Der Onlinehandel boomt, die wachsenden Internetbestellungen führen immer mehr Lieferwagen durch die Städte. Nun wollen die Anbieter die Versandlogistik effizienter machen - und die Umwelt schonen.

2012 wurden online-bestellte Waren im Wert von vielen Milliarden Euro per Post verschickt - und oft sollten sie möglichst am nächsten Tag beim Käufer sein. Das Resultat: Ein Paketdienst nach dem anderen rauscht durch die Straßen der Republik.

"Es sind zwei Effekte, die sich gegenseitig überholen", sagt Michael ten Hompel, der das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund leitet. Kunden wollten nach dem Kauf per Klick möglichst schnell ihr Paket auspacken. Zugleich packten sie von Büchern über Pullover bis Lebensmittel sehr unterschiedliche Produkte in den Warenkorb. "Es bleibt keine Zeit, diese Warenströme zusammenzuführen."

Ergebnis der "Sofortness", wie Fachleute die digitale Ungeduld auch nennen: „Der Laderaum von Lastwagen auf deutschen Straßen ist im zweistelligen Prozentbereich leer", sagt ter Hompel. "Wir haben mehr kleinteilige Transporte, die letztlich umwelttechnisch kritisch sind."

Hersteller von Nutzfahrzeugen profitieren

Die Autobranche profitiert davon. Für Daimlers Lieferwagensparte Mercedes Benz Vans etwa ist die kleinteilige „City-Logistik" eine „Riesenchance". In Europa liege das Marktvolumen bei 700.000 Fahrzeugen.

Allein Europas größter Autobauer VW verkaufte im vergangenen Jahr mehr als 200.000 seiner Lieferwagen T5 und Crafter. Die Nutzfahrzeugsparte verbuchte abermals einen Rekord.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht die Entwicklung mit Sorge - wegen der Ökobilanz. "Ich glaube nicht, dass die privaten Fahrten durch E-Commerce weniger geworden sind", meint Heidi Tischmann, Güterverkehrsspezialistin des Vereins, der sich den ökologischen Transport auf die Fahne geschrieben hat. "Bevor die Leute im Netz bestellen, fahren sie doch ins Geschäft und probieren aus."

Kleinere Verteilerzentren als Lösung

Logistikprofessor ten Hompel verweist auch auf die Retouren. Die Hälfte der online bestellten Kleidung ließen die Kunden wieder zurückgehen - wofür wieder Motoren anspringen. Hinzu kommt, dass Paketzusteller viele Empfänger erst beim zweiten Versuch antreffen - oder gar nicht, so dass die Kunden ihr Paket von der Post holen.

Das Fraunhofer-Institut empfiehlt Unternehmen, kleinere stadtnahe Verteilzentren einzurichten und dort gemeinsam Pakete zu packen. Ein Beispiel: "Sie haben bei Amazon ein Schnitzel und ein Buch bestellt. In dem Verteilzentrum würden das Fleisch vom lokalen Metzger und das Buch aus dem großen überregionalen Verteilzentrum zusammengeführt."

Onlinekaufhäuser und Versender überlegen nun, wie sie die Abläufe verbessern. Die Otto-Versandtochter Hermes meldete jüngst nach einer Spezialistenanalyse stolz: Pro Karton wurde 1,5 Liter Luft eingespart.

Zalando erhofft sich mehr Effizienz und Bündelungspotenziale von einem laufenden Projekt mit der Technischen Universität Berlin. Und Amazon hat die Möglichkeit eingeführt, Artikel auch für später zu bestellen - was der VCD begrüßt. Denn ein Ende der "Sofortness" sei nötig, sagt Tischmann. "Wir brauchen auch ein Umdenken der Kunden."

Burkhard Fraune, dpa