Mit einem eigenständigen Businessmodell wendet sich der neue Opel Astra von Oktober an gezielt an gewerbliche Kunden.

Als Opel im vergangenen Herbst den neuen Corsa präsentierte, war die Enttäuschung über den Kleinwagen groß. Der Neue blieb zu sehr der Alte. Die Rüsselsheimer hatten offensichtlich Kosten und Mühen gescheut, um nach immerhin acht Jahren Laufzeit tiefgreifende Veränderungen vorzunehmen. Die Quittung lässt sich in der Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes bereits ablesen: Nach dem ersten Halbjahr 2015 verbucht der "neue" Wagen nur ein mageres Plus von 2,7 Prozent, im Juni stehen gar 10,2 Prozent Minus zu Buche.

Das soll sich in diesem Herbst, wenn mit dem Astra das zweite Volumenmodell der Marke in neuer Fassung an den Start geht, nicht wiederholen. "Jede Schraube ist neu", versichert Motorenentwickler Horst Bormann. Um die ehrgeizigen Ziele des Lastenheftes zu verwirklichen, habe man eine ganz neue Fahrzeugarchitektur entwickelt, die weniger Gesamtgewicht und mehr Effizienz ermöglicht. "Da hatten wir Nachholbedarf", bekennt der Opel-Techniker mit Blick auf den jetzt auslaufenden Vorgänger, die zehnte Generation in der bislang schon 79 Jahre währenden Kompaktklassen-Historie mit Kadett und Astra (ab 1991).

Bis zu 200 Kilogramm leichter

Und so blicken die Hessen voller Stolz zunächst auf die Waage: Mindestens 120 und im besten Fall sogar bis zu 200 Kilogramm hat der Astra abgespeckt. "Das ist als würde ich zehn Kilo abnehmen. Man bewegt sich dann viel leichter", verdeutlicht Bormann anschaulich und verspricht "ein viel agileres Handling bei deutlich reduzierten Verbrauchswerten". Nachprüfen lässt sich das noch nicht. Drei Monate vor dem Marktstart Anfang Oktober war beim ersten Kennenlerntermin am Unternehmensstammsitz in Rüsselsheim zunächst nur anfassen, nicht aber anlassen angesagt.

Auf jeden Fall wirkt der Astra nun schon beim ersten Anblick deutlich filigraner und leichtfüßiger. Und bei der Sitzprobe ist auch die neue Raumökonomie bereits spürbar. Obwohl der Wagen um fünf Zentimeter auf 4,37 Meter gekürzt wurde, stehen den Insassen mehr Kopf- und Beinfreiheit zur Verfügung. Hinzu kommt ein ansprechend modernes Cockpit mit, je nach Ausstattung und Aufpreis, unterschiedlich großen Bildschirmen für die Steuerung von Enter- und Infotainment.

Telefondienstleistungen inklusive

Foto: Opel
Foto: Opel
Das beinhaltet unter dem Schlagwort "Onstar" auch die telefonischen Dienstleistungen des Herstellers. Rund um die Uhr steht ein Ansprechpartner bereit, forscht beim Diebstahl nach dem Fahrzeug, leitet einen Notruf weiter, sollten die Airbags auslösen, oder stellt eine Fahrzeug-Diagnose. Zudem können über die WLAN-Funktion bis zu sieben Geräte mit dem Internet verbunden werden.

Das blendfreie LED-Fernlicht (1.150 Euro), das es bislang lediglich bei süddeutschen Oberklasseanbietern zu kaufen gab, oder die von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) zertifizierten Sitze mit Massagefunktion zitieren die Opel-Ingenieure als weitere Highlights.

Diesel-Angebot startet bei 20.300 Euro

Zwar wollen sich die Hessen derzeit nicht dazu äußern, ob auch der Kombi namens Sports Tourer noch in diesem Jahr in neuer Fassung erscheint, aber auch die viertürige Schräghecklimousine hat ihre Fans in den Fuhrparks. Und so bietet der Hersteller gleich vom Start weg eine eigene Businessversion mit entsprechenden Preisvorteilen und in Paketen zusammengefassten Ausstattungen für das Arbeitsleben auf Achse. Dazu gehören unter anderem die langstreckentauglichen Sitze, Einparkhilfen, oder das Navigationsgerät mit Acht-Zoll-Bildschirm. Die Business-Dieselreihe beginnt beim neuen 1,6 Liter mit 70 kW/95 PS für 20.300 Euro. 81 kW/110 PS (ab 21.400 Euro) und 100 kW/136 PS (ab 23.200 Euro) ergänzen ebenso wie vier Benziner das Angebot.

Bernd Nusser