Opel stellt für seine Fahrzeugpalette eine neue Motorengeneration vor. Dafür steht beispielhaft der kompakte Van Meriva mit dem 1,6-Liter-Diesel-Modell.

Opel arbeitet seinem Image. Für viel Geld wurde in eine Marketingkampagne investiert: "Umparken im Kopf", ist der Titel. Und nun? Haben die Kunden umgeparkt? Können die Händler schon aufatmen? "Wir sind auf dem richtigen Weg", betonen Vorstandschef Karl-Thomas Neumann und seine Mitstreiter immer wieder - zuletzt Vertriebsdirektor Christian Peter Küspert im Interview mit Der Handel (Ausgabe 6/2014).

Nach den ersten sechs Monaten des Jahres liegt der Rüsselsheimer Autobauer immerhin mit 6,9 Prozent im Plus. Das heißt: In diesem Zeitraum wurden nach den Zahlen des Flensburger Kraftfahrtbundesamtes (KBA) 112.923 Modelle mit dem Blitz im Kühlergrill zugelassen. Das bedeutet Rang fünf hinter Volkswagen, Mercedes-Benz, Audi und BMW - aber Opel rangiert noch vor Ford.

Für Vorstandschef Neumann ist das nicht genug. Längst hat der einstige VW-Manager, der das Opel-Steuer im März 2013 übernahm, die Losung ausgegeben, in Europa bald wieder zweitstärkste Kraft hinter der Marke Volkswagen zu werden.

Viele "taktische Zulassungen"

Einen eher unrühmlichen zweiten Platz hält Opel bereits: Bis einschließlich Mai registrierte die Zulassungsbehören 35.572 so genannte "taktische Zulassungen", also Fahrzeuganmeldungen auf Händler und Hersteller. Nur Volkswagen bietet hier mehr (79.388). Gemessen am Gesamtvolumen liegen die Rüsselsheimer mit einem Anteil von 39,21 Prozent aber deutlich vor den Wolfsburgern (29,73 Prozent). Allein Honda (43,09), Porsche (40,48) und Fiat (39,99) hübschen ihre Verkaufszahlen aktuell noch stärker mit den "Tageszulassungen" auf.

Bis zum Jahr 2016 will Opel bei der Konzern-Mutter General Motors, derzeit selbst von 28 Millionen Fahrzeugrückrufen gebeutelt, wieder schwarze Zahlen abzuliefern. Dafür müssen zudem nicht nur die neuen Imagemodelle wie der Adam und der kleine Stadtgeländewagen Mokka einschlagen. Das gilt auch für "Brot- und Butter-Autos" wie den neuen Corsa. Der soll in der zweiten Jahreshälfte erscheinen, für 2015 wird der neue Astra erwartet. Nur mit dem Erfolg dieser beiden Fahrzeuge kommt der Hersteller auf die notwendigen Stückzahlen und die Auslastung seiner Fertigungsstätten.

Kompakte Vans als solide Standbeine

Bisher sorgten die kompakten Vans für gute Verkaufszahlen. Allerdings scheinen der mittlerweile auch schon wieder drei Jahre alte Zafira Tourer (minus 15,1 Prozent) und der im Frühjahr überarbeitete Meriva derzeit ein wenig zu schwächeln. Aber die Auftragseingänge seien hier "außerordentlich erfreulich", wie der oberste Opel-Verkäufer Küspert versichert.

Schließlich steht gerade der Meriva für die neue Motorengeneration von Opel. Aus Flottensicht ist  hier vor allem der 1,6-Liter-Diesel interessant, der nunmehr in drei Leistungsstufen mit 70 kW/95 PS, 81 kW/110 PS und 100 kW/136 PS angeboten wird.

Diesel harmonischer und runder

Der Handel testete den stärksten Selbstzünder. Dieses Modell belegte, dass Opel den einstigen Rückstand auf die Konkurrenz tatsächlich aufgeholt hat. Ob man gleich von "Flüsterdiesel-Technologie" sprechen muss, wie der Hersteller propagiert, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass der Wagen mit dem Einsatz der neuen Antriebsgeneration deutlich harmonischer und runder läuft. Selbst im niedrigen Drehzahlbereich mobilisiert der Vierzylinder noch genügend Kräfte, um ruckfrei zu beschleunigen.

Der Motor passt gut dem steht dem 1.518 Kilogramm schweren Wagen mit dem ungewöhnlichen Türkonzept. Wegen seiner Dynamik eignet sich das Fahrzeug auch für lange Dienstreisen. In Kombination mit dem serienmäßigem Sechsgang-Schaltgetriebe und der Start/Stopp-Funktion hat Opel einen Normverbrauchswert von 4,4 Litern errechnet. In der Praxis sollten rund sechs Liter Kraftstoff einkalkuliert werden. Sparsame Fahrweise wird mit 5,3 Litern belohnt.

Praktische Vorzüge

Beibehalten hat der 4,30-Meter-Allrounder seine erhöhte Sitzposition, die in der heutigen Automobilwelt eher ungewöhnlich gute Sicht nach hinten, die weit aufschwingenden Türen, die hinten an der C-Säule angeschlagen sind, die zahlreichen Ablagemöglichkeiten, die horizontal verschiebbare Rücksitzbank sowie den ordentlichen Stauraum.

Bernd Nusser