Neben Erdgas-Modellen bietet Opel jetzt zusätzlich Autogas-Fahrzeuge ab Werk an. Die Sonderaktion "LPG zum halben Preis" soll auch Flottenbetreiber überzeugen.

Nach Monaten der Mäßigung haben die Mineralölgesellschaften zuletzt wieder kräftig an der Benzinpreisschraube gedreht. Die Automobilclubs laufen Sturm, während Bundespräsident Horst Köhler öffentlich empfiehlt, die Kosten für Energie zu erhöhen. Die politische Diskussion um die Kosten der Mobilität ist wieder in vollem Gange.

"Für uns ist das eine Steilvorlage. Bei jeder Benzinpreiserhöhung rücken alternative Antriebe verstärkt in den Blickpunkt", sagt Jürgen Keller. Er ist Geschäftsführer der Opel Special Vehicles (OSV), einer hundertprozentigen Tochter des Rüsselsheimer Autobauers Adam Opel GmbH.
 
Das Unternehmen baut im Stammwerk in Rüsselsheim rund 50.000 Fahrzeuge pro Jahr speziell auf die Bedürfnisse von Taxi-Betreibern, Fahrschulen, Flotten und Behörden um. Hauptjob der 250 Mitarbeiter ist freilich der Einbau von Erdgas- und seit September vergangenen Jahres auch Autogas-Anlagen.

LPG-Fahrzeugbestand wächst

Bislang setzte Opel vor allem auf Erdgas - und schrieb sich mit Modellen wie dem turbogeladenen Zafira auch eine Vorreiterrolle auf diesem Gebiet zu. Doch der Fahrzeugabsatz und vor allem der Ausbau des Tankstellennetzes stagnieren seit Jahren.

Anders bei Autogas, kurz LPG für Liquefied Petroleum Gas. Das flüssige Gemisch aus Propan und Butan, ein Abfallprodukt der Benzingewinnung, scheint sich als Alternative zu Ottokraftstoff und Diesel immer mehr durchzusetzen. Der LPG-Fahrzeugbestand in Deutschland wuchs von 40.000 im Jahre 2006 auf mehr als 400.000 im laufenden Jahr. In Europa sind bereits mehr als 7,4 Millionen Autos mit dem Gastank ausgerüstet.

Und die Infrastruktur ist mitgewachsen. Gab es 2006 in Deutschland gerade mal 958 LPG-Zapfsäulen, stehen heute mehr als 6.000 zur Verfügung. 42 Prozent aller deutschen Tankstellen bieten derzeit Autogas an. In Europa halten bereits rund 33.000 Versorgungsstationen den Kraftstoff bereit.

Die Erklärung liegt auf der Hand: Während für Erdgas teure Anschlüsse nötig sind, kann LPG per Tankwagen geliefert werden. "Die Umrüstung einer Tankstelle auf LPG kostet etwa 10.000 Euro, auf Erdgas das Zehnfache", weiß Opel-Manager Keller.

Sieben Modelle im Angebot

Rasch haben die Rüsselsheimer die Serienfertigung aufgenommen, um als einer von wenigen Herstellern einen werksseitigen Einbau anbieten zu können. Derzeit stehen mit Agila (1,0-Liter 48 kW/68 PS, 1,2 Liter 62 kW/84 PS),  Corsa (1,2 Liter 55 kW/75 PS, 1,4 Liter 65 kW/89 PS),  Astra Caravan (1,4 Liter 65 kW/89 PS, 1,6 Liter 84 kW/114 PS) und Zafira (1,8 Liter 101 kW/137 PS) insgesamt sieben Modelle zur Wahl.

Der Preisaufschlag für den in der Reserverad-Mulde zusätzlich zum normalen Kraftstoffbehälter untergebrachten Gastank (Reichweite rund 500 Kilometer) sowie für die Maßnahmen am Motor liegt normalerweise bei 2.200 Euro. Vom 1. April an lockt der Hersteller mit der Sonderaktion "LPG zum halben Preis" unbefristet mit lediglich 1.100 Euro Aufschlag.

Weniger CO2, höherer Verbrauch

Somit wird die Technik auch für Flottenbetreiber interessant. Da der Steueranteil für LPG bis 2018 bei 9 Cent pro Liter festgeschrieben ist, liegt der Literprreis derzeit bei 62 Cent - und damit bei weniger als der Hälfte des Preises, der für einen Liter Benzin aufgerufen wird.

Auch die CO2-Bilanz fällt wegen des geringeren Kohlenstoffanteils um 15 Prozent günstiger aus. Allerdings: Der Verbrauch steigt. So gibt Opel beispielsweise für den Corsa 1,2 bei der Benzin-Variante einen Normwert von 6,1 Litern an, während die LPG-Version 7,8 Liter konsumiert. Und die Gasanlage muss regelmäßig überprüft werden.

Bernd Nusser