Ist Edeka wirklich Deutschlands Lebensmittelhändler Nummer 1 im Web? Das behauptet eine Studie des niederländischen Startup Syndy, die auch etailment gestern vorstellte. Doch nicht nur manch einen Branchenbeobachter beschleichen da Zweifel. Auch einige Zahlen sprechen eine deutlich andere Sprache und sehen eher Mitbewerber Rewe deutlich vorne. 

Same Day Delivery ist ein alter Hut bei Rewe (Foto: Rewe Group)
Same Day Delivery ist ein alter Hut bei Rewe (Foto: Rewe Group)

Syndy, Sammler von Daten und Produktinformationen für Online-Shops, sieht in seinem Report Edeka mit einem Marktanteil von 14,5 Prozent vor Rewe mit 13,2 Prozent. Dahinter liegen Amazon (10,9 Prozent) und eBay (6,8 Prozent).  Auf den ersten Blick klingt das nicht unglaubwürdig. Edeka ist schließlich der größte deutscher Lebensmittelhändler.

Nur: Im Web ist die Rewe deutlich stringenter und kundennäher aufgestellt. Liefert aus Filialen und Dark Stores in rund 70 Städte. Edeka dagegen wählt den Versand via DHL und verkauft bundesweit vor allem über die Plattform Edeka24.  Dazu kommt noch ein Bauchladen anderer EDEKA-Shops, teils von selbstständigen Kaufleuten, dazu. edeka-lebensmittel.de, eworld24.de, Edeka-Lebensmittel, Dein-Edeka, Edeka-Scharrer-Shop. Dachmarke geht anders.

Trotzdem darf man die Marktanteilszahlen bezweifeln. „Ganz ehrlich - ich seh's nicht!“, sagt beispielsweise Christoph Marx, Geschäftsführer vonSimplora, einem clever gelösten Vergleichsportal für Supermarkt-Lieferservices, das inzwischen auch ein Volumen von mehreren tausend Bestellungen im Monat abwickelt.

Nimmt man beispielsweise Daten des Analytic-Tools SimilarWeb als Maßstab, dann ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Zwar sind die Trafficzahlen von SimilarWeb keine so exakte Wissenschaft wie Google Analytics oder die IVW-Zahlen, aber ihre Ungenauigkeit gilt für alle Websites gleichmaßen. So ist zumindest ein Vergleich von Wettbewerbern sehr gut möglich.

Rewe ist der Traffic-Champion

Beispiel MyTime, der Webshop der Bünting-Gruppe, liefert bundesweit per DHL und DPD, samt „Same Day“-Lieferung  im Ruhrgebiet, in Köln und in Düsseldorf, und sieht sich mit einem Sortiment von rund 34.000 Artikeln als der größte Lebensmittel-Onlineshop. SimilarWeb beziffert den Traffic vom Mytime, im Report aus den Niederlanden weit abgeschlagen, auf 180.000 Visitors im Monat.

Die Nummer 1 Edeka24 kommt dagegen sogar nur auf rund 50.000 Besucher im Monat. Da retten auch die kleinen Webshops nicht mehr viel.

AllyouneedFresh, die Post-Tochter, kommt dagegen sogar auf über 400.000 Besucher

Spitzenreiter wäre aber demnach der Rewe-Shop mit 550.000 Besuchern.

Sicher, Traffic ist nicht gleich Umsatz. Doch die Abstände wirken zu groß, als das sich daraus nicht auch gänzlich andere Marktanteile ergeben, die Edeka dann aber nicht mehr an die Spitze setzen.  

SimilarWeb sieht Rewe (blau) deutlich vor Edeka. Der Traffic-Knick ist Folge eines geänderten Algorithmus
SimilarWeb sieht Rewe (blau) deutlich vor Edeka. Der Traffic-Knick ist Folge eines geänderten Algorithmus


Auch eine Studie von Fittkau & Maaß Consulting unter Käufern von Lebensmitteln im Internet in Deutschland aus dem Jahr 2014 kommt zu einem völlig anderen Ergebnis.

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Grafik: Statista

Spötter meinen da allerdings, dass die Umsätze in dem Markt eh noch so homöopathisch sind, dass schon einer ordentlicher Warenkorb für einen Wochenendeinkauf zu drastischen Verschiebungen führen kann. Ganz so dünne aber stehen die Salatbars des Web nicht da.  Schon 2013 bezifferte das EHI den Umsatz von Rewe-Online auf 10 Millionen Euro, Allyouneed sogar auf 13 Millionen Euro. Edeka lag damals bei 8 Millionen Euro.