Mit der nächsten Astra-Generation wagt der Rüsselsheimer Automobilbauer einen vielversprechenden Neustart in der Kompaktklasse.

Während Marktführer Volkswagen in diesen Tagen mächtig unter Druck steht, macht Opel bei seinem Comeback selbst weiter Dampf. Bis 2020 will der Automobilhersteller 29 neue Modelle auf den Markt bringen. Das kündigte Mary Barra, die Chefin des Opel-Mutterkonzern General Motors, an.

Das wichtigste weil volumenträchtigste Fahrzeug der Rüsselsheimer steht allerdings derzeit schon auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), die noch bis einschließlich Sonntag die automobilbegeisterten Massen nach Frankfurt lockt - und ab dem 10. Oktober auch in den Verkaufsräumen der Händler. Mit dem neuen Astra wollen die Hessen endgültig vom Krisen- in den Angriffsmodus wechseln und dem im Zuge der aktuellen Manipulationsaffäre angeschlagenen Branchenprimus Volkswagen endlich wieder Marktanteile abjagen. "Die Rückkehr auf Rang zwei in Europa", hat die GM-Chefin als Losung ausgegeben.

Fünf Jahre Entwicklungszeit für die Sitze

In den Astra haben die Opel-Ingenieure auf jeden Fall ihr ganzes Knowhow hineingepackt. "Allein an den Sitzen haben wir fünf Jahre lang entwickelt", verdeutlicht Marketingdirektor Andreas Marx. Das Gestühl mit dem Zertifikat der "Aktion Gesunder Rücken" kann den Chauffeur nun wärmen, durchlüften, massieren und dürfte bei 18 Verstellmöglichkeiten auch für Vielfahrer eine passende Position ermöglichen.

Als "Weltpremiere in der Kompaktklasse" preisen die Rüsselsheimer das optionale LED-Matrixlicht, das, von der Frontkamera gesteuert, bei Dunkelheit stets im Fernlichtmodus arbeitet und den vorausfahrenden oder entgegenkommenden Verkehr dabei gekonnt ausblendet. Das Sicherheitsplus will allerdings mit 1350 Euro extra bezahlt werden.

100 kW/136 PS-Diesel mit Business-Paket

Unter den vier Benzin- und drei Dieselmotoren ist der 1,6-Liter-Selbstzünder mit 100 kW/136 PS für Fuhrparks und Flotten erste Wahl, wie sich bei der ersten Astra-Ausfahrt herausstellte. In Kombination mit der Business-Ausstattung kostet der Wagen dann 23.200 Euro. Navigation (1090 Euro) und Komfortsitzpaket (690 Euro) sollten zusätzlich noch im Dienstwagenlimit enthalten sein.

Eine echte Alternative ist der neue Dreizylinder-Turbobenziner mit 77 kW/105 PS (als Business-Modell ab 18.000 Euro). Der kleine Antrieb zieht erstaunlich agil und angenehm an und soll sich im Normverbrauch mit 4,4 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern zufrieden geben. Einziges Manko: Der Antrieb ist wahlweise nur mit Fünfgang-Handschaltung oder einem automatisierten Schaltgetriebe mit gleichfalls nur fünf Fahrstufen (700 Euro) zu haben.

Kombi kommt im Frühjahr nächsten Jahres

Mächtig stolz ist Opel auf die deutlich leichter gewordene Karosse und das dynamische Design, das sich in erster Linie am Geschmack der privaten Autokäufer orientiert. Für so manchen Firmenparkplatz dürfte der kompakte Wagen daher eine Spur zu schnittig ausgefallen sein. Und so werden gewerbliche Kunden häufig wohl bis kommenden April warten. Dann folgt die Kombiversion namens Sports Tourer, die in Deutschland 60 Prozent der Verkäufe ausmacht. Der Preisaufschlag für den größeren Frachtraum ist noch nicht festgelegt, soll aber am 10. Oktober mit der Markteinführung der Limousine feststehen.

Bernd Nusser