Das Warenhaus-Konzept stößt im stationären Handel an seine Grenzen. Im Internet nicht: Dort lebt das Konzept "Alles unter einem Dach" wieder auf.

Immer mehr Verkäufer nutzen virtuelle Marktplätze. Somit erreichen sie mehr Kunden, ohne selbst viel Geld in Marketingaktivitäten stecken zu müssen. Handelsplattformen wie Amazon, Otto oder Neckermann nehmen Markenartikler und Händler sozusagen huckepack.

"Wer über eine Plattform verkauft, profitiert von der Reichweite der großen und bekannten Marktplätze und muss nicht viel Geld in eigene Marketingaktivitäten stecken", nennt Peter Wiedekamm, Mitgründer des Softwarehauses novomind, Vorteile der Zusammenarbeit. "Zudem kann man noch dadurch sparen, dass man dem Plattformbetreiber die Endkundenlogistik überlässt."

Prozesse sorgfältig planen

Die "Mitläufer" kommen allerdings nicht umhin, ihre internen und technischen Prozesse trotzdem sauber aufzusetzen: "Der Fahrplan ist das A und O für alle, die den Einstieg in den Onlinehandel erwägen", hat Wiedekamm beobachtet. "Es wird zwar nicht so sein, dass man am ersten Tag 10.000 Bestellungen be­arbeiten muss, aber man muss alle Prozesse sorgfältig ­geplant und getestet haben. Sonst hat man einen Mercedes in der Garage und bekommt das Tor nicht auf."

Für Peter Schmid haben die virtuellen Marktplätze auch und gerade in Krisenzeiten Vorteile für die Händler: "Die Kunden finden gezielter das, was sie suchen. In dieser Hinsicht hat das Internet einen Riesenvorteil gegenüber dem stationären Handel. Auf einer Online-Plattform kann der Händler zudem auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten erfolgreiches Marketing betreiben."

Grenzenloser Handel

Als weiteren Vorteil sieht Schmid den "grenzenlosen" ­Verkauf: "Der Händler muss seine Homepage nicht selbst übersetzen und kann doch über die Landesgrenzen hinaus verkaufen", sagt er. "Ein kleiner Händler irgendwo in der deutschen Provinz wird über einen Onlinemarktplatz plötzlich zum europäischen Mitstreiter."

Durch die virtuellen Marktplätze bekommen die Händler allerdings auch neue Konkurrenz, denn Hersteller können ihre Produkte nun über die Internetplattformen leicht selbst verkaufen: Das Auktionshaus Ebay wirbt derzeit beispielsweise gezielt um Markenhersteller, damit diese den Marktplatz als alternativen Vertriebskanal nutzen.

Viel hilft nicht immer viel

 Zwar kann im Internet jedes noch so spezielle Produkt angeboten werden,  weil es "kein Brot frisst". Doch warnt E-Commerce-Spezialist Wiedekamm davor, dass die Angebotsvielfalt auf den Onlinemarktplätzen alleine nicht ausreiche, um Umsatzpotenziale auszuschöpfen.

"Zum Beispiel hat der Drogeriefilialist Schlecker auf schlecker.de 24 Einzelshops eingerichtet. Das Gros der virtuellen Schnäppchenjäger nimmt diese Einkaufsmöglichkeit jedoch gar nicht wahr", berichtet Wiedekamm von den Ergebnissen einer Novomind-Studie. "Als Onlinemarktplatz für Wohnaccessoires ist der Drogeriediscounter nur bei mageren sechs Prozent der Konsumenten bekannt. Und nur drei Prozent wissen, dass sie über schlecker.de auch Sport- und Freizeitbekleidung erwerben können."

Sybille Wilhelm

Dieser Artikel ist im Sonderheft Online Handel 1/2009 von Der Handel erschienen.