Die Deutschen wollen Möbel vor dem Kauf fühlen, ansehen und ausprobieren - so lautet die These. Von wegen. Denn immer mehr Konsumenten kaufen ihre Einrichtungsgegenstände im Netz. Frauen sind dabei besonders aktiv.

Immer mehr Deutsche kaufen ihre neuen Möbel nicht mehr in einem Einrichtungshaus - sondern im Internet. Vier von zehn Online-Shoppern (42 Prozent) haben demnach bereits Möbel und andere Einrichtungsgegenstände im Web bestellt, hat der Digitalverband Bitkom ermittelt. "Der Onlinehandel beschränkt sich längst nicht mehr auf Bücher und Kleidung, sondern hat auch solche Produktgruppen erfasst, die als Bastionen des stationären Handels galten. Neben Lebensmitteln sind das zum Beispiel Möbel", erklärt Bitkom-Expertin Julia Miosga.

Laut E-Commerce-Center Köln informieren sich 40 Prozent der Möbelkunden vor dem Kauf im Netz. Dieser Trend werde zunehmen - reine Flächenkonzepte von Händlern werden daher an Bedeutung verlieren, prognostizieren die Kölner Experten.

Das neue Kaufverhalten spüren auch die Unternehmen. So ist etwa beim Versender Otto der Produktbereich Möbel das größte Wachstumssegment. Im Geschäftsjahr 2014/2015 (31. März) setzte das Hamburger Unternehmen mit Möbeln 600 Millionen Euro um. Rasant wächst auch der reine Möbelversender Home24. 2015 lag der Umsatz bei 172,3 Millionen Euro - das ist ein Plus von rund 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Freilich verdient Home24, das zum Internetkonzern Rocket Internet gehört, noch kein Geld.

Onlinemöbelkauf ist weiblich

Der Möbelkauf im Internet hat vor allem unter Frauen viele Fans: Laut der Bitkom-Kundenbefragung haben schon 47 Prozent der weiblichen Online-Shopper Möbel- und Einrichtungsgegenstände im Internet gekauft, bei den Männern sind es 37 Prozent.

Auch nach Altersgruppen gibt es deutliche Unterschiede: Besonders beliebt ist die Internetbestellung von Sofas oder Sesseln bei den Onlinekunden zwischen 30 und 49 Jahren: 46 Prozent von ihnen haben schon Möbel per Mausklick erstanden. "Diese Gruppe ist in der Regel kaufkräftig und befindet sich in einer Lebensphase, in der der Aufbau des eigenen Zuhauses besondere Bedeutung hat", sagt Miosga.

Aber auch bei den 14- bis 29-jährigen Online-Shoppern sind es 39 Prozent, die Möbel und andere Einrichtungsgegenstände im Netz bestellen, bei den 50- bis 64-jährigen 43 Prozent und bei den Online-Shoppern ab 65 immer noch 32 Prozent.