Mit den großen Plänen von Fab ist es erst einmal nichts geworden. Nun verkleinert das amerikanische Design-Onlineportal sein Berliner Büro. Fast die Hälfte des Personals soll gehen. Einige könnten immerhin an einen anderen Standort wechseln.

Der Onlinehändler Fab streicht beim Umbau seines Geschäfts das Berliner Büro zusammen. Bis Jahresende sollen über 100 Jobs wegfallen, kündigte Mitgründer Jason Goldberg am Dienstag in einem Blogeintrag an. Das Unternehmen hatte erst jüngst die neue Europazentrale in den Josetti-Höfen Jannowitzbrücke in Berlin für 250 Mitarbeiter eröffnet.

Das erst im Februar 2012 gestartete Europageschäft mache inzwischen 40 Prozent des weltweiten Umsatzes aus, hatte Goldberg im Sommer gesagt. Sein Geschäftsprinzip formulierte er einst mit "emotional commerce", wohingegen der weltgrößte Onlinehändler Amazon nur für die pragmatische Bedarfsdeckung der Kunden zuständig sei.

Alles, nur bitte nicht normal

Denn Fab.com will alles sein - nur kein normales Unternehmen: Es soll nicht in erster Linie ums Verkaufen gehen, sondern um Emotion - die Verkäufe kämen dann von ganz allein, gemäß dem Unternehmensmotto "Smile, you're designed to". Anfang des Jahres betonte Goldberg: "Wichtiger als Umsätze ist für uns, dass die Nutzer ein spannendes Shopping-Erlebnis bekommen."

Beim Verkauf von Designermöbeln wollte er zudem gar den schwedischen Möbelhändler Ikea übertreffen. Im Hamburger "Stilwerk" betreibt Fab einen Showroom. "Wir wollen das Wow-Erlebnis unseres Portal in den Offline-Store transportieren", formulierte einst Goldberg. Und wie? "Das müssen wir erst herausfinden."

30 Mitarbeiter können nach New York wechseln

Doch nun baut das Portal sein Geschäftsmodell um. Statt sogenannter "Flash-Sales" - täglich wechselnder Angebote - setzt das Unternehmer auf klassischen Onlinehandel mit Design-Artikeln. Das sei auch der Grund für den Kahlschlag in Berlin, erklärte Goldberg. Bisher sei das Geschäft in den USA und Europa von separaten Einheiten geführt worden, weil das bei Flash-Sales so nötig sei. Mit dem neuen Geschäftsmodell werde es aber möglich, die Zentrale an einem Ort zu konzentrieren - in New York. So sei auch über 30 Mitarbeitern in Berlin angeboten worden, in die US-Metropole umzuziehen.

Die Abwendung von dem Geschäftsmodell "Flash Sales" deutete sich schon im Frühjahr an: In einem Porträt in dem Sonderheft Online Handel formulierte Goldberg das Ziel, zur ersten Wahl für Designer werden zu wollen, die ihre Produkte verkaufen, und wollte Fab ausdrücklich nicht als Plattform verstanden wissen, auf der Restbestände verkauft werden.

Original Warhol-Werke im Programm

Foto: Fab.com
Foto: Fab.com
So kooperierte Fab im Februar diesen Jahres mit der Andy Warhol Foundation of the Visual Arts und dem Auktionshaus Christie's und versteigerte 50 original Warhol-Werke. Außerdem entstand in Kooperation mit der Andy Warhol Foundation und dem belgischen Designlabel Quinze & Milan ein Hocker, der sich an Warhol's berühmte Brillo Box Skulpturen aus dem Jahre 1964 anlehnt. Das Designstück wird exklusiv und in limitierter Auflage auf Fab verkauft.

Fab hatte nach verschiedenen Finanzierungsrunden - unter anderem ist einer der Investoren der ersten Stunde der amerikanische Schauspieler Ashton Kutcher - vor gut einem Monat abermals 150 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt und will damit unter anderem in Asien expandieren. Trotz des Abbaus in Berlin habe Fab derzeit weltweit rund 70 offene Stellen.

dpa/wim

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