Der Rüsselsheimer Autobauer Opel will das Nutzfahrzeug-Geschäft ausbauen und schickt den neuen Kastenwagen Movano ins Rennen.

Welche Entwicklung nimmt der Insignia? Wie kommt der neue Astra an? Was kann der überarbeitete Corsa? In der lebhaften Diskussion um die Zukunft von Opel spielten zuletzt stets nur die Pkw-Modelle eine maßgebliche Rolle.

Dabei verfügen die Rüsselsheimer auch im Nutzfahrzeug-Geschäft über eine lange Historie - und mit Combo, Vivaro sowie dem Movano über bestens eingeführte Produkte.

2014 auf dem Niveau von 2008

„Wir wollen den Transporter-Bereich viel stärker ausbauen und für uns nutzen", kündigt nun Knuth Sexauer, Marketing- und Verkaufsdirektor Commerical Vehicles in Europa, eine neue Strategie an.

Zwar ist der europäische Gesamtmarkt für leichte Nutzfahrzeuge krisenbedingt von 3,2 Millionen Einheiten in 2008 auf 2,1 Millionen Verkäufe in 2009 eingebrochen, doch Sexauer sieht die Talsohle erreicht: „2010 dürfte das Absatzvolumen um 150.000 Fahrzeuge steigen und 2014 werden wir wohl wieder das Niveau von 2008 erreichen."

Im Unternehmen wurde bereits eine neue Struktur geschaffen, um den Nutzfahrzeugen einen höheren Stellenwert zu geben und auch der Handel soll künftig verstärkt unterstützt werden.

Diese Aufgabe übernimmt zunächst einmal der neue Movano, der den Vertriebspartnern ab April zu Nettopreisen ab 24.990 Euro zum Verkauf zur Verfügung steht. Die ehrgeizigen Ziele sind im riesigen Frachtraum gleich mit verstaut: Bis 2013 soll der neue Kastenwagen die jährlichen Verkaufszahlen seines Vorgängers glatt verdoppeln.

Erstmals mit Front- oder Heckantrieb

Und auch an Verkaufsargumenten mangelt es nicht. Zwar entstand der Transporter, wie schon das bisherige Modell und der etwas kleinere Vivaro, unter Federführung des Kooperationspartners Renault, doch reklamieren die Opel-Ingenieure viele Detailverbesserungen für sich.

Erstmals wird der Wagen wahlweise mit Front- oder Heckantrieb angeboten. Vier unterschiedliche Fahrzeuglängen sowie drei Motor-Versionen des neuen 2,3-Liter-Diesels mit 74 kW/100 PS, 92 kW/125 PS und 107 kW/146 PS ergeben rund 300 unterschiedliche Varianten.

Die Nutzlast beträgt bis zu 2.500 Kilogramm, die Anhängelast in Verbindung mit Heckantrieb bis zu 3.000 Kilogramm, das Ladevolumen bis zu 17 Kubikmeter, die seitlichen Schiebtüren sind mit 1,27 Meter Breite für Europaletten ausgelegt und der Laderaum zwischen den Radkästen beträgt 1,38 Meter.

Zahlreiche Ablagen, Staufächer und sogar ein aus dem Armaturenbrett herausklappbares Klemmbrett für die Din-A4-Frachtpapiere erleichtern das Arbeitsleben des Fahrers. Standfeste Bremsen mit Pkw-Verzögerungswerten und ESP (beim Heckantrieb serienmäßig) sorgen für Sicherheit, wie sich beim ersten Test auf einem abgesperrten Prüfgelände zeigte.

Geringere Betriebskosten

Aber Opel hat nicht nur an die Praktiker sondern auch an die Controller im Unternehmen gedacht. Zehn Prozent geringere Betriebskosten, 34 Prozent weniger Wartungs- und 24 Prozent weniger Verschleißkosten versprechen die Rüsselsheimer. „Das macht exakt 4.576 Euro Ersparnis über vier Jahre Laufzeit und 150.000 Kilometer Fahrleistung", hat Knuth Sexauer ausgerechnet.

Aus Kostengründen werden alle drei Motoren auch als Euro-4-Modelle angeboten. Gegen 750 Euro Aufpreis ist ein Partikelfilter an Bord, der für die Einstufung nach Euro 5 sorgt.

Jetzt soll die Nutzfahrzeugsparte zügig auf Vordermann gebracht werden. Für den Vivaro steht noch in diesem Jahr eine Modellpflege an und der neue Opel-Chef Nick Reilly hatte schon gleich bei seinem Dienstantritt in Rüsselsheim festgestellt, dass der Stadtlieferwagen Combo dringend einen Nachfolger braucht...

Bernd Nusser