Online ist bei den Zahlverfahren wenig Bewegung:Die Hälfte des Umsatzes läuft über klassische Bezahlmethoden. Aber vielleicht wird es ja noch was mit dem deutschen Paypal-Herausforderer Paydirekt.

Deutsche Konsumenten sind Gewohnheitstiere. Auch beim Bezahlen: Weil sie vor dem Internetzeitalter bei den Versandhändlern die bestellte Ware per Rechnung begleichen konnten, zahlen sie auch heute noch Onlinekäufe am liebsten erst nach Erhalt der Ware. Das zeigt die diesjährige Studie „Online-Payment 2017“ des EHI Retail Institute, die heute auf dem EHI Kartenkongress in Bonn vorgestellt wird.

So knackt der Kauf auf Rechnung im Jahr 2016 sogar die Marke von 30 Prozent und liegt mit 30,5 Prozent weiterhin an erster Stelle der umsatzstärksten Zahlungsarten. Der andere deutsche Bezahlklassiker, die Lastschrift, erobert sich demnach mit 20,2 Prozent den zweiten Platz zurück.

Die digitale Geldbörse Paypal verliert abermals Marktanteile: Mit 17,9 Prozent liegt der Bezahldienstleister beim Umsatz auf Rang drei. Den vierten Platz hat nach wie vor die Kreditkarte inne, ihr Anteil liegt bei gut 12 Prozent.

Alle anderen Zahlungsarten im Netz liegen unterhalb der 5-Prozent-Marke. Wenig überraschend spielt auch Paydirekt, die deutsche Antwort auf Paypal, noch keine größere Rolle: Der im August 2015 gestartete gemeinsame Zahlungsdienst der Deutschen Kreditwirtschaft ist bisher nicht besonders verbreitet. Laut Paydirekt haben sich bislang rund eine Million Internetnutzer für den Zahldienst angemeldet, der einen potenziellen Zugang zu mehr als 50 Millionen Girokonto-Inhabern hat. Aktuell sind allerdings gerade einmal 45 von insgesamt 815 Webshops, die Paydirekt anbieten, unter den umsatzstärksten 1.000 Onlinehändlern in Deutschland. 
Zum Vergleich: Paypal gibt an, dass ihren Zahlungsdienst 7 Millionen Händler weltweit und 18,9 Millionen Kunden allein in Deutschland nutzen. Immerhin will aber gut jeder dritte befragte Onlinehändler bis Ende 2018 Paydirekt in den Zahlungsmix aufnehmen. Vielleicht tut sich dann ja noch was.

Apropos Zahlungsmix: Was Händler anbieten und Kunden nutzen sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Webshops bieten jedenfalls mehr Zahlungsmöglichkeiten an als im Vorjahr, durchschnittlich sieben unterschiedliche. Bei den umsatzstärksten 10 Shops waren es sogar knapp neun.

Nach wie vor sind Paypal und Kreditkarten die mit Abstand am häufigsten angebotenen Zahlungsverfahren. Doch auch der in Deutschland so beliebte und umsatzstarke Rechnungskauf wurde im vorigen Jahr von gut zwei von drei der Top-1.000 Onlineshops angeboten, obgleich er ein relativ hohes Ausfallrisiko birgt. „Gegen das Ausfallrisiko beim Rechnungskauf sichern sich die meisten Händler durch einen entsprechenden Anbieter ab, sehr große und sehr kleine Shops tragen das Risiko tendenziell allerdings eher selbst“, berichtet EHI-Projektleiterin Dorothee Frigge.

"Sehr große und sehr kleine Shops tragen das Ausfallrisiko beim Rechnungskauf tendenziell eher selbst.“

EHI-Expertin Dorothee Frigge.
Die Marktanteile der Kreditkarte sind mit gut 12 Prozent nahezu konstant geblieben. Auf der einen Seite profitieren Händler bei dieser Zahlungsart von geringeren Gebühren. Auf der anderen Seite bremsen aber die erhöhten Sicherheitsvorschriften die nutzerfreundliche Handhabung der Kartenzahlung im Internet aus. Denn seit November 2015 ist für Kreditkartenzahlungen im E-Commerce gesetzlich eine „Zwei-Faktoren-Authentifizierung“ des Kunden vorgesehen.
Obwohl der Bezahlprozess für den Kunden durch die geforderte Zwei-Faktoren-Authentifizierung deutlich komplexer wird, sichern inzwischen 72 Prozent der Händler Kreditkartenzahlungen mit Hilfe sogenannter 3D-Secure-Verfahren ab, beispielsweise Verified by Visa oder Mastercard Secure Code. Dabei gibt der Käufer zunächst seine Kreditkartennummer ein. Danach wird eine Verbindung zum Kartenherausgeber hergestellt, damit der Käufer seine Identität dort mit Hilfe eines Codes bestätigt. War die Authentifizierung erfolgreich, wird die Kreditkartenzahlung ausgeführt. Inzwischen verzichten nur noch knapp 30 Prozent der Händler grundsätzlich auf die Nutzung von „3DS“, im Vorjahr waren es noch 41 Prozent.
Biometrie bei Mastercard
© Mastercard
Biometrie bei Mastercard
Die hohen Sicherheitsvorkehrungen bleiben allerdings nicht ohne Folgen, hat das EHI festgestellt: Bei 43 Prozent der Händler wurden Kreditkarten seltener als Zahlungsmittel gewählt. 61 Prozent beobachten einen Anstieg der Zahlungsabbrüche nach Auswahl der Zahlungsart Kreditkarte, wenn die Zahlung über ein 3D-Secure-Verfahren abgesichert wird.

Allerdings werden ab Januar 2018 im Rahmen der „Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie“ (PSD2) auch andere Zahlungsmittel von der Zwei-Faktoren-Authentifizierung betroffen sein. Wie sich das dann auf die Nutzung von Kreditkarten auswirkt, bleibt nach Meinung der EHI-Expertin Frigge abzuwarten.


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