Jederzeit verfügbar, schnell und kostengünstig, aber doch etwas unsicher - so sehen die meisten Bundesbürger die Abwicklung von Bankgeschäften im Internet.

Jederzeit verfügbar, schnell und kostengünstig, aber doch etwas unsicher - so sehen die meisten Bundesbürger die Abwicklung von Bankgeschäften im Internet. Sieben Millionen Deutsche nutzen bereits heute die Online-Angebote von Banken, im nächsten Jahr soll diese Zahl auf zehn Millionen steigen.

Doch welche Leistungen und welchen Service kann man als Kunde von einer Online-Bank erwarten? Und was dürfen Kontoführung, Transaktionen, Kredite, Depots und Brokerage kosten?

Die Bankenexperten des Beratungsunternehmens Mercer Management Consulting untersuchten in einem dreimonatigen Praxistest den Service und die Preise von 27 ausgewählten Online-Banken. Sie eröffneten Konten, tätigten Überweisungen, richteten Daueraufträge ein, handelten Aktien und beantragten Kredite. Mercer-Bankenexperte Stephan Stamm: "Die perfekte Universalbank gibt es online noch nicht. Vielmehr sollte jeder Kunde genau überlegen, welche Leistungen er von seiner Bank benötigt und wie viel er dafür zu zahlen bereit ist, um dann seine Online-Bank gezielt nach diesen Kriterien auszuwählen."

Insgesamt gesehen schaffte es laut Test keine Bank, über alle Bereiche hinweg einen rundum guten Service zu bieten. Gesamtsieger über alle Disziplinen wurde die Advance Bank. Sie landete zwar nirgends auf dem ersten Rang, leistet sich aber - außer beim Konsumentenkredit - auch keine nennenswerten Schwächen. Die Advance Bank bietet ein solides, breites Produktangebot mit einem vergleichsweise attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis. Gefolgt wird sie von der Bank24, die in puncto Produktinformation sowie in der technischen Abwicklung brilliert und eine hervorragende Kreditabwicklung bietet. Beim Zahlungsverkehr offenbart sie jedoch deutliche Schwächen und bietet zudem ein hohes Preisniveau. Auch eine individuelle Beratung wird von der Bank24 über das Internet nicht angeboten.

Überweisungen und Daueraufträge sowie Online-Kontoabfragen und Kontoauszüge gehören inzwischen zu den Standardleistungen der Online-Konten. Keine Daueraufträge einrichten konnten unter den getesteten Banken nur die Allgemeine Deutsche Direktbank (Diba) und die Frankfurter Volksbank. Kreditkartenbestellung, Online-Dispo-Kredite und Euroschecks bieten jedoch nur die wenigsten Internet-Banken. Wer solche Leistungen nutzen möchte, so die Experten von Mercer, muss die Angebote der einzelnen Anbieter genau miteinander vergleichen.

Auf jeden Fall vergleichen sollten neue Kunden die Preise: Zehn der getesteten Banken verzichteten ganz oder teilweise auf Kontoführungsgebühren. Die Spardabank München etwa bietet Kontoführung und Kreditkarte ohne Einschränkung umsonst an. Die Net-Bank verlangt zwar 39 DM pro Jahr für die Kreditkarte, zahlt dafür aber lukrative 3.99% Guthabenzinsen. Damit ist sie der Preisführer bei den Online-Banken, was allerdings in diesem Falle auch mit sehr schlechter Benutzerführung, Beratung und Bearbeitung bezahlt werden muss. Am anderen Ende der Preisskala verlangt beispielsweise die Dresdner Bank eine jährliche Kontoführungsgebühr von 144 DM und die Kreditkarte kostet zusätzliche 59 DM. Generell ergab der Test, dass vor allem Großbanken noch ein sehr hohes Preisniveau besitzen.

Ein gutes Zeugnis stellten die Mercer-Tester der Sicherheit im deutschen Online-Banking aus. Persönliche Geheimzahlen (PIN), Transaktionsnummern (TAN) und Verschlüsselung sind Standard. Von der Nutzung des besonders sicheren HBCI-Standards raten die Experten bei Mercer zur Zeit noch ab: Die Installation ist zu kompliziert und während des Tests traten zahlreiche Probleme mit diesem Verschlüsselungssystem auf. Defizite hingegen bestehen beim Verbraucherschutz - die AGBs sind oft schwer zu verstehen und teilweise einseitig zu Gunsten der Banken ausgelegt. Ein "Ungenügend" erhielten viele Online-Banken auch bei der Vergabe von Krediten. Test-Sieger waren hier die Institute, die auch Online-Kreditanträge zulassen: Net-Bank, Citibank, Diba, Norisbank und Bank24.

Der internationalen Konkurrenz nicht gewachsen Im europaweiten Vergleich stehen die deutschen Online-Banken nur mittelmäßig da, resümiert Mercer-Berater Stephan Stamm. Hier geben die Skandinavier und die Engländer den Ton an. Der Online-Rundumservice, vom Girokonto über das Vorsorgesparen und Brokerage-Services bis hin zum Autokredit, am Telefon genauso wie im Internet oder via WAP auf dem Handy, ist in diesem Ländern bereits eine Selbstverständlichkeit. (ST)


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