Das virtuelle Vorzeige-Unternehmen Boo.com, ein Online-Händler von Mode und Sportbekleidung, ist nach nur einem halben Jahr gescheitert. Auch für die deutsche Tochtergesellschaft von Boo.com wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Das Vorzeige-Unternehmen der New Economy, Boo.com, ein Online-Händler von Mode und Sportbekleidung, ist nach nur einem halben Jahr gescheitert. Auch für die deutsche Tochtergesellschaft von Boo.com wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet.

"Boo.com's Bankrott bedeutet nicht das Ende des Online-Handels, sondern nur das Ende einer schlecht geführten Website." Mit diesen Worten kommentiert das US-Marktforschungsunternehmen Forrester Research den Konkurs von Boo.com. Ernst Malmsten, einer der Unternehmensgründer, räumte gegenüber der Presse ein, dass Boo.com die Kosten nicht in den Griff bekam. Branchenkenner bestätigen, dass der virtuelle Händler tägliche Ausgaben von einer Million US-Dollar hatte. Beschäftigt wurden 300 Mitarbeiter, davon 200 in London, die restlichen in New York, Paris, Stockholm und München. Die Verbindlichkeiten sollen bei rund 20 Millionen US-Dollar liegen.

Von dem Konkurs sei eine Reihe von hochkarätigen Investoren betroffen, darunter der französische Unternehmer Bernard Arnault, die Familie Benetton und Investmentbanken wie J.P. Morgan und Goldmann Sachs. Nach eigener Aussage sollen die drei Unternehmensgründer von Boo.com mit 40% am Kapital beteiligt sein. Vom Startkapital, das insgesamt 135 Millionen US-Dollar betrug, sollen zuletzt nur noch 500.000 US-Dollar übrig gewesen sein. Als Konkursverwalter wurde KPMG bestellt.

Sicherlich wirft diese große Pleite eines Online-Händlers Schatten auf die noch junge europäische E-conomy. Allerdings macht dieser Niedergang auch deutlich, dass nicht alle Gesetzmäßigkeiten der "Old Economy" ohne Auswirkungen über Bord geworfen werden können. Kritiker attestieren, dass vielen Verbrauchern die Nutzung dieser Website zu mühsam und langsam war. Die technischen Probleme seien durch den gleichzeitigen Start von 14 verschiedenen Länderseiten verstärkt worden. Außerdem habe ein teueres Callcenter mit 80 Beschäftigten in der Londoner Carnaby Street, so berichtet die FAZ von heute, die Kosten in die Höhe getrieben. Bereits im Januar dieses Jahres habe sich Boo.com von 90 Mitarbeitern trennen müssen. Die Rechnung vieler stationärer Einzelhändler, mangelnde Kundenfrequenz und zu niedrige Umsätze durch Niedrigpreisaktionen auszugleichen, geht auch bei Online-Händlern nicht auf. Boo.com hatte versucht, durch Preissenkungen von bis zu 40% die Geschäfte anzukurbeln.