelle und -konzepte zu integrieren. Doch wir sollten auch nicht vorbehaltlos und unkritisch all das übernehmen, was uns "Uncle Sam" vorgibt.

Deutschland liegt nicht mehr im Dämmerschlaf, es ist erwacht. Natürlich, das sei aber eingestanden: Wir haben -- der eine mehr, der andere weniger, der andere im Dauerzustand -- etwas gedöst. Über Jahre haben die Gewerkschaften die Unternehmen voll beschäftigt und gezwungen zu rationalisieren bis zum ökonomischen Kollaps. Parallel dazu hat der Staat die Unternehmen ausgepresst. Nun scheint an diesen Fronten etwas Ruhe eingekehrt, so dass sich die Manager auch dem E-Commerce widmen können. Und siehe da, es existieren bereits sehr fortschrittliche sowie vorbildliche und erfolgreiche Unternehmen und Projekte, die eine eigenständige deutsche E-Commerce-Entwicklung unterstützen. Zwar weniger dramatisch oder hysterisch oder amerikanisch, aber dennoch nicht zu unterschätzen.

Ja, die Online 2000, mit ihrem "weltweit größten Kongressangebot zu den Innovationen der Telekommunikation und Informationstechnik" (O-Ton Veranstalter), hat es wahrlich nicht leicht! Leider konnte sie dieses Mal keine neuen Trends und Akzente setzen. Und leider wird sie sich auch diesmal nicht dem Ruf entziehen können, der Probeläufer der CeBIT gewesen zu sein.

Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr.


karla.stock@cybiz.de